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Studie der Bertelsmann-Stiftung: Mit jedem Kind steigt das Armutsrisiko

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Bisher falsch gerechnet?  

Mit jedem Kind steigt das Armutsrisiko

07.02.2018, 08:45 Uhr | dpa-AFX, rok

Studie der Bertelsmann-Stiftung: Mit jedem Kind steigt das Armutsrisiko. Eine Mutter hält ihren Sohn an der Hand: Das Armutsrisiko von Familien in Deutschland ist deutlich höher, als bislang angenommen. (Quelle: dpa)

Eine Mutter hält ihren Sohn an der Hand: Das Armutsrisiko von Familien in Deutschland ist deutlich höher, als bislang angenommen. (Quelle: dpa)

Erschreckender Befund einer neuen Studie: Das Armutsrisiko von Familien ist deutlich höher als bislang angenommen. Jedes sechste Paar mit zwei Kindern ist armutsgefährdet. Bisher wurden arme Haushalte systematisch reicher gerechnet.

Die Entscheidung für Familienzuwachs ist nicht zuletzt eine finanzielle Frage: Denn das Armutsrisiko von Familien erhöht sich mit jedem weiteren Kind – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Danach war 2015 rund jedes achte Paar (13 Prozent) mit einem Kind armutsgefährdet, rund jedes sechste Paar mit zwei Kindern (16 Prozent) und fast jedes fünfte (18 Prozent) mit drei Kindern.

Als arm gelten demnach Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. Die Studie beruht auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Das Armutsrisiko von Familien sei damit deutlich höher, als bislang angenommen, so die Forscher der Ruhr-Universität Bochum, die die Studie erstellt haben. Sie kritisieren die in der Armutsforschung weit verbreitete OECD-Methodik – und setzen auf eine neue Berechnungsart. Eine Folge der bisherigen OECD-Methodik sei, dass arme Haushalte systematisch reicher gerechnet werden als sie sind, und reiche Haushalte systematisch ärmer, sagt Antje Funcke, Expertin für das Thema bei der Bertelsmann-Stiftung.

Reiche werden reicher, Arme ärmer

Ein Beispiel: Die Studie der Bertelsmann-Stiftung geht davon aus, dass 68 Prozent der Alleinerziehenden 2015 armutsgefährdet waren – nach der OECD-Methodik sind es mit 46 Prozent deutlich weniger. Zudem habe sich von 1991 bis 2015 die Einkommensschere zwischen wohlhabenden und armen Familien viel stärker auseinander entwickelt als bislang angenommen.

Knackpunkt ist die Berechnung der sogenannten Äquivalenzskalen: Forscher nutzen sie, um verschieden große Haushalte miteinander vergleichen zu können. Ein Beispiel: Eine Familie mit vier Personen hat gegenüber einem Single den Vorteil, dass sie nicht vier Esstische für den gleichen Wohnkomfort braucht. Dadurch hat die Familie Einsparungen und diese berücksichtigen die Äquivalenzskalen.

Laut OECD-Skala ist es so, dass für jedes Haushaltsmitglied über 14 Jahren ein Äquivalenzgewicht von 0,5 und für jedes unter 14 Jahren von 0,3 angenommen wird. Die Forscher der Ruhr-Universität haben nun zusätzlich das verfügbare Haushaltseinkommen berücksichtigt.

Kontroverse um die Daten

Der Ruf nach einer neuen Methodik ist nicht unumstritten: "Die Diskussion um die Methodik wird seit den 90er-Jahren geführt", sagt der OECD-Experte für dieses Thema, Michael Förster. Wieder methodische Diskussionen zu führen, sei ein Rückschritt. Es brauche die OECD-Skala, um Ländervergleiche zu ermöglichen. Der Trend der Bertelsmann-Studie sei aber sicherlich richtig, "wir kommen im Detail nur zu anderen Ergebnissen".

Die Stiftung fordert angesichts der neuen Studie, größeres Gewicht auf die Bekämpfung von Armut zu legen. Vor allem Alleinerziehende bräuchten stärkere Unterstützung.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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