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So viel Dreck hinterlassen Festivalbesucher

dpa, Rachel Bo├čmeyer

Aktualisiert am 10.06.2019Lesedauer: 3 Min.
M├╝ll auf dem Campingplatz des Musikfestivals "Rock im Park": Einige G├Ąste kaufen billige Zelte ÔÇô und lassen diese dann als M├╝ll zur├╝ck. (Archivbild)
M├╝ll auf dem Campingplatz des Musikfestivals "Rock im Park": Einige G├Ąste kaufen billige Zelte ÔÇô und lassen diese dann als M├╝ll zur├╝ck. (Archivbild) (Quelle: Matthias Merz/dpa-bilder)
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Die Rockfans gehen, der M├╝ll bleibt. Wahre Abfallberge erinnern auch Tage danach noch an Festivals wie "Rock im Park" und "Rock am Ring". Und dabei ist der offensichtliche Dreck noch nicht einmal das gr├Â├čte Umweltproblem.

Wenn die letzten T├Âne verklungen sind und die Festivalbesucher ├╝berm├╝det den Heimweg antreten, bietet sich auf vielen Festivalpl├Ątzen ein schauriges Bild: ├ťberall liegen Zelte, Klappst├╝hle, Flaschen, Essensreste, die einst gr├╝nen Wiesen gleichen M├╝llhalden. Bis der letzte Zigarettenstummel wegger├Ąumt und das Gel├Ąnde wieder begehbar ist, dauert es meist mehrere Tage. Woher kommt der M├╝ll, bleibt immer mehr liegen und was wird dagegen getan?

"Das Problem ist gravierend", sagt Rolf Buschmann, Ressourcen- und Abfallexperte vom Bund f├╝r Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Wenn es keinen entsprechenden Plan gebe, komme eine riesige Menge zusammen. Bei "Rock im Park" auf dem N├╝rnberger Zeppelinfeld sind es etwa 300 Tonnen M├╝ll, wie eine Sprecherin der Stadt sagt. Immerhin: Die Menge sei in den vergangenen Jahren gleich geblieben.

Zugenommen haben hingegen die Reste auf den Campingpl├Ątzen. Jacob Bilabel von der Green Music Initiative, die sich f├╝r mehr Umweltschutz in der Musikbranche einsetzt, geht davon aus, dass Festivalbesucher heutzutage zwei bis drei Mal so viel M├╝ll liegen lassen wie noch vor f├╝nf Jahren.

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Viele Besucher lassen ihre Zelte einfach liegen

Ein gro├čes Problem sind billige Zelte. Etwa 30 Prozent blieben jedes Jahr auf den Festivalgel├Ąnden zur├╝ck, sch├Ątzt Bilabel. Die Bereitschaft, Dinge liegen zu lassen, ist ihm zufolge so enorm gestiegen, weil vieles kaum noch etwas kostet. "Solange Zelte so g├╝nstig sind und als Festivalzelte verkauft werden, ├╝berlegt man sich dreimal, ob man das wegr├Ąumt." Es sei schwierig, von jungen Menschen ein Umdenken zu verlangen, die Verantwortung sollte nicht nur bei den Konsumenten liegen.

"Ein bisschen Mitverantwortung muss man schon haben", fordert hingegen Buschmann. "Sich darauf zu verlassen, dass andere nachher aufr├Ąumen, finde ich nicht nachvollziehbar." Es sei eigentlich eine Selbstverst├Ąndlichkeit, seinen eigenen M├╝ll zu entsorgen. Leider werde dies aber gerade bei gro├čen Events nicht immer getan.

Einige Festivalbetreiber legen Wert auf Umweltschutz

Dass die M├╝llmenge trotz immer mehr zur├╝ckgelassener Zelte zumindest bei einigen Festivals gleich geblieben ist, k├Ânnte vor allem am Umdenken der Veranstalter liegen. Einige Festivals wie etwa das "Feel" und das "Taubertal-Festival" schreiben sich Umweltschutz auf die Fahnen und fordern ihre Besucher auf, keine Einmalgegenst├Ąnde mitzubringen.

Das "Taubertal-Festival" unterst├╝tzt au├čerdem die Love Your Tent Initiative, die gezielt dagegen vorgehen will, dass Zelte bei Festivals liegenbleiben. Ein Graffiti soll das Zelt zu einem dauerhaften Andenken an das Event machen. Mancherorts wird mittlerweile auch auf Einwegplastik verzichtet, so zum Beispiel bei "Rock im Park". Die Klimabewegung Fridays for Future fordert von Veranstaltern, sich ebenso Gedanken ├╝ber ein nachhaltiges Essensangebot und die Stromversorgung zu machen. Auch Bilabel betont, dass der Umstieg auf Gr├╝nstrom eine gro├če Wirkung habe.

F├╝r den saubersten Platz gibt es einen Pokal

Vorst├Â├če gibt es auch bei den gro├čen Mainstream-Festivals: Unter anderem "Hurricane", "Melt!" und "Rock im Park" bieten einen Green Camping Bereich an ÔÇô einen Zeltplatz f├╝r diejenigen, die w├Ąhrend des Festivals bewusst nachhaltig sein wollen. Der Wunsch nach mehr Umweltschutz zeigt sich dort am Ende auch beim Abfall: "Leute, die im Green Camping schlafen, hinterlassen sp├╝rbar weniger M├╝ll", erkl├Ąrt eine Sprecherin von "Rock im Park". Um auch alle anderen zu motivieren, ihren M├╝ll mitzunehmen, schenken die Veranstalter derjenigen Gruppe mit dem saubersten Campingplatz einen Pokal und Freikarten f├╝rs n├Ąchste Jahr.

Auch wenn die Ans├Ątze gut seien: Buschmann glaubt, "den gro├čen Wurf gibt es wahrscheinlich noch nicht". Zwar haben die Veranstalter der Festivals die Hauptverantwortung, aber die Politik muss ihm zufolge deutlichere Akzente setzen: "Es liegt ja in der Hand derer, die die Festivals genehmigen, Vorgaben zu machen." M├╝llvermeidung m├╝sse dabei die Maxime sein.

Allerdings beschr├Ąnkt sich das Problem bei Weitem nicht nur auf Festivals. Auch bei Marathons, Stadtfesten oder dem Tag der Deutschen Einheit liege ├╝berall Abfall herum, so Bilabel. "Das Vorbildverhalten der Politik ist unterausgepr├Ągt."

Das gr├Â├čte Problem ist aber nicht der M├╝ll

Auch wenn der M├╝ll am Ende das Sichtbarste ist, ist er noch nicht einmal die gr├Â├čte Umwelts├╝nde. Die gr├Â├čte Belastung bei Festivals entsteht durch die An- und Abreise der G├Ąste, so Bilabel. Au├čerdem: "Die Realit├Ąt ist, dass das M├╝llaufkommen pro Kopf sehr ├Ąhnlich ist wie in der Stadt." Dort gebe es nur eine effizientere Infrastruktur, der Abfall sei deshalb weniger sichtbar.


Letztendlich weisen die Bilder von Schrott und Plunder auf Festivalgel├Ąnden also auf ein viel gr├Â├čeres Problem hin. Oder wie Bilabel es zusammenfasst: "Wir Deutschen sind gef├╝hlte Weltmeister im M├╝lltrennen, wir sind aber auch gef├╝hlte Weltmeister im M├╝llproduzieren."

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