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Flughafen Frankfurt: Antisemitismus-Vorwurf gegen Bundespolizei

Antisemitismus am Frankfurter Flughafen?  

Bundespolizei hinderte jüdische Gruppe an Weiterreise

17.03.2021, 16:59 Uhr
Frankfurter Flughafen: 16 Juden angeblich grundlos festgehalten

Eine Gruppe Juden aus den USA gibt an, am Frankfurter Flughafen grundlos von der Polizei festgehalten worden zu sein. Sie wurden ohne Zugang zu Wasser verhört. (Quelle: t-online)

Schwerer Vorwurf: Eine Gruppe von 16 Juden wurde angeblich stundenlang grundlos am Frankfurter Flughafen festgehalten, berichten im Video von Verhören ohne Zugang zu Wasser und Nahrung. (Quelle: t-online)


Eine Reisegruppe wirft der Bundespolizei in Frankfurt Antisemitismus vor. Dort wurden die erkennbar jüdischen Reisenden über Stunden festgesetzt. Die Behörde stellt den Fall anders dar.

Die Bundespolizei am Frankfurter Flughafen sieht sich mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Auslöser ist ein Vorfall Anfang vergangener Woche, den die Behörde auf Anfrage von t-online bestätigt hat: Demnach wurden 15 chassidische Juden aus New York und New Jersey kommend bei ihrer Zwischenlandung in Frankfurt am Main für mehrere Stunden an der Weiterreise gehindert. Die Behörde weist die Anschuldigungen entschieden zurück.

Behörde weist Vorwurf zurück

Die Schilderungen einer jüdischen Menschenrechtsorganisation, die den Vorfall nun mittels der "New York Post" öffentlich gemacht hat, und die Schilderungen der Bundespolizei gehen in entscheidenden Punkten drastisch auseinander.

Der Gruppe "Americans Against Antisemitism" zufolge wurden am 7. März 16 chassidische Juden aus New York kommend in Frankfurt festgesetzt. Zunächst seien fünf von ihnen, dann weitere zwei, und schließlich insgesamt 16 erkennbar jüdische Personen an der Weiterreise nach Wien gehindert worden, schilderten Betroffene in einem Videointerview. Es seien Verhöre erfolgt, man sei in Zellen gesperrt worden, auch Essen und Trinken sei verweigert worden.

"Purer Hass und Einschüchterung"

Das alles sei ohne Angabe von Gründen erfolgt. Erst nach Intervention der US-Botschaft habe man weiterreisen können – nach zehn Stunden in Gewahrsam. "Es war ohne Frage, von Anfang bis Ende purer Hass und Einschüchterung", sagte einer der Betroffenen in einem Videointerview mit der Organisation.

Gänzlich anders klingt der Vorfall in einer Stellungnahme der Bundespolizei auf Anfrage von t-online. Die Behörde bestätigt den Vorfall zwar, zentrale Punkte unterscheiden sich aber von der Darstellung der US-Gruppe. Antisemitismus wies ein Sprecher entschieden zurück. Am 8. März seien "insgesamt 15 US-amerikanische Staatsangehörige mit Flügen aus New York gegen 7.00 Uhr und Newark gegen 10.00 Uhr zur grenzpolizeilichen Einreisekontrolle vorstellig" geworden. Dabei habe es sich um zwei Reisegruppen gehandelt.

Österreich verweigerte Einreise

Eine zehnköpfige Gruppe habe angegeben, "nach Ungarn zu einer orthodoxen Feierlichkeit" weiterreisen zu wollen. Eine zweite, fünfköpfige Gruppe habe angegeben, "in Wien zu einem wichtigen Geschäftstreffen im Zusammenhang mit Bestattungen reisen zu wollen". Da die Einreise in die Schengen-Staaten aufgrund der Corona-Maßnahmen derzeit nur in begründeten Ausnahmefällen gestattet sei, müsse die Bundespolizei derlei Angaben eingehend überprüfen.

Die Bundespolizei habe sich deswegen an die ungarischen und österreichischen Behörden gewandt. Während die ungarischen Behörden die Reisegründe bestätigten, habe die zuständige österreichische Behörde hingegen die Einreise verweigern wollen. Erst als der Einlader der Gruppe die Reisegründe nochmals glaubhaft dargelegt hatte, habe Österreich seine Position geändert. 

Beiden Reisegruppen sei die Weiterreise dann um 13.30 Uhr gestattet worden, also nach dreieinhalb Stunden. "Die Personengruppen waren zu keinem Zeitpunkt in einem polizeilichen Gewahrsam, sondern hielten sich während der Überprüfung in einem Wartebereich der Bundespolizei auf", heißt es in der Stellungnahme weiter. Die Türen zum Transitbereich des Flughafens seien stets geöffnet gewesen. Die Betroffenen seien mehrfach mit Getränken versorgt worden. Weitere Verpflegung hätten sie abgelehnt.  

Verwendete Quellen:

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