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Günter Schabowski: Der Mann, der die Mauer fallen ließ

Günter Schabowski  

"Er wollte, dass die Mauer geöffnet wird"

08.11.2014, 10:07 Uhr | AFP, dpa

Günter Schabowski: Der Mann, der die Mauer fallen ließ. Günter Schabowski am Abend des 9. November 1989. Wenige Stunden später fiel die Mauer. (Quelle: dpa)

Günter Schabowski am Abend des 9. November 1989. Wenige Stunden später fiel die Mauer. (Quelle: dpa)

Er war der Mann, der die Mauer fallen ließ: Als Günter Schabowski am 9. November 1989 die Öffnung der Grenzen mit dem holprigen Satz "Das tritt nach meiner Kenntnis... ist das sofort, unverzüglich" bekannt gab, brachen alle Dämme. Später sagte sich Schabowski anders als die meisten seiner früheren Weggefährten von der sozialistischen Idee los und bezeichnete die DDR als einen "missglückten Versuch". Was macht der frühere SED-Funktionär heute?

Schabowski, der 1989 den Ausschlag zur Öffnung der Mauer gegeben hatte, war sich nach Angaben seiner Ehefrau sehr bewusst über die möglichen Folgen seiner Pressekonferenz. Der damalige Staatschef Egon Krenz habe ihm "einfach diesen Zettel in die Hand gedrückt, so wie eine Frau ihrem Mann einen Einkaufszettel", sagte Irina Schabowski der "Bild"-Zeitung. Ihr Mann habe "natürlich" gewusst, was die Veröffentlichung des Inhalts auslösen würde, sagte sie.

"Als er den Zettel vorlas, wollte er, dass die Mauer sofort geöffnet wird", sagte Schabowskis Ehefrau. "Man kann nicht sagen, in ein paar Stunden wird die Grenze geöffnet", fuhr sie fort. Dann hätten die Menschen die Mauer möglicherweise gestürmt und es hätte Tote geben können. "Die Grenze musste sofort geöffnet werden."

"Er hat nicht mehr so viel Kraft"

Der schwer kranke Schabowski tritt heute nicht mehr öffentlich auf. "Mein Mann ist sehr, sehr geschwächt", sagte seine Frau. "Er hat nicht mehr so viel Kraft." Ihr Mann habe mehrere Infarkte und Operationen hinter sich und werde betreut. Manchmal könne sie mit ihm noch spazieren gehen.

Nach dem Zusammenbruch der DDR brach Schabowski mit seiner Vergangenheit und bekannte sich zu moralischer Schuld. "Wir haben fast alles falsch gemacht", sagte das frühere Mitglied des SED-Politbüros vor ein paar Jahren. Den gleichen Titel trägt ein Buch Schabowskis, das 2009 herauskam. Darin beschrieb der einstige Spitzenfunktionär die DDR als "lebensuntaugliches System".

Für die DDR geschämt

Schabowski wurde wegen seiner Mitverantwortung für das DDR-Grenzregime zu drei Jahren Haft verurteilt und später begnadigt. Er schäme sich für den Staat, für den er sich bis zu dessen Zusammenbruch eingesetzt habe, erklärte er damals.

Über die Vergangenheit zu sprechen und sie zu analysieren, sei für ihren Mann eine "kraft- und zeitraubende Arbeit" gewesen, sagt Frau Schabowski heute. Die Familie werde an diesem 9. November zusammensein und an den "sehr bewegenden Tag" vor 25 Jahren denken. Günter Schabowski sei damals nach der Pressekonferenz auch zum Grenzübergang Bornholmer Brücke gefahren, wo zuerst der Schlagbaum hochgezogen wurde. Von den damaligen Genossen sei er der einzige gewesen, erinnert sich seine Frau.

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