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Bayern: 2016 mehr als 11.000 Kinder unter Tatverdacht

Kriminalstatistik in Bayern  

Tausende Kinder unter Tatverdacht

09.09.2017, 22:56 Uhr | dpa

Bayern: 2016 mehr als 11.000 Kinder unter Tatverdacht. Bayern: Tausende Kinder tatverdächtig (Quelle: dpa/Arno Burgi)

In bayerischen Sandkästen machten sich im vergangenen Jahr 70 Kinder tatverdächtig. (Quelle: Arno Burgi/dpa)

Im vergangenen Jahr standen über 11.000 Kinder unter sechs Jahren in Bayern unter Tatverdacht. In den allermeisten Fällen können sie jedoch gar nichts dafür.

Meistens handele es sich um illegal eingewanderte Kinder, so ein Sprecher des Landeskriminalamts Bayern. Abgesehen von den Verstößen gegen das Ausländerrecht bleiben 70 Tatverdächtige unter sechs Jahren. Deren Taten seien meist "Sandkastenkämpfe", so der Sprecher. Haut beispielsweise ein Kind einem anderen eine Schaufel über den Kopf, zählt das als Körperverletzung. Oder wenn ein Kind eine fremde Schaufel einsteckt, wird es zum Dieb.

Kleinen Kindern sei ihr Fehlverhalten oft noch gar nicht bewusst, sagte Margot Czekal vom Kinderschutzbund Bayern. "Kinder handeln in der Regel nicht aus krimineller Energie. Das ist dann eher ein Versehen oder mal eine Mutprobe." Deswegen sind Kinder unter 14 Jahren in Deutschland auch nicht strafmündig. "Es ist Aufgabe der Eltern, das Unrechtsbewusstsein ihrer Kinder zu fördern", sagte die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Bayern. "Kinder müssen lernen, Nein zu sagen und nicht bei jeder Mutprobe mitzumachen."

In vielen Fällen werden Kinder Opfer

Oft werden Kinder auch Opfer: Das LKA registrierte 2016 knapp 1400 Straftaten gegen unter Sechsjährige in Bayern. Sie würden geschlagen, vernachlässigt oder missbraucht. "Je älter die Kinder werden, desto größer wird die Bandbreite an Gewalt", sagte Czekal. "Ältere Kinder verstehen auch psychische Gewalt. Sie leiden darunter, wenn ihre Mutter beispielsweise mehrere Tage nicht mehr mit ihnen spricht."

In 60 Prozent werden den Angaben zufolge zum Beispiel die Eltern, Geschwister oder der Onkel zum Täter. "Gewalt in der Familie ist meist das Ergebnis von Frustration, Überforderung und Hilflosigkeit", sagte Czekal. Sie will Eltern deshalb ermutigen, sich rechtzeitig Hilfe zu holen: "Bei Zahnweh gehen wir zum Zahnarzt, bei Problemen mit dem Auto gehen wir zur Werkstatt. Und bei Problemen mit der Familie sollten wir zu einer Jugendhilfeeinrichtung gehen."

Niemand brauche deswegen Angst haben, seine Kinder zu verlieren, versicherte Czekal. "Wir Fachkräfte in der sozialen Arbeit überlegen sehr lange, bevor wir ein Kind aus seiner Familie reißen. Das ist wirklich die allerletzte Maßnahme, wenn andere Hilfsangebote nicht gewirkt haben oder wenn Gefahr im Verzug ist."

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