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Barley will gehackte Konten schneller sperren lassen

afp, dpa, rew

Aktualisiert am 08.01.2019Lesedauer: 2 Min.
Katarina Barley (SPD): Die Bundesjustizministerin wünscht sich ein Gütesiegel für IT-Sicherheit. (Archivbild)
Katarina Barley (SPD): Die Bundesjustizministerin wünscht sich ein Gütesiegel für IT-Sicherheit. (Archivbild) (Quelle: Ralf Hirschberger/dpa-bilder)
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Um die Daten von Politikern und Prominenten im Netz zu streuen, brauchte der Hacker nur eines: einen fremden Twitter-Account. So einfach will es die Justizministerin Datendieben nicht mehr machen.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hat Internetanbieter und soziale Netzwerke aufgerufen, im Fall eines Cyberangriffs schneller zu reagieren. "Die Plattformen müssen die Accounts, über die Hacks verbreitet werden, sofort sperren", sagte Barley der "Rheinischen Post". "Wenn Accounts von Hackern gekapert werden, müssen ihre Inhaber sie schnellstens zurückerlangen können", fügte sie hinzu. Es werde geprüft, wie die Plattformen stärker in die Pflicht genommen werden könnten.

Die Ministerin regte an, ein "europaweit gültiges IT-Sicherheitsgütesiegel" einzuführen. Dies solle es Nutzern ermöglichen, "vertrauenswürdige Angebote" direkt zu erkennen.

Ein Hacker stellte die Daten von rund 1.000 Prominenten ins Netz

Anlass für Barleys Vorstoß ist der Diebstahl persönlicher Daten Hunderter deutscher Politiker und Prominenter, darunter zahlreiche Handynummern. Nach Angaben des Innenministeriums sind rund 1.000 Politiker, Prominente und Journalisten von dem Onlineangriff betroffen. Etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht wurden.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) habe demzufolge schon im vergangenen Jahr von fünf Fällen gewusst – ohne einen Zusammenhang zu erkennen. Die Links zu den Datensätzen waren über einen mittlerweile gesperrten Account im Kurzbotschaftendienst Twitter verbreitet worden.

Der Innenminister muss harte Kritik einstecken

Mit seiner zögerlichen Reaktion auf den Skandal hatte sich Seehofer viel Kritik eingehandelt. Tagelang höre man nichts von Seehofer, dabei sei dieser der politisch Verantwortliche, sagte Linken-Chef Bernd Riexinger.

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Die ARD-Intendanten v.l.n.r.: Manfred Krupp (HR), Prof. Dr. Karola Wille (MDR), Dr. Katja Wildermuth (BR), Generalsekretärin Dr. Susanne Pfab, Programmdirektorin Christine Strobl, Martin Grasmück (SR), Dr. Yvette Gerner (Radio Bremen), Joachim Knuth (NDR). Vorne Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, Tom Buhrow (WDR) und Dr. Kai Gniffke (SWR).


Auch die SPD nahm den Minister in die Pflicht. "Beim BSI herrscht Kommunikationswirrwarr, und diese Behörde untersteht dem Bundesinnenminister", sagte der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka der "Passauer Neuen Presse". Lischka beklagte zugleich die Zersplitterung der für die IT-Sicherheit zuständigen Behörden und forderte eine bessere Koordination und klare Verantwortlichkeiten.

Unterstützung erhält Seehofer von der CDU

Im Gegensatz zu Lischka stellte sich der CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor hinter das BSI. "Es ist unsachlich und greift zu kurz, jetzt einseitige Kritik am BSI zu üben", sagte Amthor der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Behörde habe die gesetzliche Aufgabe, die IT-Sicherheit der Staatsorgane des Bundes zu schützen. Der Schutz der privaten Kommunikation von Amtsträgern gehöre bisher hingegen nicht zu den gesetzlichen Aufgaben des BSI. An die Kritiker des BSI appellierte Amthor, lieber eine personelle Stärkung der Behörden zu unterstützen.

Forderungen nach strukturellen Änderungen kamen neben Lischka auch von der Opposition. Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, sagte der "Heilbronner Stimme": "Struktur, Aufgaben und Kommunikation von BSI, BKA und Geheimdiensten müssen neu bestimmt werden."

Jan Albrecht fordert "Streifenpolizisten" für das Netz

Schleswig-Holsteins Minister für Digitalisierung, Jan Albrecht (Grüne), forderte ein beim BSI und den Ermittlungsbehörden angesiedeltes eigenes Ermittlungs- und Analysepersonal mit direkten Durchgriffsmöglichkeiten bei Anbietern wie Twitter. Außerdem müssten auch technisch nicht versierte Nutzer in die Lage versetzt werden, Mindeststandards einzuziehen. Albrecht sprach in der "Rheinischen Post" von "Sicherheitsgurten" und "Streifenpolizisten" für das Internet.

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