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Mord im Hauptbahnhof Frankfurt: Horst Seehofer ist hilflos


Der Hilflose

  • Jonas Mueller-Töwe
Ein Kommentar von Jonas Mueller-Töwe

Aktualisiert am 31.07.2019Lesedauer: 3 Min.
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Bundesinnenminister Horst Seehofer: Er verspricht Konsequenzen, doch auch er ist machtlos gegen Taten wie in Frankfurt und Voerde.
Bundesinnenminister Horst Seehofer: Er verspricht Konsequenzen, doch auch er ist machtlos gegen Taten wie in Frankfurt und Voerde. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa-bilder)
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Der Tod eines Kindes an einem Frankfurter Gleis erschüttert Deutschland und den Bundesinnenminister. Was hätte den mutmaßlichen Täter stoppen können? Nichts. Das weiß auch Seehofer.

Im Angesicht dieses Schreckens ist der Bundesinnenminister hilflos. Der Tod des achtjährigen Jungen an einem Gleis des Frankfurter Hauptbahnhofes lässt ihn nicht kalt, das ist ihm bei der Pressekonferenz anzumerken. Doch auch sein Amt, der mächtige Behörden- und Sicherheitsapparat, der ihm untersteht, die fortschrittliche Technik, werden nicht helfen, künftig ein solches Verbrechen zu verhindern. Das weiß Seehofer, er muss es wissen.

Der Ruf nach Maßnahmen ist einfach. Er ist auch verständlich angesichts der schier unfassbaren Brutalität des Verbrechens. Besonders der Junge, die Mutter und die Familie sind an diesem Tag Opfer geworden, daneben aber auch zahlreiche weitere Menschen: die Zeugen am Bahnsteig, das Zugpersonal, die Rettungskräfte, die Polizisten. Bahnunfälle und Suizide am Gleis gelten schon immer als besonders belastend. Die Bilder sind nicht einfach zu vergessen. Ist ein Verbrechen an einem Kind ursächlich für das Grauen – man will es sich kaum vorstellen.

Seehofer hat wenig Möglichkeiten. Verspricht er nicht Konsequenzen, wirft man ihm Untätigkeit vor. Verspricht er Konsequenzen, ist von Aktionismus die Rede. Doch die Maßnahmen, die er ankündigt, dienen der Beruhigung der Bürger – und vielleicht auch seiner selbst.

Ausgeweitete Videoüberwachung: Der Mann aus der Schweiz wurde in Deutschland aufgrund eines zuvor begangenen alltäglichen Verbrechens noch nicht einmal gesucht. Die Behörden wurden vom Nachbarstaat nicht informiert. Wie hätte Videoüberwachung also helfen sollen?

Gedenken am Frankfurter Hauptbahnhof: Das Verbrechen erschüttert die Stadt und ganz Deutschland.
Gedenken am Frankfurter Hauptbahnhof: Das Verbrechen erschüttert die Stadt und ganz Deutschland. (Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa-bilder)

Mehr Personal für Polizei und Verfassungsschutz: Auch mit mehr Personal wird die Polizei nicht überall sein können. Der Mann war nicht radikalisiert, sondern offenbar psychisch krank. Wie soll ein unabsehbares Verbrechen also im Vorfeld aufgeklärt werden?

Technische Lösungen am Bahnsteig: In Deutschland gibt es 5.600 Bahnhöfe völlig unterschiedlicher Bauart und Struktur. Einheitliche Lösungen wird es allein schon aus finanziellen Gründen nicht geben. Wie sollen flächendeckende Maßnahmen wie in Japan, China oder Dubai kopiert werden?

Möglicherweise wird durch diese Dinge die Zielfahndung erleichtert. Möglicherweise können Terroranschläge so verhindert werden, möglicherweise Taschendiebstähle durch Banden. Doch die offenbar völlig motivlose, spontane Gewalttat eines psychisch Kranken? Aussichtslos. Wenn die Maßnahmen am Bahnsteig durchgeführt sind: Was ist mit den Ampeln? Was ist mit den Brücken? Was ist mit den Autobahnen?

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Deswegen sagt Seehofer auch mehrmals, es gehe um "das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum", wenn er über Konsequenzen spricht. Deswegen betont er auch, mit den Überlegungen nicht "den Irrglauben zu verknüpfen, man könne totale Sicherheit erreichen". Die Menschen sollten zuhören, wenn der Chef des Bundesinnenministeriums so etwas sagt.

Denn Seehofer tritt seit Langem für eine ausgeweitete Videoüberwachung im öffentlichen Raum ein, die er nun wieder ins Spiel bringt. Er will seit Langem die Sicherheitsbehörden personell stärken, wie er nun wieder betont. Über angeblich notwendige Grenzkontrollen ließ er beinahe die große Koalition platzen. Er ist kein Freund des Laissez-faire. Die ansteigende Gewaltkriminalität nimmt er ebenso ernst wie sein Vorgänger Thomas de Maizière.


Doch angesichts des nicht absehbaren Schreckens ist er hilflos wie alle anderen. Bürger sollten sich nicht der Illusion hingeben, dass ein Staat spontane Gewaltausbrüche mit mehr Technik, Personal oder Gesetzen verhindern könnte. Angesichts des Schreckens ist auch der schärfste Innenminister hilflos.

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