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Hamburg-Wahl: Wie es zu den Differenzen bei den Hochrechnungen kam

Wirbel nach Hamburg  

Wie es zu den Differenzen bei den Hochrechnungen kam

24.02.2020, 18:30 Uhr | t-online

Hamburg-Wahl: Wie es zu den Differenzen bei den Hochrechnungen kam. Wahl in Hamburg: ARD und ZDF sehen die AfD schon bei der Bürgerschaftswahl ausscheiden.  (Quelle: dpa/Bildagentur-online/Ohde)

Wahl in Hamburg: ARD und ZDF sehen die AfD schon bei der Bürgerschaftswahl ausscheiden. (Quelle: Bildagentur-online/Ohde/dpa)

In den ersten Hochrechnungen zur Hamburger Wahl legten ZDF und ARD Zahlen vor, die der AfD schon den Abschied aus der Bürgerschaft prognostizieren. Warum waren Zahlen so ungenau?

ARD und ZDF haben bei der Verkündung der vorläufigen Hochrechnungen zur Hamburg-Wahl vorschnell Jubel unter AfD-Gegnern ausgelöst. Nach deren ersten Prognose kam die AfD nur auf 4,7 Prozent der Stimmen – die AfD wäre mit diesem Ergebnis aus der Bürgerschaft geflogen.

Nach der um 19.10 Uhr veröffentlichten Aussicht von Infratest dimap für die ARD gab es Freudebekundungen der AfD-Gegner und Dank an die Hamburger Wähler, dazu Häme für die AfD. Die ZDF-Hochrechnung um 19.21 Uhr schien diesen Ausgang zu bestätigen. Für den Mainzer Sender rechnete die Forschungsgruppe Wahlen ebenfalls 4,7 Prozent für die AfD hoch.

Zunächst fiel kaum auf, dass die Statistikbehörde in Hamburg um 19.40 Uhr eine ganz andere Hochrechnung herausgab: 5,8 Prozent für die AfD, die Partei wäre damit eben doch in die Bürgerschaft eingezogen. In sozialen Netzwerken dominierte zunächst weiter der Glaube, dass nach Hanau die AfD aus dem Parlament gewählt ist.

Eigentlich hatte das Statistikamt angekündigt, dass ab etwa 19.15 Uhr mit einer ersten Hochrechnung zu rechnen sei. Doch die Bekanntgabe verzögerte sich immer weiter.

Haben die Hamburger gezögert, ihren Wert mit der gegensätzlichen Aussage zu den renommierten Experten von Forschungsgruppe Wahlen und Infratest Dimap zu veröffentlichen? Gab es wegen der Brisanz Bedenken? "Auffällig sind die unterschiedlichen Hochrechnungen ja vor allem dadurch, weil die magische Fünfprozenthürde dazwischen lag", erklärt Wilko Zicht von wahlrecht.de. Das Portal hatte den Abend mit Einordnungen und Einschätzungen im Netz begleitet.

Das Statistikamt vergleiche die eigenen Ergebnisse jedoch nicht mit denen von anderen Wahlinstitutionen, sagt zumindest Pressesprecher Christian Böse. Aus dem Amt heißt es, es habe früher für eine aussagekräftige Hochrechnung noch nicht genug ausgezählte Stimmen gegeben. Deshalb sei erst um 19.40 Uhr die erste Schätzung rausgeschickt worden.

Datenbasen unterschiedlich

Wahlrecht.de lieferte eine Begründung für die starke Abweichung der amtlichen Hochrechnung zu den Angaben der TV-Sender: "Hauptgrund dürfte sein, dass die Datenbasis von ARD und ZDF zusätzlich die Exit Polls enthält", also Nachwahlbefragungen in den Wahllokalen berücksichtigte.

"Differenzen zu den Ergebnissen anderer Institutionen ergeben sich durch unterschiedliche angewandte Methoden", sagt dazu der Statistik-Amtssprecher Böse. Methoden anderer Erhebungen wollte er nicht kommentieren. 

In den Nachwahltagsbefragungen geben nicht alle Menschen, die die AfD gewählt haben, das auch an und machen zuweilen falsche Angaben. Das hat Auswirkungen auf die Hochrechnungen. Allerdings berechnen die Institute solches Verhalten inzwischen ein.

Steigender Briefwahlanteil macht Hochrechnungen schwerer

Allerdings fließen dort auch sehr viel stärker kurzfristige Entwicklungen ein, wie es in diesem Fall der Anschlag von Hanau sein könnte. Briefwähler haben ihre Stimme vielfach schon deutlich früher abgegeben – deren Wahlverhalten kann sich also noch erheblich unterscheiden von dem in den Wahllokalen. Wilko Zicht von wahlrecht.de zur grundsätzlichen Schwierigkeit: "Mit den Exit-Polls richtig zu liegen, wird bei dem steigenden Briefwähleranteil immer schwieriger."

Eine Glanzleistung sei das von ARD und ZDF nicht gewesen. Generell liege die Abweichung von 0,6 Prozentpunkten zum tatsächlichen Wert von 5,3 Prozent aber auch noch im Rahmen. Und die Statistiker der Stadt hätten ja ähnlich danebengelegen – indem sie einen zu hohen Wert in ihrer Hochrechnung angaben. Im Laufe des Wahlabends näherten sich die Werte der Sender mit denen der Hamburger Behörde an, aber erst um 20.47 Uhr sah auch eine ARD-Hochrechnung erstmals die AfD über fünf Prozent. 

Verwendete Quellen:

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