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"Zweites Ettal"? Missbrauchsverdacht in katholischem Heim

Von dpa
Aktualisiert am 05.04.2020Lesedauer: 3 Min.
Das ehemalige katholische Piusheim in Baiern im Kreis Ebersberg.
Das ehemalige katholische Piusheim in Baiern im Kreis Ebersberg. (Quelle: Steffen Heinemann/dpa./dpa)
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Baiern/M├╝nchen (dpa) - Massiver sexueller Missbrauch, Gewalt, Prostitution: Schwere Vorw├╝rfe r├╝cken ein ehemaliges katholisches Heim f├╝r schwer erziehbare Jungen ins Visier der Justiz - und bringen die Kirche und ihre Aufkl├Ąrungsarbeit einmal mehr unter Druck.

Die Staatsanwaltschaft M├╝nchen II hat Vorermittlungen eingeleitet gegen einen fr├╝heren Erzieher des ehemaligen Jugenddorfes Piusheim in Baiern in der N├Ąhe von M├╝nchen und einen damals angehenden Priester. Das teilte die Beh├Ârde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Hintergrund der Ermittlungen sind Vorw├╝rfe massiven sexuellen Missbrauchs, die im Rahmen eines Prozesses vor dem Landgericht M├╝nchen II bekannt wurden. Ein 56 Jahre alter Mann, der selbst wegen schweren Missbrauchs an kleinen Kindern angeklagt ist, hatte vor Gericht angegeben, in seiner Kindheit und Jugend unter anderem im Piusheim von mehreren M├Ąnnern missbraucht worden zu sein.

Er schilderte Entsetzliches, sprach von Prostitution, von "Anschaffen" und "Sexpartys". "90 Prozent der Jungen gingen am Wochenende los und beklauten die Dorfbewohner, 10 Prozent fuhren zum Anschaffen nach M├╝nchen." Zwei seiner Freunde h├Ątten sich erh├Ąngt - einer davon in der Dusche mit einem Schal von 1860 M├╝nchen. Auch er selbst habe schon als Kind versucht, sich das Leben zu nehmen.

Belegen lassen sich diese Vorw├╝rfe derzeit noch nicht. "Ob die Angaben sich als belastbar erweisen und ob schlie├člich eine strafrechtliche Ahndung erfolgen kann, kann noch nicht gesagt werden", betont Staatsanw├Ąltin Karin Jung.

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Das Erzbistum M├╝nchen-Freising best├Ątigt dpa allerdings auf Anfrage, dass im Zusammenhang mit der 2006 geschlossenen Einrichtung seit 2010 neun Verdachtsf├Ąlle wegen sexueller ├ťbergriffe oder k├Ârperlicher Gewalt gemeldet wurden. Alle F├Ąlle ereigneten sich nach Angaben der Katholischen Jugendf├╝rsorge von den 1950er Jahren bis Mitte der 1970er. Die Jungen, die im Piusheim als "schwer erziehbar" betreut wurden, waren zwischen 6 und 18 Jahre alt, die meisten ├Ąlter als 14.

In zwei F├Ąllen seien "Zahlungen zur Anerkennung des Leids" geleistet worden, sagt Bistumssprecher Christoph Kappes. Einmal sei es um einen Priester gegangen, den das mutma├čliche Opfer aber nicht namentlich benennen konnte. Die Vorw├╝rfe seien so glaubhaft gewesen, dass das Bistum trotzdem zahlte. In einem zweiten Fall habe die Katholische Jugendf├╝rsorge die Zahlung ├╝bernommen, weil es sich beim mutma├člichen T├Ąter nicht um einen Priester, sondern um einen Erzieher handelte.

Die Verteidigerin des Angeklagten, Anja Kollmann, h├Ąlt die Aussage ihres Mandanten f├╝r absolut authentisch. Der 56-J├Ąhrige habe ihr gegen├╝ber im Vorfeld der Gerichtsverhandlung einmal angedeutet, was ihm in seiner Jugend passiert sei. Dass er vor Gericht so ausf├╝hrlich dar├╝ber berichtete, habe sie selbst ├╝berrascht, die Dimension des Ganzen habe sie schockiert. "Das ist ja ein zweites Ettal."

Im oberbayerischen Benediktinerkloster Ettal seien allerdings vor allem Sch├╝ler aus privilegierten Familien unterrichtet worden, die sp├Ąter meist gute Jobs bekamen und irgendwann in der Lage waren, ├╝ber das zu reden, was ihnen geschehen war, sagt Psychologie-Professor Heiner Keupp, der f├╝r das Zentrum Bayern Familie und Soziales die Studie des Instituts f├╝r Praxisforschung und Projektberatung zur Situation von Heimkindern in den 50er, 60er und 1970er Jahren begleitete. "Aber in diesen Heimen waren vor allem Kinder aus schwierigen Verh├Ąltnissen, die das, was ihnen passiert ist, kaum austauschen und reflektieren konnten."

Besonders viel ist ├╝ber das Piusheim nicht dokumentiert. Es wurde nach Angaben der Katholischen Jugendf├╝rsorge (KJF) im Oktober 1905 vom katholischen "Verein zur Betreuung der verwahrlosten und bestimmungslosen Jugend" gegr├╝ndet. Die KJF ├╝bernahm die Tr├Ągerschaft am 1. Oktober 1981 und gab sie am 30. Juni 2006 wieder auf.

Im Buch "Gehorsam, Ordnung, Religion. Konfessionelle Heimerziehung 1945-1975" aus dem Jahr 2012 schreiben die Autoren von Gewalt in den 1950/60er Jahren. Und von einem "Sittlichkeitsvergehen", das einen Erzieher "in Untersuchungshaft" brachte.

Dies k├Ânnte nur die Spitze des Eisbergs sein: Der Landsberger Psychotherapeut G├╝nther M├╝hlen, der Anfang der 1970er Jahre ein Praktikum im Piusheim machte, berichtet von einem leitenden P├Ądagogen, der "nach meiner Zeit" wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen seinen Dienst quittieren musste.

In die sogenannte MHG-Studie zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche, die deutschlandweit tausende F├Ąlle dokumentierte, schafften es die Vorw├╝rfe, die zum Piusheim ans Bistum herangetragen wurden, fast alle nicht. Nur der eine Verdachtsfall mit dem Priester taucht auf, wie Sprecher Kappes sagt - unter anderem, weil es sich sonst um Erzieher handelte oder die Hinweise vage geblieben seien. Auch im "Westphal-Bericht" ├╝ber Missbrauch im Bistum taucht das Piusheim den Angaben nach nicht auf. Erzbischof war hier von 1977 bis 1982 Joseph Ratzinger, der sp├Ątere Papst Benedikt.

Der Sprecher der Opfer-Initiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, hofft, dass sich nun ehemalige Bewohner des Piusheims melden. "Ich bin sicher, wir werden dann noch so einige ├ťberraschungen erleben."

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