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Corona-Krise auf Mallorca: "Müssten die Sauftouristen von der Insel jagen"

PRO & KONTRABallermann-Lockdown  

"Hilfe, die Deutschen kommen"

Von Sophie Loelke und Patrick Diekmann

18.07.2020, 12:52 Uhr
Corona-Krise auf Mallorca: "Müssten die Sauftouristen von der Insel jagen". Ein Rettungsschwimmer mit Mundschutz hält am Strand Ausschau: Sauftouristen werden ihm in den kommenden Wochen kaum vor die Nase laufen. (Quelle: imago images/Chris Emil Janßen)

Ein Rettungsschwimmer mit Mundschutz hält am Strand Ausschau: Sauftouristen werden ihm in den kommenden Wochen kaum vor die Nase laufen. (Quelle: Chris Emil Janßen/imago images)

Nachdem die Regionalregierung in dieser Woche den "Ballermann" für zwei Monate dicht gemacht hat, diskutieren Urlauber, Veranstalter und Unternehmer: Ist das verhältnismäßig oder Irrsinn? 

Sie ist das Herzstück des "Ballermann" an der Playa de Palma auf Mallorca: die Feier-Meile an der "Bier-" und "Schinkenstraße", die zu dieser Jahreszeit für gewöhnlich aus allen Nähten platzt. Ein beliebter Hotspot gerade für deutsche Urlauber. Doch dieses Jahr ist alles anders.

Per Dekret hat die Regionalregierung eine Zwangsschließung von Lokalen und somit einen Lockdown für zwei Monate angeordnet. Statt guter Laune, Party und Alkohol prägen Polizisten und frustrierte Besucher, Kneipenbesitzer und Veranstalter das Bild. Der Grund für die Abriegelung: illegale Partys ohne Schutzmasken und Sicherheitsabstand.

Marion Pfaff, die auf Mallorca das Lokal "Krümels Stadl" betreibt, wetterte im Gespräch mit t-online.de: "Es leiden ja nicht nur die Gastronomen unter dem Lockdown. Es werden auch Unbeteiligte wie Tattoo-Läden oder kleine Supermärkte bestraft, nur weil sie sich zufällig auf dieser Straße befinden. Hier werden die Existenzen von Menschen zerstört, die mit der Party gar nichts zu tun hatten".

Pfaff glaubt, dass die Regionalregierung die Corona-Krise nutzt, "um den Party-Tourismus und Ballermann endlich plattmachen zu können." Das führt zu der Frage: 

Ist der zweimonatige Ballermann-Lockdown überzogen?

Sophie Loelke

Reporterin

Pro

Ja, die Schließungen treffen die Falschen

Mallorcas Partymeilen sind zwei Monate dicht – das ist vollkommen unverhältnismäßig. Klar, die Partytouristen haben sich am Ballermann nicht an die Regeln gehalten und die Barbesitzer die Lage nicht schnell genug in den Griff bekommen. Doch sie verdienen eine zweite Chance. Sie sollten sich beweisen dürfen, indem sie ein funktionierendes Konzept entwickeln und verbessern. Denn nur durch Erfahrung kann etwas besser werden. Oder wie soll das in zwei Monaten funktionieren?

Ende Mai bei der berüchtigten Berliner Schlauchboot-Party wurden auch weder der Kanal noch ganze Straßen oder Stadtteile gesperrt. Außerdem: Solange die Behörden keinen Infektionsfall nachweisen, der klar auf diese Partymeilen zurückgeht, sollte es keine Kollektivstrafe geben.

Die umfassende Schließung während der Hauptsaison schadet nun nicht nur den Touristen, sondern insbesondere auch Unschuldigen wie Kioskbesitzern oder Tattoostudios. Es wirkt, als nehme Mallorcas Politik Corona als Vorwand, um sich endlich die Party-Touristen vom Hals zu schaffen. Angemessen ist die Bestrafung nicht. Was es braucht, sind ein Apell an die Vernunft – ja, auch bei eimersaufenden Ballermann-Urlaubern – sowie stärkere Kontrollen und bessere Strukturen. Die gibt es nur, wenn man aus Fehlern lernt und nicht einfach alles stumpf abriegelt.

Patrick Diekmann

Redakteur Politik

Kontra

Nein, diese Dummheit erforderte eine harte Reaktion

Hilfe, die Deutschen kommen – ohne Abstand und ohne Maske. Die exzessiven Partys vieler Mallorca-Urlauber in mitten der Corona-Krise waren respektlos, gefährlich und peinlich. Die Insel-Behörden reagierten richtig, schlossen alle Lokale und Kneipen am Ballermann. Zum Schutz der Inselbevölkerung gab es keine andere Möglichkeit, die Gefahr einer zweiten Welle ist real – und das asoziale Verhalten vieler Sauftouristen auf der Insel leider auch.

Stellen Sie sich derartige Szenen in Deutschland vor: Ausländische Feiertouristen kommen ins Land, machen trotz Corona Party, halten sich nicht an Recht und Gesetz. Sofort gäbe es Debatten über Abschiebungen und Grenzschutz. Eigentlich müssten auch die Mallorquiner die Sauftouristen von der Insel jagen – solange, bis die Corona-Krise vorbei ist.

Das geht jedoch nicht, zu abhängig sind die Menschen auf Mallorca vom Tourismus. Natürlich gibt es auch verantwortungsbewusste Partyurlauber und viele Kleinunternehmer, die nun unter den Maßnahmen leiden. Aber besonders bei wirtschaftlichen Problemen müssen nun die spanischen Behörden helfen.

Denn wichtig ist vor allem eines: Mallorca darf kein neuer Infektionsherd werden, nicht nach all dem Leid, das Spanien in der Krise bislang erleiden musste. Der Corona-Schutz muss nun oberste Priorität haben.

Wer hat recht?

Im Format "Frage der Woche" kommentieren Redakteure von t-online.de eines der politischen beziehungsweise gesellschaftspolitischen Topthemen der Woche.

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