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Bildungssenator Ties Rabe gerät bei "Markus Lanz" in Bedrängnis


Bildungssenator Ties Rabe gerät bei "Markus Lanz" in Bedrängnis

Eine TV-Kritik von Peter Luley

Aktualisiert am 03.06.2021Lesedauer: 3 Min.
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Ties Rabe (Archivbild): In der jüngsten Lanz-Sendung geriet der SPD-Politiker in die Defensive.
Ties Rabe (Archivbild): In der jüngsten Lanz-Sendung geriet der SPD-Politiker in die Defensive. (Quelle: imago images)
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Bei "Markus Lanz" ging es um die Schulpolitik in der Pandemie – und Hamburgs Bildungssenator hatte dabei einen schweren Stand. Nicht nur CDU-Jungstar Diana Kinnert warf ihm vor, sich "unter Behördentum wegzuducken".

Auf die Frage, ob bei ihm angesichts des wieder gestarteten Präsenzunterrichts noch vor den Sommerferien Freude oder Sorge überwiege, hatte Ties Rabe eine klare Antwort: "Eindeutig die Freude", erklärte der Hamburger Bildungssenator, "es war wirklich Zeit." Er persönlich hätte die Schulen ja ohnehin gern länger aufgelassen, aber in der Politik brauche man Bündnispartner, und die hätten dafür gefehlt. Der vermeintlich harmlose Einstieg brachte den Moderator sofort auf Betriebstemperatur: "Das haut mich gerade aus dem Stuhl", fiel Markus Lanz ein und fragte nach: "Sie haben gegen Ihre eigene Überzeugung gehandelt?"

Von Anfang an war der SPD-Mann so in einer Defensivposition, aus der er über die gesamte Sendung hinweg nicht mehr richtig herauskam. Die Kultusminister hätten dafür geworben, die Schulen länger offen zu lassen, und seien dafür "kräftig verdroschen worden von allen Seiten", verteidigte er sich – nur um von der Virologin Jana Schroeder belehrt zu werden, es sei "doch keine binäre Entscheidung 'auf' oder 'zu'", vielmehr gehe es darum, den Unterricht "sicher zu gestalten", etwa mit Luftfiltern und Testkonzepten. Das sei ein wichtiger Punkt, sekundierte der Publizist Hajo Schumacher und führte an, es hätte außerdem die Chance gegeben, Sachen auszuprobieren, etwa "Geschichte in der Stadt draußen anzugucken oder Bio im Park" zu unterrichten.

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Richard David Precht (Archivbild): In der jüngsten Lanz-Sendung gab es Kritik an seinem neuen Buch.
"Es macht keinen Sinn, mit Ihnen zu reden"
  • Ties Rabe (SPD), Hamburger Schulsenator
  • Jana Schroeder, Virologin
  • Hajo Schumacher, Publizist
  • Diana Kinnert, Politikerin (CDU) und Publizistin


Zusehends gequält wirkten Rabes Erklärungen: Von Lüftungsfiltern hätten Experten vielfach abgeraten und eher Stoßlüftung empfohlen, deswegen seien in der gesamten Hansestadt auch nur etwa zehn Geräte angeschafft worden. Warum Bildungsministerin Anja Karliczek dann gerade jetzt noch mal ein Förderprogramm für Luftfilter in Klassenräumen aufgelegt habe, wollte Lanz wissen – Rabe schien es schleierhaft zu sein. Das RKI habe seit April vergangenen Jahres Masken befürwortet, wechselte der Moderator zu einem anderen Corona-Präventionsmittel, warum Rabe bis November für die Umsetzung gebraucht hätte? Nein, es sei früher gewesen, schon vor Oktober, beharrte Rabe, gab dann aber zu: "Man hätte die Maskenpflicht früher einführen sollen, das war ein Fehler."

Als Nächstes brachte Lanz den Corona-Massenausbruch an der Hamburger Heinrich-Hertz-Schule im vergangenen September aufs Tapet, bei dem der Eindruck entstanden war, Rabe habe das Untersuchungsergebnis unterdrücken wollen. Nein, erwiderte der Schulsenator, zwischenzeitlich hörbar schwer atmend, die Sequenzierung habe eben lange gedauert, weil nach der Laboruntersuchung die Kontaktnachverfolgung viel Zeit in Anspruch genommen habe. Im Übrigen ändere dieser spezielle Fall nichts daran, dass sich insgesamt gesehen 80 Prozent aller infizierten Schüler außerhalb der Schule angesteckt hätten und nur 20 Prozent innerhalb.

"Ich habe Bauchweh, dass wir so lange Schulschließungen gemacht haben", beteuerte der Politiker. Lanz vermisste bei ihm dennoch "das aufrechte Bemühen, zu wissen, was passiert". Als dann noch Hajo Schumacher seinen Respekt für die Disziplin und Vorsicht von Eltern, Lehrern und Kindern ausdrückte, brach es aus Rabe heraus: "Zehn Millionen Schüler machen es richtig, 18 Millionen Eltern machen es richtig, eine Million Lehrer machen es richtig, aber die 16 Kultusminister, die waren’s."

Kinnert: Man hätte andere Strategien entwickeln müssen

Mitleid durfte er dennoch nicht erwarten. Nach etwa 45 Minuten holte Markus Lanz die 30-jährige CDU-Politikerin und Publizistin Diana Kinnert in die Diskussion, die bislang geschwiegen hatte, und diese schloss sich Jana Schroeder an: Sie finde auch, dass das "keine binäre Debatte" sei, statt sich "unter so ’nem Behördentum wegzuducken" hätte man lieber parallel andere Strategien entwickeln sollen, Lernraum für Schüler zu schaffen.

In der letzten halben Stunde ging es dann um Kinnerts aktuelles Buch "Die neue Einsamkeit", in dem die Autorin ihrer eigenen Generation eine "Gentrifizierung der Gefühlswelt" (Stichwort Influencer) und Unfähigkeit zu echter Nähe bescheinigt. Ob Corona diese – auch digitalisierungsgetriebene – Entwicklung beschleunigt habe? Ja, fand Hajo Schumacher, die Sozialen Medien mit ihren Like-Daumen funktionierten in gewisser Weise wie Drogen, und in der Tat nehme die Zahl persönlicher Kontakte junger Menschen immer mehr ab. Für Ties Rabe bedeutete der Themenwechsel eine Atempause in Sachen Selbstverteidigung, und einmal brachte er sich sogar noch ein: Kinnerts Analyse zeige, wie wichtig "Orte der Begegnung" seien, "zum Beispiel Schulen".

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Verwendete Quellen
  • Markus Lanz vom 2. Juni 2021
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