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Corona-Aufholprogramm: Kritische Zwischenbilanz der Verb├Ąnde

Von dpa
Aktualisiert am 02.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Am Montag kehren Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler in einigen Bundesl├Ąndern wieder zu├╝ck in die Schulen.
Am Montag kehren Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler in einigen Bundesl├Ąndern wieder zu├╝ck in die Schulen. (Quelle: Fabian Sommer/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Rund ein halbes Jahr nach dem Start des sogenannten Corona-Aufholprogramms f├╝r Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler f├Ąllt die erste Bilanz von Bildungs- und Lehrerverb├Ąnden kritisch aus.

Zwar sei eine pauschale Einsch├Ątzung wegen unterschiedlicher Ma├čnahmen in den Bundesl├Ąndern schwierig, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, der Deutschen Presse-Agentur. "Mehrheitlich melden die GEW-Landesverb├Ąnde jedoch zur├╝ck, dass die Ma├čnahmen offenbar nicht so fruchten wie geplant", f├╝gte sie hinzu.

Finnern kritisierte, dass viele Angebote nicht die Kinder erreichten, die am meisten Unterst├╝tzung br├Ąuchten, sondern diejenigen, "deren Eltern sich darum k├╝mmern (k├Ânnen)". Sie erkl├Ąrte das damit, dass Ma├čnahmen nicht im System Schule "angedockt" seien. Gelder fl├Âssen etwa in au├čerschulische F├Ârderma├čnahmen und verfehlten so den Beitrag zur Chancengleichheit.

Wirkung von Ressourcen der Schulen abh├Ąngig

Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sagte, eine Beurteilung der Wirkung des Programms sei noch nicht m├Âglich, da es immer noch in der Entfaltung stecke. "Fakt ist, dass die Wirkung des Nachholprogramms ma├čgeblich dadurch bestimmt wird, wie sehr die einzelne Schule ├╝berhaupt Ressourcen hat, sich dem einzelnen Sch├╝ler, der einzelnen Sch├╝lerin zu widmen." Die jetzige Sch├╝lergeneration zahle versch├Ąrft durch Corona den Preis f├╝r eine ├╝ber Jahre verfehlte Personalpolitik.

├ähnlich ├Ąu├čerte sich der Pr├Ąsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger: "Nach unseren Informationen beteiligt sich die gro├če Mehrheit der Schulen an den Aufholf├Ârderma├čnahmen, allerdings gibt es auch einen Teil, der aufgrund beispielsweise einer enorm angespannten Personallage zu einer vollen Teilnahme nicht in der Lage ist." Zweifel am Erfolg der Aufholma├čnahmen ├Ąu├čerte Meidinger auch, weil "die Freiwilligkeit der F├Ârderma├čnahmen dazu f├╝hrt, dass nicht wenige Kinder mit gro├čen Lernl├╝cken nicht erfasst werden".

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Milliardenschweres Programm

Bundestag und Bundesrat hatten im Juni das Programm "Aufholen nach Corona f├╝r Kinder und Jugendliche" in H├Âhe von zwei Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Der Bund ├╝berl├Ąsst den L├Ąndern unter anderem Anteile aus der Umsatzsteuer, so dass sie zus├Ątzliche Ma├čnahmen zur Lernf├Ârderung finanzieren, Sozialprojekte ausweiten und mehr kostenlose und g├╝nstige Freizeit-, Sport- und Erholungsangebote anbieten k├Ânnen. Die Lernf├Ârderung kann beispielsweise von Stiftungen, Vereinen, Initiativen, Volkshochschulen, pensionierten Lehrkr├Ąften, Lehramtsstudierenden und auch kommerziellen Nachhilfeanbietern ├╝bernommen werden. Die Bundesl├Ąnder sollen dem Bund bis sp├Ątestens Ende M├Ąrz einen Zwischenbericht zur Umsetzung der Ma├čnahmen und Verwendung der Gelder vorlegen.

Am Montag kehren Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen und Rheinland-Pfalz nach der Weihnachtspause zur├╝ck in die Schulen, am Dienstag im Saarland und am Mittwoch in Hamburg.

Psychische Probleme - Vor allem J├╝ngere betroffen

Nach Ansicht der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien, die im Januar die Pr├Ąsidentschaft der Kultusministerkonferenz ├╝bernimmt, wird die Bew├Ąltigung der Corona-Folgen f├╝r viele Sch├╝ler Jahre dauern. Bei einem gro├čen Teil h├Ątten die Pandemie und Schulschlie├čungen nicht nur zu Lerndefiziten, sondern oftmals auch zu psychischen oder psychosozialen Problemen gef├╝hrt, hatte die CDU-Politikerin k├╝rzlich gesagt. Tendenziell h├Ątten Grundsch├╝ler damit st├Ąrkere Probleme als ├Ąltere Sch├╝ler. Betroffene br├Ąuchten Hilfe. "Und das wird, da muss man sich nichts vormachen, eine Daueraufgabe."

Das sehen die Verb├Ąnde ├Ąhnlich: "Angesichts der Probleme vor allem bei der personellen Ausgestaltung des Programms bin ich sehr skeptisch, ob trotz allen Engagements der Schulen die mit dem Programm verbundenen Erwartungen ├╝berhaupt erreicht werden k├Ânnen, solange in vielen Schulen nicht einmal die personelle Grundversorgung sichergestellt werden kann", sagte Beckmann. Er nannte Priens Einsch├Ątzung "vor diesem Hintergrund (...) sehr realistisch".

Lehrerpr├Ąsident ist skeptisch

Meidinger sagte: "Das wird mit Sicherheit kein Schnelll├Ąufer sein." Allerdings klinge das auch ein wenig so, als glaube die Politik selbst nicht an einen Erfolg ihrer Bem├╝hungen, "den abgeh├Ąngten Teil der Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler in absehbarer Zeit an den normalen Lernstand heranzuf├╝hren". Gerade Abschlussjahrg├Ąnge und Kinder, die vor dem Wechsel auf eine weiterf├╝hrende Schule stehen, h├Ątten nicht "viele Jahre" Zeit, um den Anschluss zu schaffen.

Die ehemalige Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte im vergangenen Fr├╝hjahr in Vorbereitung des Aufholprogramms davon gesprochen, dass 20 bis 25 Prozent der Sch├╝ler "vermutlich gro├če Lernr├╝ckst├Ąnde" h├Ątten.

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