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J├╝discher Notar soll Anne Frank an Nazis verraten haben

Von dpa
Aktualisiert am 17.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Anne Frank wurde durch ihre Tagebuchaufzeichnungen im Versteck ihrer Familie in Amsterdam w├Ąhrend des Zweiten Weltkriegs bekannt.
Anne Frank wurde durch ihre Tagebuchaufzeichnungen im Versteck ihrer Familie in Amsterdam w├Ąhrend des Zweiten Weltkriegs bekannt. (Quelle: -/ANP/dpa./dpa)
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Amsterdam (dpa) - Das Versteck des j├╝dischen M├Ądchens Anne Frank und seiner Familie vor den Nationalsozialisten ist vermutlich von einem Notar verraten worden. Der Mann sei selbst Jude gewesen und habe damit das Leben seiner eigenen Familie retten wollen.

Das ist das Ergebnis der langj├Ąhrigen Untersuchung, die ein internationales Team am Montag in niederl├Ąndischen Medien pr├Ąsentierte.

Es ist eines der gro├čen R├Ątsel der Geschichte: Zwei Jahre lang lebten die Familie Frank und vier weitere Juden im Hinterhaus in Amsterdam im Versteck vor den deutschen Nazis. Doch am 4. August 1944 st├╝rmte ein SS-Kommando das Haus. Mehr als f├╝nf Jahre war das internationale Cold-Case-Team (als "cold case" wird ein ungekl├Ąrter, also "kalter" Kriminalfall aus der Vergangenheit bezeichnet) nun der Frage nachgegangen: Wie wurde das Versteck an der Prinsengracht 263 bekannt? War es Zufall? War es Verrat?

"Wir haben insgesamt etwa 30 Theorien ├╝berpr├╝ft", sagte der Journalist Pieter van Twisk, einer der Leiter der Untersuchung. "Wir k├Ânnen sagen, dass davon 27, 28 sehr unwahrscheinlich bis unm├Âglich waren."

Die wahrscheinlichste Antwort ist: Notar Arnold van den Bergh habe den deutschen Besatzern eine Liste mit Verstecken von Juden in Amsterdam ├╝bergeben, um seine eigene Familie vor der Deportation zu bewahren. Und auf dieser Liste stand eben auch das Hinterhaus, in dem Anne Frank (1929-1945) ihr heute weltber├╝hmtes Tagebuch geschrieben hatte. Alle Bewohner wurden in Konzentrationslager deportiert. Anne starb im KZ Bergen Belsen 1945, sie war 15 Jahre alt. Nur ihr Vater Otto ├╝berlebte.

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Kopie eines anonymen Briefes im Stadtarchiv

Die Untersucher st├╝tzen sich vor allem auf die Kopie eines anonymen Briefes, den Otto Frank 1946 bekommen hatte. Darin wird der Name des Notars genannt. Das Original des Briefes ist zwar verschwunden, im Amsterdamer Stadtarchiv hatte das Team nun aber die Kopie gefunden.

Der Notar war damals Mitglied des J├╝dischen Rates, hatte daher viele Kontakte und war zun├Ąchst vor Deportation gesch├╝tzt. Doch 1944 fiel dieser Schutz weg, und es drohte auch ihm, seiner Frau und den drei T├Âchtern die Deportation. Die Familie ├╝berlebte.

Ermittler: Kein Urteil f├Ąllen

Keiner der Untersucher will ein Urteil ├╝ber den Notar f├Ąllen. "Die einzig Schlechten waren die Nazis", sagte der ehemalige Agent des amerikanischen FBI, Vince Pankoke, der ma├čgeblich an der Untersuchung beteiligt war, "ohne sie w├Ąre das alles nicht geschehen."

Auch die Anne Frank-Stiftung warnt vor zu schnellen Schlussfolgerungen. Direktor Ronald Leopold sagte dem Radio-Sender NPO1: "Man muss sehr aufpassen, bevor man jemanden in der Geschichte als Verr├Ąter von Anne Frank festschreibt, wenn man nicht zu 100 oder 200 Prozent sicher ist." Leopold lobte die "sehr gute und sorgf├Ąltige Untersuchung". Aber wichtige Fragen seien noch offen: Wer hat den anonymen Brief geschrieben und mit welcher Absicht?

"Dieser Fall war vereist"

F├╝r den ehemaligen FBI-Mann Pankoke war dies einer der schwierigsten F├Ąlle seiner Laufbahn, wie er sagte. "Dies war kein Cold Case, dieser Fall war vereist." Zeugen waren l├Ąngst gestorben, wichtige Dokumente unauffindbar. Das Team setzte modernste Techniken und Methoden ein. So wurde zum Beispiel eine gigantische Datenmenge mit k├╝nstlicher Intelligenz durchforstet.

Gewissheit gibt es aber 77 Jahre nach Kriegsende noch immer nicht, r├Ąumte auch Ermittler Pankoke ein. "Unsere Theorie hat aber eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 85 Prozent."

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