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Bundeswehr wirbt mit Einsatz in Mali für das Heer


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Wenn Mali zum "Abenteuerspielplatz" wird

t-online, David Ruch und Jonas Mueller-Töwe

19.10.2017Lesedauer: 3 Min.
Ein deutscher Soldat in der Mali-Serie der Bundeswehr.
Ein deutscher Soldat in der Mali-Serie der Bundeswehr. (Quelle: Screenshot "MALI")
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Dumpf grollen die Bässe. Soldaten in Kampfmontur sitzen mit ernsten Mienen in einem Transportpanzer, fokussiert auf das, was in den nächsten Augenblicken passieren wird. Dann öffnet sich die Hecktür, grelles Licht dringt in den dunklen Panzer, schleppende Hip-Hop-Beats setzen ein.

von David Ruch und Jonas Mueller-Töwe


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So dramatisch beginnt der Trailer für die neue Youtube-Serie der Bundeswehr über den Einsatz in Mali. In 40 Folgen gewährt die Truppe von diesem Montag an Einblicke in den Alltag der Soldaten im afrikanischen Krisengebiet. Vom Abflug in Deutschland über die Ankunft in Mali bis zur Rückkehr in die Heimat begleitet die Serie acht Protagonisten bei ihrer Mission.

Ziel des Formats sei es, "Hemmschwellen und Unsicherheiten in Bezug auf Auslandseinsätze abzubauen", erklärt eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums auf Anfrage von t-online.de. Auch "das Interesse am Arbeitgeber Bundeswehr" solle gestärkt werden.

"Ich bin gespannt, was kommt"

Die einzelnen Episoden erinnern im Stil an moderne Dokumentarserien. Kleine Handkameras folgen den Soldaten auf Schritt und Tritt, manche Szenen sind als Selfies gedreht. Im Hintergrund sind Hip-Hop- oder Elektro-Beats zu hören.

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"Der erste Einsatz, geht gleich heiß her", sagt Transportsoldat Martin in der ersten Folge. "Mali ist nicht ganz einfach. Ich bin gespannt, was kommt." Oberfeldwebel Dominik hat Lust auf den Einsatz. "Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass wir alle wieder gesund nach Hause kommen." "Alle?", fragt der Kameramann. "Na, du vielleicht nicht", witzelt Dominik zurück.

Nichts an der Serie, an diesem "ungeschönten Bild" sei gescripted, beteuert das Verteidigungsministerium. Im Netz wird die Kampagne auf Facebook, Snapchat und Co. begleitet. Plakate und Anzeigenbanner werben im Look von Hollywood-Spielfilmen. Kernzielgruppe: 17 bis 35-Jährige. Rund 6,6 Millionen Euro soll die Serie gekostet haben, allein die Hälfte davon floss in Anzeigen.

Sechs Jahre nach Aussetzung der Wehrpflicht tut sich die Bundeswehr noch immer schwer mit der Rekrutierung von Nachwuchs. Und die Personalsituation entspannt sich nur langsam. Dabei hat sich die Truppe ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2024 soll die Zahl der Soldatinnen und Soldaten von derzeit knapp 180.000 auf dann fast 200.000 anwachsen.

Anzahl der Bewerbungen erheblich angestiegen

Ein ambitioniertes Ziel, dem man mit Image-Kampagnen wie der Mali-Serie näher kommen will. Bei der vorangegangenen Video-Produktion "Die Rekruten" hat das bereits funktioniert. Die Serie über junge Soldaten in der Grundausbildung erreichte Millionen Aufrufe bei Youtube und heimste sogar Preise ein. Während der Ausstrahlung stieg nach Bundeswehr-Angaben die Zahl der Bewerbungen im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent.

An diesen Überraschungserfolg will das Verteidigungsministerium nun anknüpfen. Ein "realistisches und authentisches Bild vom Alltag im Bundeswehreinsatz" solle gezeigt werden, teilt eine Sprecherin auf Anfrage von t-online.de mit. Die Zugriffe auf die "Karriereseite" der Bundeswehr hätten sich seit dem Start verzehnfacht.

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Doch die Image-Offensive ruft zahlreiche Kritiker auf den Plan. Ihnen stößt an der neuen Mali-Serie vor allem die Machart auf, die oft mehr an Hollywood als einen Einsatz in einem gefährlichen Krisengebiet erinnert. "Es ist nicht in Ordnung, wenn die Bundeswehr auf diese Art und Weise für sich wirbt", kritisiert etwa Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Eine solche Serie ist dem Ernst der Lage nicht angemessen."

Im Trailer sehe es so aus, "als wenn es bei einem Auslandseinsatz auf einen Abenteuerspielplatz geht", sagt Hoffmann. Es fehlten die außenpolitische Hintergründe, das sei keine ausgewogene Information. Die Plakatwerbung sei darüber hinaus "im Stil von Mission Impossible" gestaltet. Hoffmann fordert die Bundeswehr auf, "ganz objektiv" über ihre Arbeit aufzuklären. "Das sollte viel nüchterner als in einer solchen Serie geschehen", sagt sie. Die Bundeswehr sei schließlich "kein Arbeitgeber wie jeder andere".

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Hinterhalte und Sprengfallen statt Abenteuer

Ähnlich wie Hoffmann sieht es auch der Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner, der für seine Fraktion im Verteidigungsausschuss des Bundestages sitzt. "Bei dieser Serie darf es nicht darum gehen, ein möglichst hippes und attraktives Bild von der Bundeswehr zu liefern, um Personal zu gewinnen", sagte Lindner gegenüber t-online.de. Er habe sich allerdings noch kein abschließendes Urteil bilden können. Es bleibe abzuwarten, ob die Bundeswehr es schaffe, ein "umfassendes und differenziertes Bild" zu zeichnen. "Auch werden wir prüfen müssen, ob das viele Geld, das in Produktion und Werbung investiert wird, mit dem tatsächlichen Nutzen in Einklang steht", sagte Lindner.

Das Verteidigungsministerium betrachtet die Kritik als unbegründet. "Kritische Themen wie Verwundung oder Tod" würden nicht ausgespart, heißt es. Und auch der Absturz des TIGER-Hubschraubers werde in einer Folge thematisiert. Bei dem Unglück starben Ende Juli zwei Bundeswehrsoldaten.

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Von Martin Küper
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