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Gil Ofarims Geständnis: Anwalt erklärt, wie es zum Deal kam


Anwalt erklärt, wie es zum Ofarim-Deal kam


Aktualisiert am 28.11.2023Lesedauer: 3 Min.
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Dieses Video brachte alles ins Rollen: Hier erhob Ofarim die schweren Vorwürfe. (Quelle: t-online)

Zwei Jahre lang blieb Gil Ofarim hartnäckig bei seiner Version. Umso unerwarteter erfolgte jetzt die Wende. Hinter den Kulissen war der Deal aber gut vorbereitet.

Der Prozess gegen den Musiker Gil Ofarim ist am Dienstag exakt drei Wochen nach seinem Start mit einer Überraschung zu Ende gegangen. Der Sänger küsste in Leipzig seine Davidsternkette, dann ergriff er das Wort und sagte: "Die Vorwürfe treffen zu."

Es war, zumindest für die Öffentlichkeit, ein Geständnis wie aus dem Nichts. Nachdem Ofarim zwei Jahre lang immer und immer wieder dieselbe Geschichte erzählt hatte, erfolgte am Dienstag plötzlich die Kehrtwende: Der Hotelmanager Markus W. habe ihn damals, im Oktober 2021, nicht antisemitisch beleidigt, erfuhr das erstaunte Publikum. Die Sache mit der Davidsternkette, wegen der W. Ofarim angeblich nicht einchecken lassen wollte – sie war demnach also nur ausgedacht.

Gil Ofarims Anwalt: "Für ihn stand auch Gefängnis im Raum"

Was für die Zuschauer in Saal 115 des Leipziger Landgerichts eine sensationelle Nachricht war, kam für die Prozessbeteiligten alles andere als überraschend. "Die Entscheidung zu seiner Aussage ist bei Ofarim in den vergangenen Tagen mehr und mehr gereift", erläuterte Ofarims Anwalt Alexander Stevens t-online nach der Verhandlung.

Dabei dürfte auch Druck eine Rolle gespielt haben – und die Angst des Sängers vor einer Verurteilung. Denn: "Es bestand die Gefahr, dass das nicht gerade glimpflich ausgeht. Für Ofarim stand auch Gefängnis im Raum."

Im Gerichtssaal hatte schon Richter Andreas Stadler angedeutet, dass der am Dienstag besiegelte Deal eine Vorgeschichte hatte. Im Anschluss an den letzten Hauptverhandlungstermin hätten sich alle Verteidiger, die Vertreter der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger-Anwalt getroffen, berichtete Stadler.

Die Details zur Geschichte des Deals: "Wir haben sehr dazu geraten"

Ofarims Anwalt: "Das Gericht hat uns gebeten, am runden Tisch verfahrensbeendende Maßnahmen zu prüfen. Alle haben gemeinsam überlegt, wie man die Kuh vom Eis bekommt."

Staatsanwaltschaft und Gericht hätten die Bereitschaft zur Verfahrenseinstellung bei einem Geständnis Ofarims signalisiert. Bis zuletzt hätten daraufhin Nebenklage und Verteidigung über die konkreten Bedingungen verhandelt und mithilfe des Gerichts ein Paket zusammengeschnürt. Noch am Dienstagmorgen seien letzte Details geklärt worden. "Wir haben unserem Mandanten sehr dazu geraten, die goldene Brücke zu nutzen", sagte Stevens t-online.

Eins bleibt geheim: Die Summe, die Ofarim zahlen muss

Juristisch sei die Einstellung des Verfahrens als großer Erfolg zu bewerten. Denn Ofarim sei damit nicht vorbestraft. "Das ist ein wichtiger Punkt für das weitere Leben", erläutert Stevens. Ofarim bleibe somit ohne Strafmakel, der etwa dann zum ernsten Problem hätte werden können, wenn der Sänger ein Gewerbe hätte anmelden wollen. Stevens: "Eine Vorstrafe bringt viele Nachteile mit sich."

Auf welche Summe Nebenklage und Verteidigung sich geeinigt haben, bleibt unterdessen geheim. Die Parteien hätten "auf beidseitigen Wunsch absolutes Stillschweigen" über die Höhe des Betrags vereinbart, den Ofarim an den Hotelmanager zahlen muss.

Klar ist allerdings: Der Musiker wurde zusätzlich dazu verdonnert, insgesamt 10.000 Euro an die Jüdische Gemeinde Leipzig und an den Trägerverein des Hauses der Wannseekonferenz zu zahlen. Wenn er das innerhalb von sechs Monaten tut, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

Hat Gil Ofarim ein falsches Geständnis abgelegt?

Bleibt die soziale Ächtung: Mit dem Eingeständnis Ofarims geht jetzt ein gesellschaftlicher Aufschrei einher. Wie zu erwarten gewesen sei, stehe der Sänger am Pranger, sagt Stevens.

Aber der Rechtsfrieden, der nun herrsche, sei höher zu bewerten. "Auch für den Nebenkläger war es kein einfacher Ritt, er sah sich während des Prozesses weiter latenten Vorwürfen ausgesetzt", räumt der Anwalt ein – und weist dann darauf hin, dass mit der gefundenen juristischen Wahrheit nicht zwingend die tatsächliche gefunden sei: "Gerade die Angst vor einer ungerechtfertigten Verurteilung kann maßgebliches Motiv für die Unterwerfung einer Verfahrenseinstellung sein."

Heißt übersetzt: Vielleicht hat Ofarim sein Geständnis ja auch nur aus Angst vor einer harten Strafe abgegeben. Vielleicht wollte er einfach, dass endlich alles vorbei ist.

Was Anwalt Stevens persönlich glaubt? "Ich weiß, das klingt gummihaft und nebulös: Aber ich vermag das nicht zu beurteilen."

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Gil Ofarims Anwalt Alexander Stevens
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