Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Neuer Missbrauchsfall in NRW - Minister sieht Polizeifehler

Von dpa
Aktualisiert am 04.04.2019Lesedauer: 3 Min.
Webcam auf einem Computerbildschirm: WĂ€hrend der Behandlung soll ein Heilpraktiker aus Bad Oeynhausen pornografische Fotos von Kindern gemacht haben.
Webcam auf einem Computerbildschirm: WĂ€hrend der Behandlung soll ein Heilpraktiker aus Bad Oeynhausen pornografische Fotos von Kindern gemacht haben. (Quelle: Martin Gerten/Symbol./dpa)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

DĂŒsseldorf (dpa) - Nach dem massenhaften Kindesmissbrauch in LĂŒgde erschĂŒttert ein weiterer Fall von Kinderpornografie mit erneuten VersĂ€umnissen der Polizei das Land Nordrhein-Westfalen.

Ein Physiotherapeut aus dem ostwestfĂ€lischen Bad Oeynhausen soll in seiner Praxis bei Behandlungen pornografische Fotos von kleinen Patienten gemacht haben. Die Ermittlungen kamen nur mit großen Verzögerungen voran. Drei Durchsuchungsversuche der Polizei scheiterten. Erst der vierte Versuch Anfang MĂ€rz war erfolgreich - rund 16 Monate nach dem ersten Hinweis auf die Fotos.

Mit LĂŒgde und Bad Oeynhausen gebe es nun "zwei FĂ€lle, in denen die Polizei Fehler gemacht hat", rĂ€umte der nordrhein-westfĂ€lische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag in DĂŒsseldorf ein. Die Opposition aus SPD und GrĂŒnen zeigte sich fassungslos und forderte AufklĂ€rung. "Es kann nicht sein, dass ĂŒber ein Jahr versucht wird, eine Durchsuchung durchzufĂŒhren", sagte der SPD-Innenpolitiker Hartmut Ganzke.

Im Fall Bad Oeynhausen gebe es eine "mittlere einstellige Zahl von Opfern, sagte Reul im Innenausschuss des NRW-Landtages. Weitere Opfer seien nicht auszuschließen, "möglicherweise sogar viele". Im Fall des jahrelangen massenhaften Missbrauchs von Kindern auf einem Campingplatz stieg die Zahl der Opfer inzwischen laut Reul auf 40, hinzu kommen zwölf VerdachtsfĂ€lle. Auch die Zahl der Beschuldigten habe sich von sieben auf acht erhöht. Die drei HauptverdĂ€chtigen von LĂŒgde sitzen in Untersuchungshaft.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Real-Star Kroos bricht TV-Interview ab
Toni Kroos: Hat mit Real Madrid seinen fĂŒnften Champions-League-Titel gewonnen.


Die Halbjahresfrist fĂŒr die Anklageerhebung im Fall LĂŒgde lĂ€uft Ende Mai ab. Reul rĂ€umte ein, dass die Ermittlungen aber noch lĂ€nger dauern könnten. Ein halbes Jahr nach Ausstellung des Haftbefehls muss in der Regel die Anklage vorliegen. Danach ĂŒberprĂŒfen die Gerichte den Fall und können den Haftbefehl aufheben.

Im Fall Bad Oeynhausen sitzt der 60-jÀhrige Krankengymnast und Heilpraktiker seit vergangener Woche in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern und des Besitzes von Kinderpornografie.

In den Ermittlungen hat es laut Reul in puncto Ermittlungstempo einen "klaren Fehler" der Polizei gegeben. Der Fall hĂ€tte "höher priorisiert" werden mĂŒssen, da der VerdĂ€chtige als Kinder- und Jugendtherapeut "freien Zugang zu Kindern und Jugendlichen" gehabt habe. Polizeilich sei er zuvor nicht in Erscheinung getreten.

Der Fall lag laut Reul bereits seit November 2017 bei der Kripo Minden-LĂŒbbecke. Erst am 8. MĂ€rz dieses Jahres sei es zu einer ersten Durchsuchung gekommen, eine zweite folgte am 14. MĂ€rz, und erst seit dem 29. MĂ€rz sitze der Mann in Untersuchungshaft.

Die verdÀchtigen kinderpornografischen Fotodateien waren laut Bericht Reuls einem Servicetechniker bei der Wartung des Computers des Physiotherapeuten aufgefallen. Drei erfolglose Versuche habe die Polizei unternommen, die Wohnung des Beschuldigten zu durchsuchen, doch man habe ihn nie zu Hause angetroffen. Das taktische Vorgehen der Ermittler sei nach EinschÀtzung der Fachaufsicht im Landeskriminalamt "grundsÀtzlich durchaus nachvollziehbar", so Reul weiter.

Bei den Durchsuchungen wurden laut Reul Mobiltelefone, Computer und andere DatentrĂ€ger sichergestellt. Eine Auswertung habe ergeben, dass es sich bei vielen Bildern um kinderpornografisches Material handele. Außerdem gebe es Hinweise darauf, dass der TatverdĂ€chtige solches Material "auch selbst angefertigt haben könnte". Ob der Beschuldigte seine TĂ€tigkeit als Therapeut zu weiteren strafbaren Handlungen ausgenutzt habe, werde derzeit ermittelt.

Wegen "Umfang und Bedeutung" habe die Polizei Dortmund die Ermittlungen am 29. MĂ€rz ĂŒbernommen, inzwischen seien mit dem Fall etwa 80 Ermittler befasst. Um mögliche weitere Opfer ausfindig zu machen, richtete die Polizei mobile Anlaufstellen in Bad Oeynhausen und im benachbarten Minden ein.

Mit Blick auf die beiden MissbrauchsfĂ€lle in Ostwestfalen sagte Reul: "Wir sollten sowohl der Polizei als auch der Staatsanwaltschaft die Chance geben, das Vertrauen wieder zurĂŒckzugewinnen." Der Minister erklĂ€rte die AufklĂ€rung der FĂ€lle zu seinem "persönlichem Projekt".

Der Fall LĂŒgde hatte sich wegen VersĂ€umnisse bei den Ermittlern und des Verschwindens von Beweismaterial zu einem Polizeiskandal entwickelt. Zudem sollen JugendĂ€mter frĂŒhe Hinweise auf den sexuellen Missbrauch falsch eingeschĂ€tzt haben.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Axel KrĂŒger
Von Nora Schiemann, Axel KrĂŒger
Bad OeynhausenCDUKindesmissbrauchPolizeiSPD
Justiz & KriminalitÀt




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website