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Amokfahrer von Bottrop vor Gericht: "Das war wie ein Sog"

Von dpa
Aktualisiert am 07.06.2019Lesedauer: 2 Min.
Der Angeklagte vor dem Essener Schwurgericht: Der 50-j├Ąhrige Deutsche soll mit seinem Auto in der Silvesternacht 2018/2019 gezielt auf Menschengruppen zugefahren sein.
Der Angeklagte vor dem Essener Schwurgericht: Der 50-j├Ąhrige Deutsche soll mit seinem Auto in der Silvesternacht 2018/2019 gezielt auf Menschengruppen zugefahren sein. (Quelle: Oliver Berg./dpa)
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Essen (dpa) - Es waren dramatische Szenen, die unter anderem durch ein Augenzeugenvideo dokumentiert wurden: In der Silvesternacht 2018 fuhr ein psychisch kranker Mann im Ruhrgebiet offenbar gezielt auf Menschen mit Migrationshintergrund zu - 14 Personen wurden verletzt, eine Frau schwebte in Lebensgefahr.

"Das war wie ein Sog - wie bei einem Staubsauger", sagt der 50-J├Ąhrige am Freitag vor dem Essener Schwurgericht. "Alles was rechts und links war, habe ich gar nicht mehr wahrgenommen." Die Stimme ruhig, das Gesicht stark ger├Âtet: Als der mutma├čliche Amokfahrer in den Gerichtssaal gef├╝hrt wird, trifft er erstmals auch wieder auf einige seiner Opfer. Sie sitzen ihm nur wenige Meter gegen├╝ber, doch er scheint sie auch jetzt nicht richtig wahrzunehmen. Worte des Bedauerns findet er zum Prozessauftakt nicht.

"F├╝r ihn ist alles wie hinter einem Schleier", hatte sein Verteidiger Andreas Renschler schon vor Prozessbeginn erkl├Ąrt. "Er ist ein geknickter Mensch."

Seit Jahren leidet der arbeitslose Fensterputzer schon unter paranoider Schizophrenie. Seine Medikamente will er aber immer genommen haben. "Deshalb verstehe ich auch gar nicht, wie es dazu kommen konnte", sagt er den Richtern. Bestreiten wolle er aber nichts. Auch wenn er sich l├Ąngst nicht an alles erinnern k├Ânne.

"Er wollte die Personen offensichtlich bewusst ├╝berfahren", so die Staatsanwaltschaft. "Die Motive seiner Taten begr├╝nden sich offenbar in der augenscheinlichen Fremdenfeindlichkeit des Beschuldigten". Doch der 50-J├Ąhrige wiegelt vor Gericht sofort ab. "Ich habe selbst ausl├Ąndische Freunde. Ich bin eigentlich nicht so."

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Nach seiner Festnahme hatte das allerdings noch ganz anders geklungen. Da soll er ├╝ber Ausl├Ąnder und Asylbewerber hergezogen sein und auch diesen Satz gesagt haben: "Ich habe aufger├Ąumt - und elektronisch gefegt." Woran er sich im Prozess allerdings nicht erinnern will.

"In ihm ist kein rechtes Gedankengut", sagt sein Verteidiger am Rande des Prozesses. "Das waren nur markige Spr├╝che, auf die sich Polizisten damals gest├╝rzt haben." Sein Mandant sei in seinem Wahn offenbar davon ausgegangen, dass die Ausl├Ąnder, die er vor sich gesehen habe, gleich einen Anschlag ver├╝ben w├╝rden. "Das wollte er verhindern." Tats├Ąchlich sei der Angeklagte einfach nur ein sehr kranker Mensch.

Besonders dramatisch war die Situation damals f├╝r eine 46-j├Ąhrige Syrerin, die in Bottrop gleich zweimal ├╝berrollt wurde. Dabei war unter anderem die Knieschlagader durchtrennt worden, laut Staatsanwaltschaft bestand akute Lebensgefahr. Eine Notoperation habe die Frau gerettet.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der arbeitslose Fensterputzer schuldunf├Ąhig ist. Obwohl es um mehrfachen Mordversuch geht, kann er daher nicht bestraft werden. Im Prozess droht ihm allerdings die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.

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