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Podcast – Drosten zu Coronavirus: "Ob zweite Welle kommt, liegt an uns"


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Ob eine zweite Welle kommt, "können wir selbst kontrollieren"

Von t-online, lr

Aktualisiert am 16.06.2020Lesedauer: 3 Min.
Virologe Christian Drosten (l.) mit Gesundheitsminister Jens Spahn im Februar.
Virologe Christian Drosten (l.) mit Gesundheitsminister Jens Spahn im Februar. (Quelle: photothek/imago-images-bilder)
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Aktuell sind die Infektionszahlen in Deutschland niedrig – doch bleibt das auch so? Virologe Christian Drosten erklärt in seinem Podcast, worauf es ankommt – und formuliert eine Empfehlung an die Politik.

Die Corona-Lage in Deutschland hat sich spürbar entspannt, in vielen Bundesländern gibt es pro Tag nur noch wenige positive Tests. Doch Experten warnen weiterhin vor der Gefahr einer "zweiten Welle" der Pandemie in den kommenden Monaten. So auch Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité. Im NDR-Podcast "Coronavirus Update" bekräftigt er aber auch: "Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir das selbst kontrollieren können."


Christian Drosten und seine Rolle in der Corona-Pandemie

Prof. Dr. med. Christian Drosten – sein Name ist untrennbar mit der Corona-Krise verknüpft.
Professor Drosten ist Direktor des Instituts für Virologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Wissenschaftler im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) sowie Professor am Berlin Institute of Health (BIH).
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Seine Kernaussage: Ob es eine zweite Welle in Deutschland gibt, hängt von der weiteren Strategie und dem Verhalten der Menschen ab.

Drosten: "Man hört derzeit in der Öffentlichkeit viele Besprechungen darüber, ob es eine zweite Welle gibt. In den informierten Debatten kommt man häufig zu der Erkenntnis: ‘Es liegt an uns.’ Es ist keine Naturkonstante, dass eine zweite Welle kommt und wir wehrlos dagegen sind." Auf zwei entscheidende Faktoren geht Drosten in der aktuellen Podcast-Folge genauer ein.

Erstens: Infektionszahlen niedrig halten – mit App

Erstens sei es wichtig, dass die Infektionszahlen so lange wie möglich auf dem derzeitigen niedrigen Niveau bleiben. Zum Vergleich zieht er die USA heran: "Dort haben einige Bundesstaaten zu früh die Bremse gelöst – und da ist die Inzidenz (Anm. d. Red.: Anzahl der Neu-Erkrankungen) sofort wieder hochgegangen. Wir sehen Entwicklungen, wo absehbar ist, dass wir dort in nächster Zeit sogar über dem ersten Inzidenzgipfel drüber sein werden."

  • Tonspur Wissen: Der Podcast zum Coronavirus und den Folgen von t-online.de


In Deutschland konnte ein vergleichbarer Effekt laut Drosten wegen der vorsichtigen Vorgehensweise und dem Einhalten der Corona-Regeln vermieden werden. Deshalb könnten sich die deutschen Gesundheitsämter derzeit auf das Eindämmen von größeren Ausbrüchen und sogenannten Superspreading-Events konzentrieren – ein entscheidender Vorteil gegenüber der Kollegen in den USA.

"Ein wichtiges Werkzeug" wird Drostens Ansicht nach auch die an diesem Dienstag veröffentlichte Corona-Warn-App. Je besser die App funktioniere, desto länger könnten die derzeitigen Lockerungen auch im Herbst und Winter aufrechterhalten werden.

Zweitens: Politik braucht Schul-Strategie

Drosten fordert zudem erneut eine vorsichtige Strategie für die Öffnung von Kindergärten und Schulen ein. Es sei zwar gesellschaftlich völlig klar, dass diese nach den Sommerferien wieder geöffnet werden müssen. Doch Drosten mahnt: "Die Politik muss sich in diesen Wochen nicht Gedanken darum machen, ob man Schulen und Kitas wieder öffnet – sondern, wie man das absichert zum Herbst und Winter hin, damit es nicht zu riesigen Ausbrüchen kommt."

Drosten untermauert seine Argumentation mit neuen Zahlen aus Schweden. Dort kommen Forscher auf Grundlage repräsentativer Tests zu dem Ergebnis, dass 7,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 19 Jahre bereits infiziert gewesen sind – während es bei den Erwachsenen 6,5 und bei den Über-65-Jährigen nur 2,9 Prozent gewesen sind. Drosten: "Das sind die solidesten Zahlen, die wir international haben – und sie zeigen, dass es eben nicht weniger Infizierte unter Kindern sind als unter Erwachsenen." Er sehe keinen Grund, warum das in Deutschland anders sein solle.

Hintergrund: In Schweden waren die Schulen nur teilweise für ältere Jahrgänge geschlossen. Dass in Deutschland bislang im Vergleich nur wenige Kinder und Jugendliche positiv getestet worden sind, erklärt Drosten mit der frühzeitigen Schließung von Kitas und Schulen als Infektionsherden.

Zudem verweist der Charité-Virologe auf eine Auswertung des Robert Koch-Instituts. Demnach sind unter den Neu-Infizierten in Deutschland seit Wochen immer mehr Kinder und Jugendliche. "Dieser Trend ist bis heute ungebrochen – und wir wissen nicht, ob Kinder nicht bald schon unter den Neu-Infizierten überproportional vertreten sind."

Drostens Plädoyer: "Wir müssen Schulen öffnen – aber wir müssen es sehenden Auges tun." Dann könne eine zweite Welle möglicherweise vermieden werden.

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Verwendete Quellen
  • NDR Info: "Coronavirus Update" vom 16. Juni
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