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Zahl der Scheidungen gestiegen

Von dpa
Aktualisiert am 15.07.2020Lesedauer: 3 Min.
Ehering auf einem Gerichtsbeschluss ├╝ber eine Scheidung.
Ehering auf einem Gerichtsbeschluss ├╝ber eine Scheidung. Rund rund 149.000 Ehen wurden im vergangenen Jahr geschieden. (Quelle: Franz-Peter Tschauner/dpa./dpa)
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Wiesbaden/Berlin (dpa) - Erstmals seit Jahren haben sich wieder etwas mehr Bundesb├╝rger scheiden lassen. Im vergangenen Jahr endeten rund 149.000 Ehen durch einen richterlichen Beschluss, knapp 1000 mehr als 2018, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Das leichte Plus von 0,6 Prozent sei die erste Zunahme seit dem Jahr 2012. Die Statistik macht noch keine Aussage ├╝ber m├Âgliche Auswirkungen der Corona-Einschr├Ąnkungen in diesem Jahr. Experten zufolge steht eine regelrechte Welle an Trennungen bevor.

Im Schnitt waren die vergangenes Jahr geschiedenen M├Ąnner und Frauen 14 Jahre und 10 Monate verheiratet. Rund 17 Prozent hatten zuvor bereits die Silberhochzeit hinter sich gebracht, wie das Bundesamt berichtete. Vor 25 Jahren seien Ehen noch nach durchschnittlich 12 Jahren und 5 Monaten geschieden worden. Ein Grund ist den Angaben zufolge der damals niedrigere Anteil geschiedener Langzeitehen: 1994 hatte sich nur rund jedes zehnte Paar im Jahr der Silberhochzeit oder danach scheiden lassen.

Oft endet nicht nur die Beziehung, sondern die ganze Familie bricht entzwei: In etwa der H├Ąlfte der Scheidungsf├Ąlle lebten vergangenes Jahr noch nicht erwachsene Kinder im Haushalt, insgesamt waren den Angaben zufolge etwa 122.000 Minderj├Ąhrige betroffen.

Erstmals erfasst wurden Scheidungen gleichgeschlechtlicher Ehepaare, hier wurden 100 registriert. Sie mit eingerechnet, waren M├Ąnner vergangenes Jahr bei der Scheidung im Schnitt 46,6 Jahre alt, Frauen 44,4.

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Die Steigerung von 2018 auf 2019 h├Ąlt der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Kr├╝ger f├╝r zu gering, um aussagekr├Ąftig zu sein. "Generell erleben wir seit Jahren, dass Ehen im Schnitt l├Ąnger dauern als fr├╝her. Die Beziehungen sind besser geworden, weil die Partner selbstst├Ąndiger und die Frauen finanziell unabh├Ąngiger sind", sagt der Buchautor zum Thema Liebe und Partnerschaft. Entscheidend sei die Balance von N├Ąhe und Distanz: "Sie ist die Ursuppe daf├╝r, dass eine Beziehung lebendig bleibt. Wenn jeder auch ein Eigenleben hat, dann bleibt die Partnerschaft spannend."

Doch dann kam das Coronavirus. Geschlossene Kitas, Schulen, Spielpl├Ątze und zus├Ątzlich das Homeoffice hielten Familien und Paare wochenlang in beengten Verh├Ąltnissen fest. Die Nachwirkungen, die auch andere Experten bef├╝rchteten, seien sehr beunruhigend, sagt der Psychologe: Vor allem nach Ende der Urlaubszeit in einigen Wochen werde ein starker Anstieg von Trennungen erwartet. Scheidungsanw├Ąlte hielten sich schon Termine frei.

Die Berliner Familienrechtlerin Alicia von Rosenberg hatte der Deutschen Presse-Agentur zuvor bereits von "unheimlich vielen Anfragen" zu Scheidungen berichtet. Auch Maren Otto, Paar-Therapeutin in Hannover, sprach von einem gr├Â├čeren Andrang, die Anfragen stiegen um etwa ein Viertel - ausgerechnet in der Zeit, als Therapeuten wegen der Pandemie nicht arbeiten durften und telefonisch berieten.

"W├Ąhrend der Hochphase von Corona gab es durch die Zwangsn├Ąhe eine radikale Belastung f├╝r Beziehungen. Viele werden gedacht haben: Ich gebe der Beziehung im Urlaub noch einmal eine Chance. Doch so kommt man von einer Zwangsn├Ąhe in die n├Ąchste", sagt Kr├╝ger. Die bef├╝rchtete Trennungswelle k├Ânne bis zu f├╝nf Mal h├Âher ausfallen als dies nach der Urlaubszeit normalerweise der Fall ist. Gehe man von ├╝blicherweise 100.000 Trennungen nach den Sommerferien aus, w├╝rde dies bedeuten, dass einer halbe Million Beziehungen das Aus droht.

Das Statistik-Bundesamt ver├Âffentlichte am Mittwoch absolute Zahlen, die nicht in Relation zu den rund 416 300 Eheschlie├čungen des Jahres stehen. Wie viel Prozent der Ehen scheitern, l├Ąsst sich deshalb aus ihnen nicht ablesen. Zahlen des Jahres 2018 zeigen, dass in knapp jedem dritten Fall die Scheidung eingereicht wurde.

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