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Italien: 1,25 Millionen mehr Corona-Fälle als offiziell registriert

Offiziell registrierte Corona-Fälle  

Studie offenbart hohe Dunkelziffer in Italien

04.08.2020, 21:15 Uhr | dpa

Italien: 1,25 Millionen mehr Corona-Fälle als offiziell registriert. Der mailändische Bahnhof: In Italien sind deutlich mehr Menschen als angenommen mit dem Coronavirus infiziert. (Quelle: dpa/Claudio Furlan/LaPresse)

Der mailändische Bahnhof: In Italien sind deutlich mehr Menschen als angenommen mit dem Coronavirus infiziert. (Quelle: Claudio Furlan/LaPresse/dpa)

In Italien sind offiziell etwa 250.000 Bewohner an Covid-19 erkrankt. Eine Studie bringt nun ans Licht, wie viele Menschen jedoch wirklich mit dem Coronavirus infiziert sein könnten. Die Dunkelziffer ist enorm.

Deutlich mehr Italiener als offiziell registriert haben sich in den vergangenen Monaten mit dem Coronavirus infiziert. Das ergab eine repräsentative Studie des Gesundheitsministeriums und des Statistikinstituts Istat. Bei 2,5 Prozent der Bevölkerung wurden demnach in dem Studienzeitraum vom 25. Mai bis 15. Juli Antikörper entdeckt.

Offiziell 250.000 Infizierte in Italien

Das entspricht umgerechnet knapp 1,5 Millionen Infizierten in Italien. Offiziell zählt Italien aktuell nur knapp 250.000 Corona-Fälle. Auch in vielen anderen Ländern gehen Fachleute von einer hohen Dunkelziffer aus, die die registrierten Fälle ebenfalls stark übertrifft.

Zahlreiche Experten hatten etwa in Italien schon in den vergangenen Monaten erläutert, dass die reale Zahl der Infizierten deutlich über den gemeldeten Werten liegen dürfte. Denn für die Meldung ist ein Corona-Abstrich nötig. Manche Infizierte merken aber gar nichts von ihrer Ansteckung. Zugleich schätzten einige Fachleute in der Vergangenheit die Infizierten-Zahl in Italien noch deutlich höher.

Unklar, wie schnell Antikörper verschwinden

Das Imperial College in London etwa errechnete Anfang April, dass zehn Prozent der Italiener infiziert sein könnten. Eine solche Durchseuchungsrate wurde nach der jüngsten Studie deutlich verfehlt: Selbst in der am heftigsten betroffenen Region Lombardei, in der mehr als die Hälfte aller italienischen Infizierten leben, wiesen nur 7,5 Prozent der Testpersonen Antikörper gegen das Coronavirus auf, wie am Montagabend bekanntgegeben wurde.

In Süditalien hatte weniger als ein Prozent der Menschen Antikörper im Blut, wie die neuen Tests ergaben. Allerdings ist noch unklar, ob und wie schnell die vom Immunsystem gegen das Coronavirus gebildeten Antikörper wieder verschwinden.

0,25 Prozent Infizierte in Deutschland

Italien registrierte am Montag 159 Neu-Infektionen innerhalb eines Tages. Das waren deutlich weniger als in Deutschland, wo das Robert Koch-Institut (RKI) 879 neue Coronafälle registriert hatte. Deutschland hat mit 83 Millionen Einwohnern nur etwas mehr als Italien mit rund 60 Millionen.

Nach ersten Ergebnissen einer RKI-Untersuchung bei Blutspendern in Deutschland hatten rund 1,3 Prozent der Spender Antikörper gegen das Coronavirus im Blut. Die Zahlen sind aufgrund der ausgewählten Gruppe zwar nicht repräsentativ. Doch registriert sind in Deutschland insgesamt gut 211.000 Infizierte, das sind rund 0,25 Prozent der Bevölkerung.

Bis zu 6.000 Neuinfektionen pro Tag

Zu Hochzeiten der Krise wurden in Italien Ende März phasenweise bis zu 6.000 Neu-Infektionen pro Tag gezählt. Das südeuropäische Land registrierte bislang etwas mehr als 35.000 Corona-Tote.

"Der Wert von 2,5 Prozent (der Menschen) mit Antikörpern erscheint gering, aber kann sich zu etwas Problematischem wandeln, wenn wir nicht mehr vorsichtig sind", sagte Istat-Chef Carlo Blangiardo. Gesundheitsminister Roberto Speranza unterstrich, dass die Maßnahmen wichtig waren und dass die Regierung an ihrer "umsichtigen und strengen" Linie festhalten werde.

Viele Menschen hatten Virus unbemerkt

Die italienische Studie an 64.660 Personen zeigt, dass viele Menschen das Virus hatten, ohne es zu merken. 27,3 Prozent, also gut jede vierte Testperson, hat die Infektion ohne Symptome überstanden. Männer und Frauen waren in gleichem Maße betroffen. Abgesehen von Kindern bis zu fünf Jahren und Senioren ab 85 Jahren, die während der Pandemie jeweils besonders geschützt wurden, verteilten sich die Infektionen laut Studie relativ gleichmäßig auf alle Altersklassen.

Die größte Infektionsgefahr lag laut Studie innerhalb von Familien: 41,7 Prozent der Testpersonen, die mit einem Corona-Patienten zusammenlebten, entwickelten demnach Antikörper.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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