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Erklärung angekündigt: Absichtlicher Unfall mit Lkw - Angeklagter will nun reden

Versuchter Mord  

Absichtlicher Unfall mit Lkw - Angeklagter will nun reden

09.09.2020, 17:58 Uhr | dpa

Erklärung angekündigt: Absichtlicher Unfall mit Lkw - Angeklagter will nun reden. Der 33-jährige Angeklagte wird in den provisorisch in einem Festzelt eingerichteten Gerichtssaal in Limburg geführt.

Der 33-jährige Angeklagte wird in den provisorisch in einem Festzelt eingerichteten Gerichtssaal in Limburg geführt. Foto: Thomas Frey/dpa/POOL/dpa. (Quelle: dpa)

Limburg (dpa) - Auf der sonst so vielbefahrenen Straße am Limburger Gerichtsgebäude stehen etliche Autos quer, Trümmerteile liegen auf der Fahrbahn. Mittendrin: ein Sattelzug mit zerbeulter Front.

So sah es dort am Abend des 7. Oktober 2019 aus, nachdem ein heute 33-Jähriger den Lastwagen gekapert und damit wohl ungebremst in Autos gefahren sein soll, die vor einer roten Ampel warteten. 18 Menschen wurden verletzt. Es wurde gerätselt, ob es sich vielleicht sogar um einen terroristischen Anschlag handeln könnte.

Doch auch knapp ein Jahr später ist das Motiv des Syrers zu Beginn des Prozesses in Limburg noch immer unklar. Der Mann ist unter anderem wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt - und will sich bald äußern. 

Doch am Mittwoch ist es noch nicht so weit. Der psychiatrische Sachverständige ist terminbedingt nicht da, braucht für seine Expertise jedoch die Angaben des Angeklagten. Das Gutachten ist wichtig: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 33-Jährige zur Tatzeit wegen des Konsums von Marihuana vermindert schuldfähig gewesen sei. Im Raum steht die Unterbringung des Mannes in einer Entziehungsanstalt. Und so wird die Aussage des Angeklagten auf den nächsten Verhandlungstag am 25. September verschoben, dann soll auch der Psychiater da sein.

Das Landgericht Limburg hört daher zunächst einige der vielen Zeugen der Tat an. Darunter ist ein Rentner, der beim Vorbeifahren gesehen hatte, wie der Angeklagte in der Nähe des Gerichts etwa um 17.20 Uhr den Lastwagen kaperte. "Es war ein Handgemenge bei offener Fahrertür. Ich dachte, da streiten sich zwei Lastwagenfahrer", erzählt er. Kurz darauf sei der Lkw losgefahren und habe seinen Wagen gerammt, er sei einige Meter weit geschleudert worden.

Der Fahrer eines Kleinlasters hatte zunächst noch flüchten können. "Er kam sehr schnell auf mich zugefahren", erinnert er sich an seinen damaligen Blick in den Rückspiegel. Er gab Gas und fuhr um die Kurve - musste jedoch an der Ampelkreuzung der Hauptverkehrsstraße wegen der stehenden Autos anhalten. Der Lkw rammte ihn, er und sein Beifahrer erlitten Prellungen. Insgesamt wurden bei der Tat 13 Fahrzeuge beschädigt. 

Darunter auch das Auto von fünf angehenden Bundespolizisten, die das Unglück nicht hatten kommen sehen. Sie waren nach Dienstschluss auf dem Weg zum Fitnessstudio und saßen plaudernd im Wagen. "Plötzlich gab es einen Schlag", sagte einer von ihnen vor Gericht. Zwei Autos wurden gegen ihren Wagen geschoben, dann schrammte der Lkw ihre komplette Beifahrerseite entlang. 

Geschockt und leicht verletzt stiegen sie aus. Einer glaubte an einen Unfall, ein anderer vermutete einen Terroranschlag. Der eigentliche Fahrer des gekaperten Lkw kam angelaufen und schrie, er sei aus seinem Fahrzeug gezogen worden.

Der verwirrt und erschüttert wirkende Angeklagte lief auf der Straße herum, rief immer wieder "Allah", rüttelte an der Tür eines stehenden Wagens auf der gegenüberliegenden Fahrspur und erhielt anscheinend von dem Fahrer einen Faustschlag ins Gesicht. Eine Kollegin der fünf Bundespolizei-Azubis joggte zufällig vorbei, glaubte an einen Unfall und wollte daher dem nun Angeklagten helfen. Er soll sie daraufhin angegriffen haben. 

"Und dann tauchte wie aus dem Nichts eine andere Frau auf der Straße auf, sprach mit ihm. Er kniete nieder und hielt sich an ihrer Kleidung fest", beschreibt einer der Zeugen das surreal wirkende Geschehen. "Es sah aus, als wolle er ihr die Füße küssen." Schließlich habe er gebetet. Seine Augen seien glasig gewesen, anscheinend habe er sich in einem Schockzustand befunden.

Er wurde kurz darauf in einem Rettungswagen versorgt und festgenommen. Seitdem sitzt der Mann, der im Jahr 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen war, in Untersuchungshaft. Sein Motiv - unklar, er schweigt bislang. Vor der Tat war er mit Drogendelikten und Gewaltkriminalität aufgefallen.

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