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Corona-Mutation: Nerz-Tötung in Dänemark sollte uns alle wachrütteln

MEINUNGCorona-Krise  

Diese Bilder sollten uns alle wachrütteln

10.11.2020, 20:22 Uhr
Corona-Mutation: Nerz-Tötung in Dänemark sollte uns alle wachrütteln. Tote Nerze in Dänemarks Pelzfabriken: Dänemark lässt in den nächsten Wochen bis zu 17 Millionen Nerze töten. Sie übertragen ein mutiertes Coronavirus. (Quelle: imago images/Ritzau Scanpix)

Tote Nerze in Dänemarks Pelzfabriken: Dänemark lässt in den nächsten Wochen bis zu 17 Millionen Nerze töten. Sie übertragen ein mutiertes Coronavirus. (Quelle: Ritzau Scanpix/imago images)

17 Millionen Nerze sollen in Dänemark getötet werden. Sie übertragen ein mutiertes Coronavirus auf den Menschen – die Impfstoffwirkung ist gefährdet. Warum muss es erst so weit kommen?

Erschreckende Bilder aus Dänemark: Leblose Körper, dicht an dicht gestapelt. Im Kampf gegen das Coronavirus entschied das Land, rund 17 Millionen Nerze aus Pelztierfarmen zu töten. Einige Tiere hatten Menschen mit einer mutierten Variante des Coronavirus angesteckt. Sie ist nicht gefährlicher, könnte die Wirkung potenzieller Impfstoffe aber beeinträchtigen.

Klar ist: Wir müssen das Coronavirus in den Griff bekommen, die Massenkeulung der Nerze ist daher nach Aussage vieler Experten unumgänglich. Doch die Bilder der in Massen getöteten Nerze stehen symbolisch für ein großes Problem. Sie sollten uns endlich wachrütteln – und uns unsere Mitschuld an der Pandemie bewusst machen.

Dänemark: Arbeiter bringen die Tiere zum Häuten in eine andere Halle.  (Quelle: imago images/Ritzau Scanpix)Dänemark: Arbeiter bringen die Tiere zum Häuten in eine andere Halle. (Quelle: Ritzau Scanpix/imago images)

Anzahl der Zoonosen steigt weiter an

SARS-CoV-2 ist höchstwahrscheinlich eine Zoonose, vermuten Wissenschaftler. Das bedeutet, dass Tiere und Menschen diese Infektionskrankheiten wechselseitig aufeinander übertragen können. Insgesamt stammen rund 60 Prozent der Infektionskrankheiten beim Menschen vom Tier. In diesem Fall hat wohl eine Fledermausart auf einem "Wet Market" in Wuhan das Virus weitergegeben. Auf den Märkten liegen tote sowie lebendige Tiere dicht beisammen. Es wird geschlachtet, verkauft und gegessen. Ein Paradies für das Virus – ähnlich wie die Nerzfarmen.

Generell nimmt die Häufigkeit von Zoonosen zu: Forschungsergebnisse zeigen, dass zwischen 1980 und 1985 knapp 1.000 Übertragungen von Tieren auf den Mensch stattgefunden haben. Zwischen 2005 und 2010 waren es schon fast dreimal so viele. Grund dafür ist mehr Nähe zwischen Mensch und Tier. Der Mensch dringt in den Lebensraum wilder Tiere ein, zerstört Ökosysteme und schafft so Platz für immer mehr Nutztiere. Die Züchtung und Massentierhaltung für Fleisch- oder Pelzindustrie und letztendlich unser Konsum rund um den Globus verteilen neue Erreger weltweit.

Dänemark, Pelztierfabrik: Die weißen Nerze werden zu Hunderttausenden in großen Hallen gehalten. Tierschützer kritisieren die Haltung als nicht artgerecht. (Quelle: imago images/Ritzau Scanpix)Dänemark, Pelztierfabrik: Die weißen Nerze werden zu Hunderttausenden in großen Hallen gehalten. Tierschützer kritisieren die Haltung als nicht artgerecht. (Quelle: Ritzau Scanpix/imago images)

Billigpreise und Konsumdenken führen zu mehr Leid

Es ist ein Teufelskreis: Die globalisierte Welt und die verhältnismäßig billigen Preise verstärken die Nachfrage nach tierischen Produkten weiter.

Wie also könnte eine Lösung aussehen? Von jedem Menschen einen kompletten Verzicht auf tierische Produkte zu verlangen, würde zu weit gehen. Weniger und bewussterer Konsum eines jeden könnte hingegen schon ein erstes Zeichen setzen, das bis hinein in die Konzerne reicht. 

Und eigentlich ist es doch ganz einfach. Statt "Weiter so" und "immer mehr und immer billiger" sollten wir uns zum Beispiel fragen: Müssen wir wirklich massenhaft Nerze in engen Fabrik züchten – für ein verzichtbares Luxusprodukt wie Pelze? Je mehr wir solche Situationen der Massentierhaltung vermeiden, desto geringer das Risiko für Mensch und Tier.

Um zukünftige Pandemien aber wirklich unwahrscheinlicher zu machen, sollten noch dazu internationale Gesetze und Handelsabkommen zum Schutz von Lebensräumen und Ökosystemen festgelegt werden.

Ob Vogelgrippe, Schweinegrippe, Tollwut oder Ebola: In den letzten Jahren sind einige Krankheiten auf den Menschen übergesprungen und haben allesamt viele Tote gefordert. Wir sollten nicht unnötig weitere riskieren.

Verwendete Quellen:

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