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"DrĂŒben wird geschossen" - Was geschah in Fischerhude?

Von dpa
Aktualisiert am 29.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Ein Polizeisiegel klebt an der TĂŒr eines Hauses, in dem am Vorabend zwei Tote aufgefunden wurden.
Ein Polizeisiegel klebt an der TĂŒr eines Hauses, in dem am Vorabend zwei Tote aufgefunden wurden. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa./dpa)
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Fischerhude (dpa) - Es ist gegen 16.45 Uhr am Dienstag, als Sabine Sammann das TelefongesprĂ€ch mit einer Freundin beenden muss. Es hat an der TĂŒr geklingelt.

Diesen Moment wird die 49-JĂ€hrige aus Fischerhude wohl nie vergessen: Vor ihr steht eine blutĂŒberströmte Frau. "Helft mir! DrĂŒben wird geschossen", sagt die Schwerverletzte.

Die Nachbarin lÀsst sie sofort herein, leistet Erste Hilfe, ihr Mann Joachim alarmiert die Polizei. Die findet nur kurze Zeit spÀter zwei Leichen in einem Fachwerkhaus, das keinen Steinwurf von den Sammanns entfernt liegt.

Die Polizei kommt mit einem Großaufgebot in den rund 3000 Einwohner zĂ€hlenden Ort, der so ruhig und beschaulich an der WĂŒmme, rund 30 Kilometer nordöstlich von Bremen, liegt. 60 Polizisten nehmen an dem Einsatz am Dienstagabend teil - darunter SpezialkrĂ€fte. Rettungswagen und NotĂ€rzte sind vor Ort, Blaulicht ĂŒberall.

Polizei stĂŒrmte das GebĂ€ude

Am Anfang ist unklar, ob sich der TĂ€ter möglicherweise noch in dem 1825 errichteten Fachwerkhaus aufhĂ€lt. Dann stĂŒrmen die Polizisten das GebĂ€ude. "Gesichert", heißt es kurz danach am Abend. In dem Haus finden die Beamten die Leichen eines 56-jĂ€hrigen Mannes und einer 73-jĂ€hrigen Frau.

Die Ermittler mĂŒssen sich zunĂ€chst fragen, ob vielleicht der tote Mann der TĂ€ter sein könnte. Er ist es nicht, wie sich spĂ€ter herausstellt. Noch am Abend forciert die Polizei die Fahndung. Es werden SpĂŒrhunde eingesetzt, eine Drohne sucht aus der Luft nach einem "namentlich bekannten flĂŒchtigen Mann", wie die zustĂ€ndige Polizei Verden/Osterholz in einer Pressemitteilung informiert. Auch ĂŒber Twitter hĂ€lt die Behörde die Öffentlichkeit auf dem Laufenden. Sie bittet darum, den Einsatzbereich und die gesperrte Straße weitrĂ€umig zu umfahren.

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Schnell richtet die Polizei eine Mordkommission ein - ein Indiz dafĂŒr, dass es sich tatsĂ€chlich um ein Gewaltverbrechen handelt. Wie die Frau und der Mann ums Leben kamen, dazu schweigt die Polizei noch. Aber die Frau, die sich am Dienstagabend wohl nur mit viel GlĂŒck zu den Nachbarn retten konnte, ist trotz der schweren Verletzungen noch in der Lage, von mehreren SchĂŒssen zu berichten. Die Polizei wird spĂ€ter nur mitteilen, dass wohl eine Schusswaffe zum Einsatz gekommen sein soll.

Ein 64-JĂ€hriger stellt sich

Keine 24 Stunden nach der Tat stellt sich am Mittwochvormittag bei der Polizei ein 64-jÀhriger Mann. Er ist es, nach dem die Beamten so intensiv gefahndet haben.

Was erste Befragungen ergaben, ist noch unklar. Der mutmaßliche TĂ€ter sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden sagt, wurde Haftbefehl wegen Verdachts des Mordes erlassen. In welcher Verbindung der 64-JĂ€hrige zu den Opfern stand, mĂŒssen die Ermittlungen noch zeigen.

In Fischerhude reagiert man betroffen und fassungslos auf die Bluttat. "Das so etwas hier passiert, hÀtte man sich ja nie vorstellen können", sagt ein Nachbar. Die 73-JÀhrige wohnte nach Aussagen der Nachbarn schon seit Mitte der 1980er Jahre in dem Fachwerkhaus. Ihr Mann war verstorben. Nachbarn beschreiben sie als immer freundlich und hilfsbereit. In Fischerhude kennen sich die meisten.

Der Tatort, ein großes ziegelgedecktes Haus, liegt unweit eines Nebenarms des WĂŒmme-Flusses. Die zweiflĂŒgelige HaustĂŒr ist am Mittwoch mit einem gelben Polizeisiegel verschlossen. Um den TĂŒrrahmen rankt sich eine grĂŒne Weihnachtsgirlande.

Nicht nur bei Wanderern und WochenendausflĂŒglern ist der Ort inmitten der WĂŒmme-Niederung beliebt. Das frĂŒhere Bauerndorf hat auch einen Namen als KĂŒnstlerkolonie, deren Geschichte Ende des 19. Jahrhunderts begann, als sich der Maler Heinrich Breling mit seiner Familie dort niederließ. An dem Ort wirkten unter anderen Otto Modersohn, Clara Rilke-Westhoff und zahlreiche weitere Maler, Grafiker und Schriftsteller.

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