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Missbrauchsprozess in New York? Wie es f├╝r Andrew weitergeht

Von dpa
Aktualisiert am 14.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Prinz Andrew (M), Herzog von York, mit Regimentsmitgliedern der Grenadier Guards im Windsor Castle (2019).
Prinz Andrew (M), Herzog von York, mit Regimentsmitgliedern der Grenadier Guards im Windsor Castle (2019). (Quelle: Dominic Lipinski/PA Wire/dpa./dpa)
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New York/London (dpa) - Immer wieder hat Virginia Giuffre ihre schweren Vorw├╝rfe gegen Prinz Andrew wiederholt: Er soll vor mehr als 20 Jahren Sex mit der damals Minderj├Ąhrigen gehabt haben - sie wurde dabei eigenen Angaben zufolge von dem ber├╝chtigten US-Multimillion├Ąr Jeffrey Epstein dazu gezwungen.

Auch wenn Andrew die Vorw├╝rfe kategorisch abstreitet, ging der Palast nun auf Distanz zu ihm - ein Prozess wird wahrscheinlicher. Wie es im Missbrauchsskandal weitergehen k├Ânnte.

Wie wahrscheinlich ist ein Prozess in den USA im Moment?

"Ich halte einen Prozess f├╝r sehr wahrscheinlich, fast f├╝r sicher", sagt Rechtsexperte und Anwalt Neama Rahmani, ein ehemaliger US-Bundesanwalt. Meistens w├╝rden zivile Klagen au├čergerichtlich gekl├Ąrt - dieser Fall aber liegt Rahmanis Meinung nach anders. Viele Opfer wollten nicht ├Âffentlich aussagen, Giuffre dagegen sei sehr offen mit ihren Anschuldigungen umgegangen. Zudem sei ein Prozess ihre beste M├Âglichkeit, eine gro├če Summe Schadenersatz zu bekommen.

In der Nacht zum Freitag begr├╝├čte Guiffre selbst auf Twitter die Entscheidung eines New Yorker Gerichts, das zuvor Einw├Ąnde von Prinz Andrews Anw├Ąlten abgeschmettert hatte. "Ich bin froh, dass ich die Chance haben werde, die Wahrheit weiter offenzulegen", schrieb sie. Ihr Ziel sei es immer gewesen, zu zeigen, dass auch die Reichen und M├Ąchtigen nicht ├╝ber dem Gesetz st├╝nden.

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Die profilierte Anw├Ąltin Sarah Krissoff sieht die M├Âglichkeit eines zivilen Verfahrens allerdings skeptischer. Sie merkt an, dass Prinz Andrew ein gro├čes Interesse an einer au├čergerichtlichen Einigung haben sollte, um peinliche detaillierte Schilderungen vor Gericht zu vermeiden. Deshalb k├Ânne er Giuffre wom├Âglich einen guten Deal vorschlagen.

Bei einer Anh├Ârung im November hatte Richter Lewis Kaplan den Herbst 2022 als m├Âgliches Datum f├╝r ein Hauptverfahren genannt.

Mit welchem Richterspruch k├Ânnte Prinz Andrew rechnen?

Da es sich um eine Zivilklage handelt, kann es f├╝r Andrew neben einem weiteren Imageschaden nur um finanzielle Konsequenzen gehen. Jegliche geldwerten Besitzt├╝mer des Royals in den USA sowie Konten k├Ânnten f├╝r diesen Zweck dann ins Visier der Justiz geraten - sofern Giuffre Recht bekommt. Haftstrafen oder ├ähnliches sind aber nur in einem Strafprozess m├Âglich.

Die Queen wird Andrew mit keinem Penny unterst├╝tzen. Er werde sich als "privater B├╝rger" verteidigen, hie├č es knapp vom Palast. Frisches Geld will der Prinz der "Sun" zufolge aus dem Verkauf seines Chalets in der Schweiz sch├Âpfen, der ihm mindestens 15 Millionen Pfund einbringen k├Ânnte.

Ist Prinz Andrew jetzt nicht mehr Teil der Royal Family?

Andrew musste all seine milit├Ąrischen Dienstgrade und royale Schirmherrschaften an die Queen zur├╝ckgeben. Auch seinen Titel "His Royal Highness" wird er nicht mehr tragen. Sein Platz in der Thronfolge bleibt ihm noch - auf Rang neun allerdings kaum mit realistischen Chancen. Viel weiter h├Ątte die Queen nicht gehen k├Ânnen, um sich und die Krone von dem Skandal zu distanzieren.

Seit ein Prozess gegen Andrew in greifbare N├Ąhe ger├╝ckt ist, hat der ├Âffentliche Druck deutlich zugenommen. Mehr als 150 Milit├Ąrveteranen forderten die Queen auf, Andrew alle milit├Ąrischen Rollen zu entziehen - was sie als Oberbefehlshaberin der Streitkr├Ąfte binnen Stunden tat. Die "Times" wertet das als Signal, dass die Monarchin endg├╝ltig die Geduld verloren hat. In der Vergangenheit wurde Andrew noch oft als Lieblingskind der Queen bezeichnet.

Welche M├Âglichkeiten hat Andrew?

Dass das K├Ânigshaus ein hochrangiges Mitglied der eigenen Familie so demontiert, ist au├čergew├Âhnlich. Dennoch ist es nicht allzu lange her, dass ein anderes Mitglied seine milit├Ąrischen Dienstgrade zur├╝ckgeben musste: Auch Prinz Harry wurde dieses Schicksal zuteil, als er sich mit Ehefrau Herzogin Meghan von den Aufgaben als Royal zur├╝ckzog und nach Kalifornien auswanderte.

Theoretisch k├Ânnte der 61-J├Ąhrige mit dem US-Gericht zusammenarbeiten und versuchen, seine Unschuld zu beweisen. Experte Rahmani h├Ąlt das aber f├╝r sehr unwahrscheinlich: Erstens sei Andrew nicht verpflichtet, in die Vereinigten Staaten zu reisen und k├Ânnte auch zu keiner Kooperation gezwungen werden. Zweitens berge jede Zusammenarbeit das Risiko, sich angreifbar f├╝r eine Strafanklage zu machen.

Kann Andrew zu einer Aussage unter Eid gezwungen werden?

Eine Auslieferung k├Ânnen die US-Beh├Ârden nicht im Zusammenhang mit dem gegenw├Ąrtigen Zivilverfahren ersuchen. Der Duke of York k├Ânne zwar vom Richter zu einer Aussage aufgefordert werden. Doch wenn dieser nicht folge, bleibe dem Gericht h├Âchstens ├╝brig, der Jury die Anweisung zu erteilen, davon auszugehen, dass Prinz Andrew seine Aussage geschadet h├Ątte.

Gibt es auch noch die M├Âglichkeit eines Strafprozesses?

Anw├Ąltin Krissoff gibt zu bedenken, dass die rechtlichen H├╝rden f├╝r eine Strafanklage auf US-Bundesebene sehr hoch seien. Kollege Rahmani spricht demgegen├╝ber davon, dass dies "sicherlich eine M├Âglichkeit" sei. Ermittler hatten nach der Festnahme Jeffrey Epsteins das Gespr├Ąch zu Andrew als Zeugen gesucht, dies fand aber nie statt. Ob Staatsanw├Ąlte gezielt gegen ihn ermitteln oder ob es gar eine nicht-ver├Âffentlichte Anklage gibt, ist unklar. "Ich gehe davon aus, dass die US-Staatsanwaltschaft, wenn es gen├╝gend glaubw├╝rdige Beweise gibt, jeden anklagen wird, der an dem sexuellen Missbrauch mit Epstein beteiligt war - ob es nun Prinz Andrew oder jemand Anderes ist", sagt Rahmani.

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