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Kann das funktionieren?

  • Annika Leister
Von Annika Leister

Aktualisiert am 25.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Karl Lauterbach: Der Gesundheitsminister soll sich von in der Corona-Pandemie liebgewonnenem Vokabular verabschieden, fordert die Deutsche Aidshilfe.
Karl Lauterbach: Der Gesundheitsminister soll sich von in der Corona-Pandemie liebgewonnenem Vokabular verabschieden, fordert die Deutsche Aidshilfe. (Quelle: Sina Schuldt/dpa-bilder)
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Von den Affenpocken ist derzeit besonders eine Gruppe betroffen. Verbände fordern deshalb eine andere Kommunikation – und ein Ende für ein Lieblingswort aus der Corona-Pandemie.

Die Affenpocken sind in Deutschland angekommen. Bisher sind erst neun Fälle bekannt, doch die Nervosität ist groß. Holger Wicht, Sprecher der Deutschen Aidshilfe, beschäftigt jedoch nicht allein das Virus. Sondern die Kommunikation darüber im Gesundheitsministerium, bei den Behörden und Medien. Denn wegen einiger jetzt verwendeter Formulierungen, sagt Wicht, fühle sich mancher an eine dunkle Zeit für schwule Männer erinnert.

Affenpocken sind nach Einschätzung von Experten weniger gefährlich als Corona. Das ist eine gute Nachricht für die Betroffenen, weil Verläufe seltener tödlich enden; und für das staatliche Gesundheitssystem, weil sich die Pocken schwerer als SARS-CoV-2 übertragen. Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach signalisierte am Dienstag: Es sei nicht der Beginn einer neuen Pandemie.

Viele Fragen aber sind noch ungeklärt – und von Lauterbach erfordern die Affenpocken besondere Empathie und Fingerspitzengefühl. Denn obwohl das Virus unabhängig von der Sexualität übertragen wird, sind bisher vor allem Männer betroffen, die Sex mit Männern haben. Das kann sich jederzeit ändern, wenn weitere Fälle und neue Orte der Übertragung bekannt werden. Nun aber steht eine gesellschaftliche Gruppe im Scheinwerferlicht, die in den 1980er-Jahren unter politischen und medialen Fehlkampagnen in Bezug auf das HI-Virus so sehr gelitten hat wie kaum eine andere: homosexuelle Männer.

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Aidshilfe fordert Umdenken

Ihnen steht Karl Lauterbach gegenüber, der Fachpolitiker, der Epidemiologe. Der Mann, der sich mit schonungslosen Warnungen in einer anderen Viruskrise seine Beliebtheit und sein Ministeramt erstritten hat. Kann das funktionieren? Aufzuklären ohne zu diskriminieren, eine Warnung ohne Stigma?

Fragt man Holger Wicht, der die Deutsche Aidshilfe seit mehr als zehn Jahren in den Medien vertritt, klingt die Bewertung von Lauterbachs Kommunikation zu den Affenpocken nach einer satten Drei in Schulnoten: ganz in Ordnung, mit viel Potenzial nach oben.

"Herr Lauterbach gibt sich erkennbar Mühe, nicht zu stigmatisieren", sagt Wicht. Im Kern sende Lauterbach die richtige Botschaft: Es gelte jetzt, die derzeit am stärksten betroffene Gruppe zu erreichen und durch Aufklärung zu schützen. Aber Wicht ist auch sicher: Die Wortwahl sollte sich ändern.

Problematische Formulierung im RKI-Papier

Protest weckte die Kommunikation des Robert Koch-Instituts (RKI) wie von Karl Lauterbach schon in den ersten Tagen. Das RKI veröffentlichte bereits am 19. Mai ein Papier, in dem sich die Behörde neben Ärzten auch direkt an potenziell Betroffene wendet: Männer, die Sex mit Männern haben, so empfahl die Behörde, sollten "unverzüglich eine medizinische Versorgung aufsuchen", wenn sie ungewöhnliche Hautveränderungen an sich feststellten.

Davon, dass Affenpocken auch Heterosexuelle und andere Gruppen befallen? Dass auch sie Vorsicht walten, bei Auffälligkeiten einen Arzt aufsuchen sollten? Davon zunächst kein Wort.

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Am Montag dann, in Genf, kam von Karl Lauterbach ein Statement, indem er nicht nur von einer "Risikogruppe", sondern gleich einer ganzen "Risikogemeinde" sprach. Und besonders vor der Gefahr von anonymem Sex unter schwulen Männern warnte.

"Wörter wie 'Risikogruppen' sollten unbedingt vermieden werden"

Diese Kommunikation zog sogar Kritik aus der Ampelregierung nach sich. Sven Lehmann, Beauftragter der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, twitterte: Die unvollständige Information, wie sie etwa das RKI pflege, sei ein Problem. Sie bediene erstens homofeindliche Muster, zweitens fühlten sich Menschen nicht angesprochen, die ebenfalls gefährdet seien.

Die Kritik von Wicht, dem Sprecher der Aidshilfe, geht noch weiter: "Potenziell stigmatisierende Wörter wie 'Risikogruppen' sollten in der Kommunikation zu den Affenpocken unbedingt vermieden werden", sagt er. Großen Teilen der Bevölkerung sei das Wort "Risikogruppe" vielleicht erst seit der Corona-Pandemie ein Begriff, schwule Männer aber wüssten um seine Ambivalenz seit 40 Jahren. "Sie werden dadurch an eine Zeit erinnert, in der sie krass stigmatisiert wurden. In der oftmals nicht das HI-Virus, sondern die 'Risikogruppe' als Gefahr gesehen wurde."

Wicht sieht die Gefahr, dass die Anstrengungen des Ministers und des RKI bei allem guten Willen nun versanden, die Appelle, besonders an schwule Männer, verletzen und deswegen womöglich nicht erhört werden. Um dem für Deutschland neuartigen Virus zu begegnen, brauche es jetzt eine Kommunikation, die nicht stigmatisiere und "von den Menschen, an die sie sich richtet, akzeptiert werden kann", fordert er.

Das viel verwendete Wort "Risikogruppen" streichen? Davon scheinen Lauterbach und RKI weit entfernt. Bei einer Pressekonferenz des Ministers und des RKI-Chefs am Dienstag fiel es häufig. Immerhin aber: Lauterbach stellte drei Missverständnisse richtig, die derzeit weit verbreitet seien. Nummer drei lautet: Das Virus betreffe nicht nur Männer, die Sex mit Männern haben – "es kann Kinder, Erwachsene, alle Geschlechter betreffen".

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