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Madagaskar: Wertvoller "Silberschatz" ist fast nur aus Blei

Wirbel um umstrittenen Entdecker  

Wertvoller "Silberschatz" ist fast nur aus Blei

14.07.2015, 19:08 Uhr | dpa

Madagaskar: Wertvoller "Silberschatz" ist fast nur aus Blei. William Kidds Dreimaster "Adventure Galley" auf einem zeitgenössischen Stich. (Quelle: Archiv)

William Kidds Dreimaster "Adventure Galley" auf einem zeitgenössischen Stich. In dem Wrack soll nun ein Silberschatz gefunden worden sein. (Quelle: Archiv)

Es hätte eine so schöne Abenteuergeschichte sein können: In einem Schiffswrack vor der Tropeninsel Madagaskar war angeblich ein seit 300 Jahren verschollener Schatz entdeckt worden. Experten zweifelten an der Echtheit. Nun die Gewissheit: Der vermeintlich wertvolle Fund besteht zu 95 Prozent aus Blei.

Der 50 Kilogramm schwere Silberbarren, den der berüchtigte Pirat William Kidd erbeutet haben soll, ist in Wahrheit ein Ballast-Metallblock. Zu diesem Ergebnis ist ein Expertenteam der Unesco Hamburg gekommen.

"Es gibt keinen Silberschatz", sagte Michel L'Hour, der Leiter der Untersuchungsmission, die letzten Monat in Madagaskar war.

Unesco bereits früh skeptisch

Ein Entdeckerteam um den US-Forscher Barry Clifford hatte den angeblichen Silberbarren im Mai mit großem Brimborium dem Präsidenten Madagaskars präsentiert. Die Nachricht des angeblichen Schatzes ging rasch um die Welt.

Doch Experten der Unesco waren schon damals skeptisch. Die Expedition wurde vom Sender History Channel finanziert und der Fund kam genau dann, als die britische Gesellschaft October Films eine Serie über das Abenteuer produzierte.

Britische Gesellschaft wehrte sich

October Films wehrte sich seinerzeit vehement gegen die Vorwürfe und sprach von Verleumdung. "Die gesamte Expedition wurde von Experten des madagassischen Kulturministeriums beobachtet, und alle Funde werden der Regierung ausgehändigt", betonte ein Sprecher der Gesellschaft.

Das Team habe langjährige Erfahrung bei der Identifizierung und Hebung historischer Artefakte und sei von einem international respektierten Unterwasserarchäologen überwacht worden. "Jede Andeutung, dass der Fund irgendwie inszeniert worden ist, ist nicht nur lächerlich, sondern kommt einer Verleumdung gleich." Zur neuerlichen Entwicklung im Fall gibt es bislang noch keine Stellungnahme der Firma.

Umstrittener Forscher

Der Forscher Clifford steht nicht zum ersten Mal in der Kritik: In der Szene der Unterwasser-Archäologen ist er kein Unbekannter. Der 1945 auf der Halbinsel Cape Cod an der US-Ostküste geborene Taucher studierte Geschichte und Soziologie in Colorado und Massachusetts. Seit den 70er Jahren begibt er sich regelmäßig und häufig mit Unterstützung von Fernsehsendern auf lange und aufwändige Unterwasser-Expeditionen. Schon oft haben seine Entdeckungen Schlagzeilen gemacht - fast immer waren diese Funde allerdings genauso spektakulär wie umstritten.

So verkündete Clifford im vergangenen Jahr, das Wrack der "Santa María" vor Haiti gefunden zu haben - das legendäre und mehr als 500 Jahre verschollene Flaggschiff des Seefahrers Christoph Kolumbus, mit dem dieser an Weihnachten 1492 kenterte. Mit großer Energie verteidigte der drahtige Mann seinen Fund. Trotzdem bezweifeln zahlreiche Experten, dass es sich bei dem Wrack um die "Santa María" handelt und auch ein Unesco-Bericht widerlegte Cliffords Version.

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