• Home
  • Panorama
  • Wissen
  • Geschichte
  • ArchĂ€ologie: Was von Woodstock ĂŒbrig blieb


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextFormel 1: Festnahmen nach ProtestaktionSymbolbild fĂŒr einen TextSchĂŒsse in Kopenhagen: KonzertabsageSymbolbild fĂŒr einen TextUS-Polizei erschießt AfroamerikanerSymbolbild fĂŒr einen TextGeorg Kofler bestĂ€tigt seine neue LiebeSymbolbild fĂŒr einen Text"Tatort"-Umfrage: Stimmen Sie jetzt abSymbolbild fĂŒr einen TextKultregisseur mit 59 Vater gewordenSymbolbild fĂŒr einen TextWeiteres Opfer bei Haiangriff in ÄgyptenSymbolbild fĂŒr einen TextTheater-Star Peter Brook ist totSymbolbild fĂŒr einen TextTödlicher Badeunfall in KölnSymbolbild fĂŒr einen TextFiona Erdmann bringt Baby in NotaufnahmeSymbolbild fĂŒr einen TextNachbarin findet Blutspritzer an HaustĂŒrSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserCathy Hummels: Neue Liebes-SpekulationSymbolbild fĂŒr einen TextDeutschland per Zug erkunden - jetzt spielen

Was von Woodstock ĂŒbrig blieb

Von Angelika Franz

Aktualisiert am 23.08.2018Lesedauer: 4 Min.
Festival in Woodstock: SchÀtzungsweise 400.000 Menschen hörten in Bethel Stars wie Joe Cocker, Jimi Hendrix und Janis Joplin zu.
Festival in Woodstock: SchÀtzungsweise 400.000 Menschen hörten in Bethel Stars wie Joe Cocker, Jimi Hendrix und Janis Joplin zu. (Quelle: /ullstein-bild)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Vor fast 50 Jahren feierten Hunderttausende auf dem Woodstock-Festival, heute suchen ArchĂ€ologen nach Überbleibseln. Denn wo genau die BĂŒhne stand, auf der Ikonen der Musik auftraten, weiß niemand mehr.

Wenn 400.000 Menschen vier Tage lang an einem Ort Geschichte schreiben, dann hinterlassen sie Spuren. Wenn ihre tanzenden FĂŒĂŸe den Boden aufwĂŒhlen. Wenn sie essen und trinken, ihnen aber kein geordnetes System zur MĂŒllsammlung und nur 600 mobile Toilettenkabinen zur VerfĂŒgung stehen. Und doch ist heute auf den ersten Blick von der Woodstock Music & Art Fair, dem legendĂ€ren Hippie-Festival, das vom 15. bis zum 18. August 1969 auf dem GelĂ€nde des Farmers Max Yasgur nahe der Kleinstadt Bethel im US-Bundesstaat New York stattfand, nichts mehr zu sehen.

In diesem Sommer fahndet eine Gruppe von ArchĂ€ologen um Josh Anderson von der Binghamton University nach den Hinterlassenschaften der knapp halben Million Festivalbesucher von damals. Beauftragt hat sie das Museum at Bethel Woods, eine GedenkstĂ€tte in unmittelbarer Nachbarschaft des FestivalgelĂ€ndes. Im kommenden Jahr werden zum 50. Jahrestag des Woodstock-Festivals zahlreiche Besucher erwartet, die Erkenntnisse der ArchĂ€ologen sollen helfen, einen GelĂ€ndeplan zu erstellen. Wo genau lag eigentlich die BĂŒhne? Wie verliefen die ZĂ€une? Und wie groß war das GelĂ€nde des sogenannten Bindy Bazaars, auf dem HĂ€ndler Schmuck, StirnbĂ€nder, T-Shirts und dergleichen verkauften?

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
"Wir nehmen eure HauptstÀdte ins Visier"
Alexander Lukaschenko schaut in die Kamera (Archivbild): Der PrÀsident vom Belarus hat jetzt dem Westen gedroht.


Absolute Notlösung

Dass so wenig Spuren erhalten sind, liegt auch daran, dass Bauer Yasgurs Farm als Veranstaltungsort eine Notlösung in letzter Minute war. UrsprĂŒnglich sollte das Festival auf der 300 Hektar großen Winston Farm in der Kleinstadt Saugerties, etwa 15 Kilometer östlich von Woodstock, stattfinden. Doch als die Plakate bereits gedruckt und die ersten Eintrittskarten bereits verkauft waren, wehrte sich die Gemeinde gegen die Massenveranstaltung. So blieb der Name "Woodstock" erhalten – als neuer Veranstaltungsort fand sich hingegen ein IndustriegelĂ€nde im StĂ€dtchen Walkill.

Aber auch die BĂŒrger von Walkill verhinderten die PlĂ€ne der Veranstalter, nun wurde die Zeit knapp. Am 15. Juli schließlich, nur einen Monat vor Konzertbeginn, erklĂ€rte Max Yasgur sich bereit, fĂŒr 50.000 US Dollar seine leicht ansteigenden Felder, die wie ein Amphitheater in die Landschaft eingebettet und damit ideal fĂŒr ein Konzert waren, zur VerfĂŒgung zu stellen.

Fundort: An dieser Stelle befand sich ein Pfosten des Zauns, der den BĂŒhnenbereich umgab.
Fundort: An dieser Stelle befand sich ein Pfosten des Zauns, der den BĂŒhnenbereich umgab. (Quelle: Janice MacDonald)

Die Veranstalter rechneten mit 200.000 Besuchern. DafĂŒr mussten eine BĂŒhne und ein entsprechendes Soundsystem erst noch konstruiert werden, ganz zu schweigen von den Strom- und Telefonleitungen, die es zu verlegen galt. Wie auch den fehlenden Zufahrtsstraßen. Die Zeit rannte davon. Drei Tage vor Konzertbeginn standen die Veranstalter vor der Wahl: Entweder konnten sie die BĂŒhne noch fertig bauen – oder den Zaun um das GelĂ€nde. Als am Mittwoch die ersten Zuschauer eintrafen und am Abend bereits Zehntausende auf den Wiesen ihre Zelte aufschlugen, war es zu spĂ€t. An Stellen, wo der Zaun schon stand, war er bald niedergetreten, Besucher ohne gĂŒltige Tickets strömten durch die LĂŒcken.

Nicht fĂŒr die Ewigkeit

Alle KrĂ€fte waren schließlich in den Aufbau der 20 × 15 × 5 Meter großen BĂŒhne und der beiden 21 Meter hohen Lautsprecher- und ScheinwerfertĂŒrme geflossen. Geplant war eine DrehbĂŒhne in der Mitte, sodass wĂ€hrend eine Band auf der Vorderseite spielte, auf der RĂŒckseite bereits das BĂŒhnenset fĂŒr die nĂ€chste aufgebaut werden konnte. Doch die Zimmerleute hatten das Gewicht des schweren Musikequipments unterschĂ€tzt. Bereits am ersten Tag brachen die Rollen unter der Last zusammen. Die BĂŒhne war definitiv nicht fĂŒr die Ewigkeit gebaut.

Immerhin etwas konnten die ArchĂ€ologen von der hastig zusammengebauten Konstruktion finden: ein Pfostenloch. In ihm war die Trennwand verankert, die einen Graben fĂŒr Journalisten und Kameraleute zwischen BĂŒhne und Zuschauermenge freihielt. FĂŒr Grabungsleiter Anderson ist das schon ein Erfolg: Das Loch gibt den heutigen Besuchern einen Anhaltspunkt im GelĂ€nde.

Mit Detektoren suchen die Forscher das GelÀnde ab: Fahnen markieren die Stellen, wo das GerÀt Metall ortet.
Mit Detektoren suchen die Forscher das GelÀnde ab: Fahnen markieren die Stellen, wo das GerÀt Metall ortet. (Quelle: Josh Anderson)

In den Sieben der ArchĂ€ologen bleiben auch DosenverschlĂŒsse und Glasscherben hĂ€ngen. Sie stammen vermutlich alle noch aus den ersten Tagen: Bevor sich das Festival zum logistischen Desaster wandelte. Als statt der erwarteten 200.000 Besucher plötzlich 400.000 Menschen das GelĂ€nde bevölkerten, waren die VorrĂ€te der Hamburger- und Hot-Dog-StĂ€nde schnell restlos aufgegessen. Findige Anwohner rĂ€umten ihre Speisekammern und verkauften die Lebensmittel zu horrenden Preisen. Andere hatten Mitleid und verteilten umsonst HĂŒhnersuppe und Sandwiches an hungrige Besucher. Ausreichend war das alles nicht – vor allem weil es an Trinkwasser mangelte.

Hilfe von der U.S. Army

Nervös verfolgte Nelson Rockefeller, Gouverneur des Staates New York, das Geschehen. Am Sonntagmorgen schickte er sich an, das GelĂ€nde von 10.000 Soldaten rĂ€umen zu lassen, um eine humanitĂ€re Katastrophe zu verhindern. Am Ende einigte man sich auf einen Kompromiss. Der Landkreis rief den Notstand aus, damit die U.S. Army Notverpflegung und NotĂ€rzte einfliegen konnte. Zahlreiche Schnittwunden von den herumliegenden Glasscherben mussten behandelt werden, ebenso wie SonnenbrĂ€nde, HitzeschlĂ€ge und Kreislaufprobleme nach ĂŒbermĂ€ĂŸigem Drogenkonsum. Zwei Besucher starben wĂ€hrend des Festivals: einer an einer Überdosis Insulin, der andere wurde in seinem Schlafsack in einem anliegenden Feld von einem Traktor ĂŒberrollt. Zwei Babies wurden wĂ€hrend des Festivals geboren.

Die jetzt gefundenen DosenverschlĂŒsse und Glasscherben, die einst fĂŒr Verletzungen sorgten, dienen heute den Forschern dazu, diese Geschichten von damals besser erzĂ€hlen zu können, das Pfostenloch zeigt, wo sich die BĂŒhne befand. "Die Forschung, die wir hier in Woodstock betreiben, benutzt archĂ€ologische Methoden, um Fragen zu beantworten, die das Museum at Bethel Woods und die Organisation Heritage Landscapes haben", erklĂ€rt Projektleiterin Maria O'Donovan.

Historische Quellen wie Augenzeugenberichte sind oft subjektiv oder zeigen nur einen Ausschnitt des Geschehens. Der Bericht von Gouverneur Rockefeller wird sich drastisch von den Schilderungen eines Konzertbesuchers unterscheiden, der erschöpft, aber glĂŒcklich Jimmy Hendrix in der Morgensonne "The Star-Spangled Banner" spielen sah. Die ArchĂ€ologie aber ist unbestechlich. Sie belegt nur, was auch tatsĂ€chlich passierte.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
Von Angelika Franz
  • Marc von LĂŒbke-Schwarz
Von Marc von LĂŒpke
New York
Justiz & KriminalitÀt




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website