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Fall von Akkon 1291: Ein Gemetzel besiegelte das Schicksal der Kreuzfahrer

Fall von Akkon 1291  

Dieses Blutbad besiegelte das Schicksal der Kreuzfahrer

16.05.2021, 12:16 Uhr
Fall von Akkon 1291: Ein Gemetzel besiegelte das Schicksal der Kreuzfahrer. Akkon 1191: Im Dritten Kreuzzug wurde die Stadt von den Christen erobert. (Quelle: dpa/Holzstich nach Gustave Doré)

Akkon 1191: Im Dritten Kreuzzug wurde die Stadt von den Christen erobert. (Quelle: Holzstich nach Gustave Doré/dpa)

Die Kreuzfahrer wollten das Heilige Land beherrschen, doch daraus wurde nichts: Am 18. Mai 1291 kam es zum entscheidenden Kampf um die Hafenstadt Akkon. Es wurde ein Gemetzel. 

Gewaltige Heerzüge marschierten im Jahr 1291 in Richtung Levante. Kämpfer aus Ägypten, Syrien, und sogar aus dem Zweistromland hatten sich formiert. Ihr Ziel: Akkon, eine uralte Hafenstadt, heute im Norden Israels gelegen. Damals war es die bedeutendste Bastion der Kreuzfahrer – und gewissermaßen ihre letzte.

1095 hatte Papst Urban II. einst zum Ersten Kreuzzug aufgerufen, es folgte ein Jahrhunderte währendes Gemetzel zwischen Christen und Muslimen mit dem Ziel, Jerusalem zu beherrschen. Schlüssel dazu war die Stadt Akkon: Über das Meer gut zu versorgen und an Land dank seiner Befestigungsanlagen leicht zu verteidigen.

Massaker an Unbewaffneten

So wurde die Stadt zum Spielball in diesem gewaltigen Konflikt. 1104 marschierten die Christen ein, 1187 eroberte sie der berühmte Sultan Saladin zurück. 1191 schließlich waren die Invasoren aus dem Abendland wieder am Zug: Und machten das eingenommene Akkon zur Hauptstadt ihres Königreichs Jerusalem. In seinem Buch "Der Fall von Akkon" beschreibt Roger Crowley, renommierter Sachbuchautor und Experte für die Geschichte des Mittelmeerraums, das Ringen um die strategisch wichtige Stadt und die Vorherrschaft im Heiligen Land.

Akkon: Der Fall der Stadt 1291 bedeutete das Ende der Kreuzfahrer im Heiligen Land. (Quelle: dpa/Mathieu de Clermont/nach D. Papety)Akkon: Der Fall der Stadt 1291 bedeutete das Ende der Kreuzfahrer im Heiligen Land. (Quelle: Mathieu de Clermont/nach D. Papety/dpa)

Den Anlass zum muslimischen Aufmarsch im Frühjahr 1291 hatten die Christen selbst gegeben. Eigentlich herrschte ein Waffenstillstand zwischen Akkon und dem mamlukischen Sultan Qalawun, der neben Ägypten auch große Teile des Nahen Ostens beherrschte. Doch wahrscheinlich waren im April Neuankömmlinge aus Italien in Akkon angekommen. Von religiösem Fanatismus entflammt wollten diese Kreuzfahrer gegen die sogenannten Glaubensfeinde kämpfen – und vergriffen sich im Mordrausch an unbewaffneten muslimischen Händlern und Bauern in der Stadt.

Das bedeutete Krieg. Sultan Qalawun rief seine Truppen zusammen, die Gelegenheit, mit den verhassten Christen abzurechnen schien günstig. Doch es geschah vorerst: nichts. Qalawun starb plötzlich an einer Krankheit, die Menschen in Akkon atmeten auf. Doch in Gestalt seines Sohnes und Nachfolgers al-Malik al-Aschraf Salah Chalil erwuchs Akkon eine neue Nemesis.

"Ein Wald aus Speeren"

"Bald wird die Rache Gottes über euch kommen": Begleitet von diesen Worten ließ Chalil, 27 Jahre alt und gierig auf Kriegsruhm, seine Soldaten in Ägypten aufbrechen. Anfang April 1291 kam er vor Akkon an. Seine Armee war gewaltig. "Wenn das Heer marschierte, sah man wegen der Vielzahl der Speere einen Wald in Bewegung", zitiert Roger Crowley eine alte Quelle.

Die Christen befürchteten das Schlimmste. Burchard von Schwanden, als Großmeister des Deutschen Ordens eigentlich ein Mann, auf dem viele Hoffnungen ruhten, setzte sich aus Akkon schnellstmöglich Richtung Europa ab. Andere blieben. Sie erwartete – verschanzt hinter den starken Mauern der Stadt – ein Kampf auf Leben und Tod. Die Verteidiger waren Ritter der Johanniter, der Templer, des Lazarus- und des Deutschen Ordens, dazu Soldaten der Königreiche Jerusalem und Zypern, insgesamt mehr als 10.000 Mann.

Um den 11. April, so Roger Crowley, hatten die Mamluken ihre Belagerungswaffen bereit. Unter anderem gewaltige Schleudern, die schwere Steine auf Befestigungsanlagen niederprasseln lassen konnten. Es war nervenzerfetzend: Wie Hagelstürme gingen Pfeillawinen auf die Verteidiger nieder, immer wieder schlugen die Geschosse der Schleudern in die Mauern ein, während die Angreifer "brüllten wie Löwen" und andere "furchtbare Laute" von sich gaben, wie der Historiker schreibt. Zugleich treiben Mineure Tunnel in den Erdboden, um die Mauern zu Fall zu bringen.

So wogten die Kämpfe hin und her. Manchmal wagten die Belagerten einen Ausfall, doch kontinuierlich sank die Hoffnung. Bis auf den 4. Mai. Am Horizont nährte sich eine Flotte, Heinrich II., Herrscher von Zypern und König von Jerusalem brachte neue Männer, 700 an der Zahl. Verhandlungen zwischen Christen und Muslimen waren die Folge, allerdings wenig erfolgreich.

"Mit einfach allem, was ihnen in die Finger kam"

Das Drama sollte ohnehin nicht mehr lange dauern. Immer weiter waren Chalils Truppen vorgestoßen, am 18. Mai 1291 wollte der Sultan der Stadt den Todesstoß versetzen. 300 Männer auf Kamelen ließ Chalil zunächst aufmarschieren, mit Trommeln veranstalteten sie einen infernalischen Krach. Dann stürmten das mamlukische Heer vor, zigtausende Männer, bereit, Akkon endlich einzunehmen. Fast symbolhaft gelang den Angreifern am sogenannten Verfluchten Turm der Einbruch. "Die Verteidiger Akkons kämpften mit Schwertern, Keulen, Steinen und mit einfach allem, was ihnen in die Finger kam", beschreibt Crowley den entscheidenden Kampf.

Einmal in die Stadt eingedrungen, gab es dann kein Halten mehr für die Eroberer. Mit Todesmut warf sich Mathieu de Clermont, Marschall der Johanniter-Ritter in die Kämpfe, um den Fall zu verhindern. Vergeblich. "Für eine Stadt, die nicht kapituliert hatte, gab es keine Gnade", fasst Roger Crowley die Geschehnisse zusammen. In heilloser Flucht stürmten noch lebende Ritter und Soldaten, Männer, Frauen und Kinder gen Hafen. Doch Schiffe waren Mangelware, das Meer unruhig. Wenige entkamen, die meisten starben qualvoll.

Die Sieger töteten und brandschatzten, das Blut floss in Strömen. Wer nicht massakriert wurde, ging in die Sklaverei. Die Burg der Tempelritter hielt sich derweil als letzte Bastion in Akkon noch ein paar Tage. Als die in ihrem Inneren verschanzten Männer schließlich aufgaben, ließ Sultan Chalil wortwörtlich ihre Köpfe rollen. Bis auf die Vermögenderen, die für ein späteres Lösegeld verschont wurden.

Für die Mamluken war die Eroberung Akkons auch eine späte Genugtuung. 100 Jahre zuvor hatte der legendäre König Richard Löwenherz während des Dritten Kreuzzugs rund 3.000 gefangene Soldaten des Sultans Saladin vor Akkons Mauern abschlachten lassen.

Mit dem Fall der Stadt am 18. Mai 1291 endete die Geschichte der Kreuzzüge, die letzten kleineren Stützpunkte der Christen gaben kurz darauf auf. Lange erfreuen konnte sich Chalil seines Erfolges allerdings nicht. Bereits 1293 wurde er von seinen eigenen Leuten ermordet.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Roger Crowley: Der Fall von Akkon. Der letzte Kampf ums Heilige Land, Darmstadt 2020

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