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Verdrehte Redewendungen: Ich bade für Sie die Suppe aus!

Von Stefanie Schlünz

08.01.2020Lesedauer: 5 Min.
Quatsch – gelegt aus Buchstaben einer Buchstabensuppe auf einem Löffel: Redewendungen werden gerne mal verdreht, was häufig zu komischen Bedeutungsänderungen kommt.
Quatsch – gelegt aus Buchstaben einer Buchstabensuppe auf einem Löffel: Redewendungen werden gerne mal verdreht, was häufig zu komischen Bedeutungsänderungen kommt. (Quelle: imago-images-bilder)
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Redewendungen sind die Würze in der Buchstabensuppe der Rhetorik. Jeder verwendet sie mehr oder weniger häufig im Alltag. Amüsant wird es dann, wenn sie verdreht werden. Meine Favoriten.

Eine Kollegin wünscht sich schon länger, dass ich mal einen Beitrag über verdrehte oder falsch verwendete Redewendungen schreibe. Na ja, dachte ich, das interessiert die Leserinnen und Leser doch nicht die Birne. Die Kollegin aber lässt nicht locker, und bevor sie mir zeigt, wo der Haken hängt, bringe ich das Thema mal schnell aufs Tablett – die Zeit ruft.

Buchstabentausch kann zu Chaos führen

Ein zusätzlicher Buchstabe hier, ein anderer zu wenig dort, ein bisschen drehen und winden – und schwupp, eine Redewendung bekommt eine ganz neue Bedeutung. Und führt dazu, dass andere schmunzeln müssen.

Wenn Sie irgendwo lesen, dass jemand heult wie ein Schoßhund, handelt es sich in diesem Fall wohl um einen Problemhund.

Als Schoßhunde werden kleine Zwerghunde verschiedenster Rassen bezeichnet. Ich verstehe nicht viel von Hunden, aber diese kleinen Racker fordern sicher häufig lauthals kläffend ihre Rechte ein. Heulen tun sie wohl eher weniger. Der richtige Hund dieser Redewendung ist der Schlosshund. Wenn jemand so laut und heftig weint, dass man dies noch von weit her hören kann, wendet man diese Redewendung gerne an. Im bildlichen Vergleich heult ein Hund auf der Anhöhe eines Schlosses so laut, dass man ihn noch in weiter Ferne wahrnimmt.

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Ein Freund erzählte mir letztens, er sei froh, dass er diese ganzen Hindernisse der vergangenen Monate endlich überwältigt hat. Ich war nur halb bei der Sache, aber meine Fantasiemaschinerie sprang sofort an. Ich hatte das Gefühl, dass mir an seiner Aussage irgendetwas komisch vorkam. Na klar: Er meinte damit, er hat seine Hindernisse, seine ganzen Schwierigkeiten, überwunden, allenfalls bewältigt, das war es.

Aus zwei mach eins

Sehr beliebt bei der Anwendung von Redewendungen und Sprichwörtern ist es, zwei oder sogar mehrere von ihnen einfach zu (ver)mischen.

Es gibt mal wieder viel zu tun. Keiner hat so richtig Lust, mit anzupacken und Sie denken sich, prima, der Kelch bleibt also mal wieder an mir hängen. Moment, da stimmt doch was nicht. Sie meinten wohl eher, die Arbeit bleibt wieder an Ihnen hängen. Die andere Redewendung heißt korrekt nämlich: Der Kelch ging an mir vorüber.

Eine Redensart, die aus der Bibel stammt und eine ganz andere Bedeutung hat: "Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber", sagte Jesus zu Gott. Und er meinte damit seine Verhaftung und Hinrichtung. Im übertragenen Sinn bedeutet die Aussage, dass einem eine unangenehme Angelegenheit erspart bleibt.

Auch bei der folgenden Aussage, die mehrfach in der Bibel Erwähnung findet und sich über die Zeit als Redewendung etabliert hat, wurden zwei Ausdrücke miteinander vermischt: Das ist ein zweigleisiges Schwert. Denkt man kurz nach, erkennt man schnell den Fehler. Ein Schwert mit zwei Gleisen? Eine komische Vorstellung. Durchaus aber gibt es Schwerter, die zwei Schneiden haben und somit beidseitig geschliffen sind. Zwei Schneiden sind wirksamer und doppelt gut schneidend als eine und somit von Vorteil. Es heißt also nicht zweigleisiges, sondern zweischneidiges Schwert.

In der heutigen Verwendung meint man mit der Aussage eines zweischneidigen Schwertes in übertragener Bedeutung, dass eine Sache Vorteile hat, diese Tatsache sich aber auch ins Gegenteil umschlagen kann, also ambivalent zu bewerten ist.

Und wo kommt nun das zweigleisig her? Jemand fährt zweigleisig sagt man hin und wieder, wenn sich Menschen eine zweite beziehungsweise eine weitere Option offen halten wollen.

Präpositionen in Redewendungen – eine wird schon passen

Haben Sie ein Geheimnis und wollen etwas nicht erzählen, sagt man auch, Sie halten damit vor dem Berg. Ich hätte aber auch noch im Angebot, Sie halten damit hinter dem Berg. Dies wird immer gern verwechselt, aber nur die letzte Variante ist korrekt.

Fühlt man sich von jemandem überlistet oder ausgetrickst, sagt man schnell mal: Du willst mich wohl unter den Tisch ziehen. Physisch ist das möglich, hier passt es aber nicht. Natürlich ist gemeint: Du willst mich wohl über den Tisch ziehen. Denn die Redewendung geht auf das "Fingerhakeln" zurück. Ein Kraftsport, der vor allem im alpenländischen Raum praktiziert wird. Zwei Personen sitzen sich an einem Tisch gegenüber und verhaken ihre Mittelfinger. Daraufhin versucht jeder, den anderen mit Kraft und einer bestimmten Technik über den Tisch zu ziehen. Im übertragenen Sinn bedeutet der Ausspruch also, man verschafft sich auf Kosten eines anderen einen Vorteil, man besiegt ihn trickreich.

Ähnlich klingende Wörter – andere Bedeutung

Wenn Ihnen mal jemand sagen sollte, Sie seien eine echte Konifere auf Ihrem Gebiet, freuen Sie sich bitte nicht zu früh. Es sei denn, Sie wären gerne eine nacktsamige Pflanze, ein Nadelholz. Denn nichts anderes ist eine Konifere. Sollte Sie allerdings irgendjemand für eine Koryphäe halten, sehen Sie es unbedingt als Kompliment. Sie haben mit einiger Gewissheit außergewöhnliche Fähigkeiten auf einem bestimmten Gebiet.

Eingangs schrieb ich aufgrund der Hartnäckigkeit meiner Kollegin, ich sollte das Thema "verdrehte Redewendungen" mal lieber schnell aufs Tablett bringen. Klingt auch irgendwie logisch, heißt ja so viel wie die Sache anpacken, auf die Tagesordnung setzen. Tablett ist hier aber der falsche Begriff. Korrekt heißt die Redewendung tatsächlich: etwas aufs Tapet bringen. Ein veraltetes Wort, das kaum noch jemand kennt. Kein Wunder, dass ich dem Tablett den Vorrang ließ.

Knapp daneben ist auch vorbei

Wasser bei die Fische! Jemand, der diese schöne Variante einer Redewendung wählt, denkt vor allem an das Wohl der Flossentiere. Besonders im Norden wird man aber wissen, es heißt doch Butter bei die Fische. Und dieser Ausspruch kommt daher, dass man früher, kurz bevor man die heißen Fische aß, Butter drauf getan hat, damit diese nicht zerläuft. Nun konnte gegessen werden. Man kam also zur Sache. So heißt es dann auch im übertragenen Sinn, jemand soll auf den Punkt, zur Sache/ zum Wesentlichen kommen.

Es ist Wochenende und Sie haben Lust, sich mal wieder so richtig einen hinter die Binse zu kippen? Fein. Denn es ist vielleicht nicht ganz so üblich, aber es schadet definitiv nicht ihrer Gesundheit – höchstens der Binse. Eine Binse ist eine grasartige Pflanze. Vermutlich wollen Sie aber gar nicht ihre ganzen Spirituosen hinter einen Grasbüschel schütten, daher kippen Sie sich doch einfach einen hinter die Binde.

Früher wurden Krawatten als Binde bezeichnet, dahinter ließ man sich gerne mal einen guten Tropfen durch die Kehle rinnen. Der Ausspruch bedeutet also einfach, Alkohol trinken beziehungsweise sich betrinken.

Am nächsten Tag müssen Sie die Suppe dann aber selbst ausbaden, ich meine natürlich auslöffeln. Denn nur so ergibt diese Redewendung aus der Überschrift Sinn.

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Das war nur ein kleiner Einblick in die Welt der verdrehten Redewendungen. Schicken Sie mir doch gerne ihre Favoriten! Und warum nicht einfach mal selbst kreativ werden. Formulieren Sie gerne neue, ganz eigene Sprichwörter und dann her damit an: leseraufruf@t-online.de

Eine Auswahl wird in den nächsten Wochen hier erscheinen. Und bis dahin werfen Sie bitte nicht die Lunte ins Korn, oh, Pardon, die Flinte.

Ihre Orthografin

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