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Miss Germany 2024: Apameh Schönhauer aus Berlin fürchtet neue Hassattacken


Sorge bei neuer "Miss Germany" aus Berlin
"Rechtsextreme sind ganz in meiner Nähe"


01.03.2024Lesedauer: 4 Min.
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Apameh Schönauer mit einer Schärpe: Die Deutsch-Iranerin wurde als "Miss Germany" 2024 ausgezeichnet.Vergrößern des Bildes
Apameh Schönauer mit einer Schärpe: Die Deutsch-Iranerin wurde als "Miss Germany" 2024 ausgezeichnet. (Quelle: Miss Germany Studios / R.Boettcher)

Apameh Schönauer wurde zur "Miss Germany 2024" gekürt. Mit t-online sprach sie über ihr Leben als Architektin in Berlin und was der Hass mit ihr macht, der ihr derzeit entgegenschlägt.

Apameh Schönauer hat eine Mission – und sie ist kampfbereit. Das muss sie auch sein, denn seit die Berlinerin zur "Miss Germany 2024" gekürt wurde, bekommt sie nicht nur Anerkennung. Manche hassen sie, weil sie als 39-jährige Mutter mit Migrationshintergrund den Titel errungen hat. Der Hass, die Anfeindungen und Drohungen gegen sie finden im Netz statt – noch. Denn Schönauer zweifelt derzeit auch ein wenig an ihrer Wahlheimat Berlin.

"Bevor ich bei ‘Miss Germany’ mitgemacht habe, dachte ich, Rechtsextreme sind weit weg von mir. Jetzt habe ich das Gefühl, sie sind ganz in der Nähe. Sie sind eigentlich überall um einen herum", sagt Schönauer zu t-online. Von der Hasswelle will sie sich in ihrer eigentlich so toleranten und internationalen Stadt nicht einholen lassen – aber ein komisches Gefühl bleibt, sagt sie.

"Miss Germany 2024" gestaltet Berlin selbst

Und doch ist Berlin ihre Wahlheimat. Seit sechs Jahren lebt Apameh Schönauer in der deutschen Hauptstadt. Ihr Zuhause liegt in Berlin-Mitte. Schönauer hat eine ganz besondere Beziehung zu der Stadt: Sie ist Architektin und für Hoch- und Innenausbau zertifiziert. In ihrem Berufsleben hat sie mehr als 150 Projekte in sieben Ländern realisiert.

Auch in Berlin hat Schönauer zahlreiche Innenräume gestaltet. Dazu gehören Veranstaltungs-, Restaurant- und Büroräume. So war sie beispielsweise für die Innenarchitektur des Haupttelegrafenamtes in Mitte verantwortlich. Auch der Mercedes-Benz-Arena, demnächst Uber-Arena, wird sie ihren innenarchitektonischen Schliff verpassen. "Das bewirkt bei mir einen stärkeren Bezug zu Berlin, indem ich mich mit meiner Architektur in meiner Stadt verewige", sagt Schönauer. Sie sei dankbar, ihre Architektur in die Stadt zu bringen, an der sich andere Menschen erfreuen können.

"Berlin ist sehr kreativ"

Auf Inspiration muss die Designerin in einer Stadt wie Berlin nicht lange warten. Von Ausstellungen, Konzerten und kulinarischen Angeboten kann sie gar nicht genug bekommen. "Berlin ist sehr kreativ. Man kann jeden Tag woanders sein, aber gefühlt unternimmt man immer zu wenig", lacht die 39-Jährige.

Ihren Beruf als Architektin wird die zweifache Mutter trotz des Sieges bei der "Miss Germany"-Wahl weiterhin mit vollem Einsatz ausüben. "Es ist alles eine Frage des Zeitmanagements, wie man sich organisiert und strukturiert", weiß Schönauer.

Hasswelle nach "Miss Germany"-Titel

Die "Miss Germany 2024" ist eine Frau, die Gas gibt. Als sie sechs Jahre alt war, floh ihre Mutter mit ihr aus dem Iran nach Deutschland. Sie engagiert sich für Frauenrechte und gründete das Netzwerk Shirzan für unterdrückte Frauen. Schönauer hat laut der "Miss Germany"-Jury alles, was eine Frau mitbringen muss, um die Auszeichnung zu erhalten – und doch ist es für viele ein Unding, dass sie es geworden ist.

"Zu alt", "nicht deutsch", "zu unattraktiv" gehören noch zu den netteren Kommentaren in den sozialen Medien. "Ich habe damit gerechnet, dass viele Leute da draußen anderer Meinung sind als ich, aber mit so einem Shitstorm habe ich nicht gerechnet", so Apameh Schönauer.

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Kira Geiss: Die damals 20-Jährige wurde "Miss Germany" 2023. (Quelle: IMAGO/Ervin Monn)

"Miss Germany"-Wahl

Seit 2018 stehen bei "Miss Germany" die Persönlichkeit der Teilnehmerinnen und ihr Beitrag für die Gesellschaft im Vordergrund. Die bisherige Altersgrenze von 39 Jahren und eine Mindestgröße wurden für den diesjährigen Wettbewerb aufgehoben. Verliehen wurde der Titel 2024 im südbadischen Rust. Die Siegerin Apameh Schönauer gewann den mit 25.000 Euro dotierten "Female Leader Award". Im vergangenen Jahr wurde die damals 20-jährige Kira Geiss aus Wilhelmsdorf bei Ravensburg "Miss Germany". Die kirchlich engagierte Frau hatte in Magdeburg eine Jugendgemeinde gegründet.

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Zwei Gründe für "Miss Germany"-Teilnahme

Einst war "Miss Germany" ein Wettbewerb mit Bikini-Runden auf dem Laufsteg, doch die Veranstalter haben in den vergangenen Jahren einen Sinneswandel vollzogen. In der Gesellschaft brauche dieser Sinneswandel weg von starren Schönheitsidealen aber noch Zeit, meint die Berlinerin: "Er wird von Jahr zu Jahr, in der die Veranstaltung stattfindet, sichtbarer."

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Hasskommentare versucht sie, sich nicht zu Herzen zu nehmen. "Das ist Energieverschwendung", weiß Apameh Schönauer. Menschen, die schon länger in der Öffentlichkeit stehen, raten ihr, stark und geduldig zu sein. Irgendwann werde sich der Hass legen.

Und wenn es dann doch mal schwer wird, erinnert sich Schönauer daran, warum sie das gemacht hat, warum sie bei "Miss Germany" angetreten ist. Zum einen wollte sie ein Vorbild für ihre Tochter sein: "Ich will, dass sie eine starke Frau wird, die ihre Meinung sagt." Zum anderen hätten sie die Frauen inspiriert, die im Iran nach dem Tod von Jina Mahsa Amini unter dem Motto "Frau, Leben, Freiheit" gegen Gewalt und Unterdrückung demonstrierten: "Ich wollte auch etwas wagen, etwas bewegen, mich auf eine große Bühne stellen."

  • Apameh Schönauer wurde zur "Miss Germany" 2024 gewählt. Doch nicht alle sind mit der Siegerin einverstanden.

"Männer können sich ein Beispiel an mir nehmen"

Mit neuem Selbstbewusstsein legt Apameh Schönauer Mädchen und Frauen ans Herz, große Träume zu haben und mutig genug zu sein, sie zu verfolgen. Mit dem Preisgeld von 25.000 Euro will sie gemeinsam mit der Organisation "Miss Germany" soziale Projekte fördern, die ihre Mission unterstützen.

Schönauer nimmt aber auch die Männer in die Pflicht. So vermisst sie bei Veranstaltungen, bei denen Frauen über Themen wie Feminismus und soziale Gerechtigkeit sprechen, die Männer: "Es bringt nichts, wenn die Frauen nur unter sich sind." Auch sie sollten sich gemeinsam mit den Frauen diesen Themen stellen – auch auf die Gefahr hin, von anderen Männern kritisiert zu werden. "Die Männer können sich auch ein Beispiel an mir nehmen, ich stehe auch auf der Bühne und nehme in Kauf, dass ich auch viel negatives Feedback bekomme", so Schönauer. Nur so könne ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden.

Schönauer plant für die Zukunft Events in Berlin auszurichten, auf denen starke Frauen zu Wort kommen sollen.

Seit die 39-Jährige den Titel "Miss Germany" gewonnen hat, werde sie auf der Straße erkannt, gibt sie bescheiden zu – aber das sei ihr gar nicht wichtig. "Ich merke jetzt, was ich alles in den letzten Monaten bei ‘Miss Germany’ gelernt habe, woran ich gewachsen bin", so Apameh Schönauer. Sie habe vorher noch nie auf einer großen Bühne gestanden. Jetzt könne sie die Aufmerksamkeit nutzen, um die Themen, die ihr wichtig sind, in die Öffentlichkeit zu tragen.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Apameh Schönauer
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