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Elektromobilität massentauglich machen? Berliner Start-up Elvah über Elon Musk und Co.

INTERVIEWBerliner Start-up Elvah  

"Mit Elon Musk würden wir uns gut verstehen"

Von Lena Kappei

05.07.2021, 10:17 Uhr
Elektromobilität massentauglich machen? Berliner Start-up Elvah über Elon Musk und Co.. Eine Hand hält ein Smartphone mit der geöffneten Elvah-App: Das Start-up will ein Problemlöser für das bisherige Chaos mit Ladekarten für E-Autos sein. (Quelle: Elvah)

Eine Hand hält ein Smartphone mit der geöffneten Elvah-App: Das Start-up will ein Problemlöser für das bisherige Chaos mit Ladekarten für E-Autos sein. (Quelle: Elvah)

Damit das Fahren mit Strom sorgenfrei klappt, verspricht das Berliner Start-up Elvah anbieterunabhängiges Laden für E-Autos. Im Interview spricht der Gründer über die Idee der Ladeflatrate, den ewigen Kampf zwischen Auto- und Radfahrern und Tesla-Chef Elon Musk.

Exoten sind sie nun wirklich nicht mehr: E-Autos auf deutschen Straßen. E-Mobilität ist schließlich ein starkes Argument, wenn es um den Klimaschutz und die Mobilitätswende geht. Immerhin sind stromgetriebene Autos nachweislich leiser und sauberer als Verbrenner und schaffen mittlerweile Reichweiten von 100 bis 600 Kilometern pro Stromladung, je nach Fahrzeugtyp. Immer öfter gehören deshalb E-Autos von Tesla, Cupra oder den etablierten Marken wie VW zum normalen Stadtbild. Dabei hilft auch, dass weiter an der anfangs noch dürftigen Ladeinfrastruktur gearbeitet wird.

Ein Berliner Start-up hat es sich zur Aufgabe gemacht, mehr Durchblick beim Laden des E-Autos zu schaffen und bietet eine Ladeflatrate an: Ein Festpreis für alle Ladeanbieter. Das Team um die App Elvah bezeichnet sich als "die Jungen und Wilden der E-Mobilität". Ihr Ziel: Elektromobilität massentauglich machen.

Allerdings zeigen erste Tests der App wie etwa von "Inside Digital", dass sich das Angebot von Elvah bisher noch vorrangig für Vielfahrer lohnt. Wer weniger unterwegs ist, zahlt eher drauf. t-online hat mit dem Elvah-Mitgründer Sören Ziems über die Idee der Ladeflatrate, den ewigen Kampf zwischen Auto- und Radfahrern und Tesla-Chef Elon Musk gesprochen.

t-online: Wie seid ihr darauf gekommen, das Start-up Elvah zu gründen?

Sören Ziems: Meine Gründerkollegen Gowry Sivaganeshamoorthy, Wilfried Röper und ich haben zuvor ein IT-Dienstleistungsunternehmen geführt. Wir drei wollten aber bald etwas Eigenes und Nachhaltiges machen. Es sollte in eine Richtung gehen, in der wir unser technologisches Wissen nutzen können. Wir wollten ein echtes Problem lösen. Da sind wir als Fans der Elektromobilität schnell auf das Thema gekommen. Wir alle lieben es, in E-Autos zu fahren. So kamen wir auf die Idee, Elvah zu gründen. Mittlerweile haben wir ein Team von 18 Leuten.

Wie sieht es derzeit mit der Ladeinfrastruktur aus?

Es gibt den politischen Willen, bis zum Jahr 2030 etwa sieben bis zehn Millionen Elektroautos auf den Straßen zu haben. Momentan sind es über 400.000 E-Autos. Allein im letzten Jahr wurden fast 200.000 reine Elektroautos neu zugelassen. Und der Trend geht weiter nach oben. Es kaufen nicht mehr nur Umwelt-Enthusiasten oder Fans der Technologie diese Art von Fahrzeugen. Das Interesse geht in fast alle Gesellschaftsschichten. Auch, weil es finanzielle Förderungen seitens der Bundesregierung gibt. Die Ladeinfrastruktur wird besser, das Problem ist aber, dass es bisher keine einfache Nutzung dafür gibt. Es ist ein großes Wirrwarr, wenn man sein E-Auto laden will. Das haben wir mit Elvah nun vereinfacht.

Wie funktioniert Elvah?

Es gibt in Deutschland allein über 23.000 Ladesäulen, von über 2.000 unterschiedlichen Anbietern mit eigenen Tarifen. Es ist für E-Autofahrer bisher wirklich aufwendig, an all diesen Stationen zu laden. Für jeden Ladedienst braucht es eine eigene Ladekarte oder App. Manchmal fallen die Säulen auch ganz aus, und dann geht die Suche nach einer neuen von vorne los. Wir wollen mit der Elvah-App Zugang zu allen Säulen bieten, unabhängig vom jeweiligen Anbieter. Und das zu einem Flatrate-Preis in ganz Deutschland. Das ist bisher einzigartig. Auf dem Smartphone können die Nutzerinnen und Nutzer dann sehen, welche Ladesäulen gerade in der Nähe verfügbar sind. E-Mobilität soll sorgenfrei werden.

Was kostet das Ganze und an wen richtet sich das Angebot?

Je nachdem, wieviel das E-Auto gefahren wird, gibt es da Unterschiede. Die Flatrate bietet sich für Kunden an, die zu Hause nicht laden können, sondern auf die öffentlichen Ladesäulen angewiesen sind. Die Flatrate ist schon für Vielfahrer gedacht. Wir wollen aber alle für Elektromobilität begeistern, das betrifft dann auch diejenigen, die nicht so viel fahren. Je nach Auto- und Abomodell kann der Preis zwischen 89 und 199 Euro im Monat liegen. Der Komfort-Gedanke ist uns wichtig.

Elvah-Mitgründer Sören Ziems: Das Team um sein Start-up will E-Autos massentauglich machen. (Quelle: Elvah)Elvah-Mitgründer Sören Ziems: Das Team um sein Start-up will E-Autos massentauglich machen. (Quelle: Elvah)

Wie stehen die Deutschen denn aktuell dem Elektroauto gegenüber?

Das hat sich stark gewandelt. Als wir mit Elvah Mitte 2020 begonnen haben, konnte man sehen, dass die Kernzielgruppe der E-Autos schon sehr technikaffin ist. Mit der Förderung, das Elektroauto günstiger zu machen, erreicht diese Idee auch andere Schichten der Gesellschaft. Es soll eine nachhaltige Alternative zum Verbrenner sein, die nicht mehr kostet.

Bisher wird noch kritisiert, dass man mit einer Stromladung nicht besonders weit kommt und dafür recht teuer fährt. Doch daran wird gearbeitet. Man hat je nach Fahrzeugtyp eine Reichweite von 100 bis 600 Kilometern. Viele E-Modelle schaffen es mittlerweile in den Mainstream, darunter beispielsweise der VW ID.3 oder ID.4. Die Ängste vor der E-Mobilität und der Reichweite werden allmählich abgebaut.

Wird das E-Auto den Verbrenner denn komplett verdrängen können?

Langfristig gesehen, ja. Wir glauben, dass mit E-Autos die Mobilitätswende nachhaltig und schnell erreicht werden kann. Leider muss man sagen, dass das reguläre Tanken aktuell noch einfacher ist als das Laden. Das wollen wir aber ändern.

Wie steht ihr zum gerade in Berlin oft geführten Kampf zwischen Rad- und Autofahrern?

Es ist super, wenn ich mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs bin, weil das nachhaltig ist und der Mobilitätswende nützt. Es lassen sich aber nicht alle Autos vollständig verdrängen. Da vom „dreckigen“ Verbrenner hin zum E-Auto zu kommen, ist ein guter Kompromiss. Statt Verbote auszusprechen, müsste der Spaß und Komfort von E-Autos in den Vordergrund gestellt werden. Auch das Carsharing kann viel zur CO2-Reduzierung beitragen. So kann hoffentlich mit den Radfahrern gemeinsam an einer nachhaltigen Mobilität gearbeitet werden.

Wie finanziert ihr euch?

Elvah ist aus einer vorherigen Unternehmung entstanden. Eine Anschubfinanzierung konnten wir also selber machen. Danach haben wir Kapital von befreundeten Unternehmern und Investoren aufnehmen können, um das Produkt erst mal launchen zu können. Wir befinden uns aktuell auch in weiteren Investitionsgesprächen, um auch über Deutschland hinaus bekannt zu werden. Die deutschen Kunden sollen zukünftig auch im europäischen Ausland laden können.

Das ist jetzt möglich: Wir haben unser Ladenetz auf mehr als 150.000 Ladepunkte erweitert. Damit ist Elvah in über 30 Ländern nun verfügbar. Profitabel sind wir aber noch nicht. Wir verdienen jetzt schon über die Erlöse von unseren Kunden, die mit Elvah auf den Straßen unterwegs sind. Wann wir profitabel sind, ist schwer zu sagen. Wir wollen erst mal wachsen.

Bisher setzt ihr auf das Fair-Use-Prinzip, was bedeutet, dass E-Autofahrer Elvah nur privat nutzen. Kann sich das zukünftig ändern? Wie sieht es mit Taxi- oder Lieferkunden aus?

Wir sind überhaupt nicht festgefahren und können uns zukünftige Kooperationen gut vorstellen. Wir wollten zunächst Privatkunden für Elektromobilität begeistern. Wir wissen aber auch, dass Carsharing-Flotten einen großen Anteil an der Mobilität haben. Da arbeiten wir an B2B-Tarifen für Unternehmen, die mit Elvah fahren können.

Viele Gründer zieht es ins Fernsehen: Ist die Sendung "Die Höhle der Löwen" eine Option für euch?

Nein, ich glaube nicht. Unsere Zielgruppe ist viel diverser als das Publikum der Sendung. Die können wir mit Marketing besser erreichen und setzen stark auf Empfehlungen. Zudem sind wir an Investoren interessiert, die sich mit nachhaltigen Produkten beschäftigen.

Wie viele Nutzer hat Elvah bisher?

Zu den Nutzern sage ich noch nichts. Aber wir sind sehr zufrieden. Vor zwei Monaten sind wir frisch gestartet und stark Community-getrieben. Wir bauen unsere Kundschaft langsam auf und werden in naher Zukunft deutlich lauter werden.

Das klingt auch nach Werbung über Social Media?

Ja, wir können uns gut vorstellen, mit Influencern und prominenten Werbegesichtern zusammenzuarbeiten.

Hat sich Tesla-Chef Elon Musk schon bei euch gemeldet?

Nein, aber ich glaube, wir würden uns gut verstehen!

Verwendete Quellen:

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