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Berlin: Abdallah (2) will laufen – Fünf-Stunden-Eingriff in Warschau erfolgreich

Eingriff in Warschau  

Abdallah will laufen – Berliner Kleinkind erfolgreich operiert

Von Kriss Rudolph

29.07.2021, 11:25 Uhr
Berlin: Abdallah (2) will laufen – Fünf-Stunden-Eingriff in Warschau erfolgreich. Abdallah sitzt auf einer Couch (Archivbild): Der Junge wurde mit der seltenen Krankheit "Fibulaaplasie" geboren. (Quelle: Privat/Rihaam Tarhini)

Abdallah sitzt auf einer Couch (Archivbild): Der Junge wurde mit der seltenen Krankheit "Fibulaaplasie" geboren. (Quelle: Privat/Rihaam Tarhini)

Wegen einer seltenen Fehlbildung von Beinen und Füßen kann Abdallah nicht laufen. Lange sammelten seine Eltern Spenden für ihn. Nun konnte der Junge endlich operiert werden – allerdings nicht wie geplant in den USA.

Eigentlich sollte Abdallah schon am 30. Juni operiert werden – von Dr. Dror Paley in den USA. Ein bisschen drängte die Zeit, denn im September wird der Junge zwei Jahre alt und die Operation bringt zwischen dem 18. und 24. Lebensmonat die besten Resultate. Abdallah kam mit einer seltenen Fehlbildung von Beinen und Füßen auf die Welt – genannt "Fibulaaplasie". Ihm fehlen die Wadenbeinknochen, sein linker Fuß hat nur einen Zeh, der rechte zwei.

Abdallahs Füße (Archivbild): Das Kleinkind kam unter anderem ohne Wadenbeinknochen zur Welt. (Quelle: Privat/Rihaam Tarhini)Abdallahs Füße (Archivbild): Das Kleinkind kam unter anderem ohne Wadenbeinknochen zur Welt. (Quelle: Privat/Rihaam Tarhini)

Die Hoffnungen seiner Eltern, Leila Kassem und Ahmad Droubi, ruhten auf Dr. Paley. Der US-Spezialist für Gliedmaßen-Rekonstruktionen ist international renommiert. Seine Prognose für den Kleinen war positiv. Doch als der Operationstermin in den USA näher rückte, wurde klar, dass er unter anderem durch die Corona-bedingten Einreisebestimmungen und Quarantäneregeln nicht zu halten war.

Glücklicherweise bietet der Arzt aber inzwischen wieder Termine am Paley European Institute in Warschau an. Seit vergangenem Donnerstag sind Abdallah und seine Eltern bereits dort. Eigentlich wollten sie schon am Mittwoch anreisen, doch dann verpasste die Familie ihren Flieger, weil die Sicherheitskontrollen so lange dauerten. Also wieder eine Planänderung.

Eltern sind "super erleichtert"

Endlich in Warschau angekommen wurden die letzten Voruntersuchungen durchgeführt. Dann stand fest: Abdallah kann operiert werden. Am Sonntagnachmittag war es soweit: Fünf Stunden lang dauerte der Eingriff.

"Für uns war das sehr nervenaufreibend, draußen zu sitzen und die ganze Zeit zu warten", erzählt Mutter Leila gegenüber t-online. Über WhatsApp aber hielten sie die ganze Zeit Kontakt zum medizinischen Personal, bekamen Updates über den Verlauf der OP. Zwischendurch kam Dr. Paley sogar raus zu den Eltern und überbrachte gute Nachrichten: "Das erste Bein ist fertig, jetzt geht es mit dem anderen weiter."

Der kleine Abdallah mit seinen Eltern Leila Kassem und Ahmad Droubi (Archivbild): Sie haben Spenden für ihren Sohn gesammelt.  (Quelle: Privat/Rihaam Tarhini)Der kleine Abdallah mit seinen Eltern Leila Kassem und Ahmad Droubi (Archivbild): Sie haben Spenden für ihren Sohn gesammelt. (Quelle: Privat/Rihaam Tarhini)

Als alles vorüber und der Arzt zufrieden war, fühlten sich die Eltern "super erleichtert". Am Mittwoch wurde der Kleine nochmal geröntgt. "Alles sieht super aus", freut sich Mutter Leila. Dann konnte Abdallah entlassen werden. Nun wird das Kleinkind ambulant weiter behandelt.

Der Junge soll die ersten drei Wochen nach dem Eingriff nicht reisen. Die Familie bleibt also einen ganzen Monat in Polen. Danach steht Pendeln zwischen Berlin und Warschau auf dem Programm: zur Krankengymnastik und zur Nachsorge. Die übernimmt Paleys erfahrenes Team in Polen. Nach zwölf Wochen soll der Gips abgenommen werden und das Lauftraining starten.

Abdallah schmiegt sich nach der Operation an seinen Vater: Die Beine des Kleinen sind bandagiert, er hat noch einen Zugang am Arm und am Gesicht. (Quelle: Privat)Abdallah schmiegt sich nach der Operation an seinen Vater: Die Beine des Kleinen sind bandagiert, er hat noch einen Zugang am Arm und am Gesicht. (Quelle: Privat)

Spenden ermöglichten Abdallah wichtige Operation

Die Kosten für die zunächst in den USA geplante Operation wollte die Krankenkasse nicht übernehmen. Der Junge hätte schließlich auch in Deutschland operiert werden können, hieß es zur Begründung. "Der von der Kasse empfohlene Orthopäde konnte uns aber nicht die selben Erfolgsaussichten garantieren", sagt Mutter Leila. Andere Ärzte empfahlen aufgrund der schweren Fehlbildung sogar eine Amputation.

Für die Operation in Polen hatte die Krankenkasse immerhin 8.000 Euro angeboten, aber damit ließe sich nur ein geringer Anteil der tatsächlichen Kosten abdecken, erklärt Abdallahs Mutter. Und da der Junge in den nächsten Jahren weitere Operationen benötigt, ist die Familie auf die langfristige Unterstützung durch die Krankenkasse angewiesen.

Ermöglicht wurde Abdallahs Operation durch einen zweckgebundenen Spendenfonds. Im November 2020 wurde die Kampagne "Helft Abdallah" gestartet. Mittlerweile sind die erhofften 250.000 Euro für die Behandlung zusammen gekommen. Mutter Leila: "Darüber sind wir überglücklich! Durch die Hilfe zahlreicher Menschen wird unser Sohn die Chance haben, auf seinen eigenen Beinen zu laufen."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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