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Ausgetretene FlĂŒssigkeit im Tesla-Werk wird zum Streitfall

Von t-online, pb

Aktualisiert am 21.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Unfall auf dem Tesla-FabrikgelĂ€nde: Eine braune FlĂŒssigkeit soll durch das Tor der Tesla-Lackiererei geflossen sein.
Unfall auf dem Tesla-FabrikgelĂ€nde: Eine braune FlĂŒssigkeit soll durch das Tor der Tesla-Lackiererei geflossen sein. (Quelle: ÖDP Brandenburg)
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Was ist am 11. April beim neuen Tesla-Werk bei Berlin wirklich passiert? Eine kĂŒrzliche Panne sorgt fĂŒr Streit zwischen dem Betreiber und den UmweltverbĂ€nden. Jetzt heizen plötzlich aufgetauchte Fotos die Debatte an.

Der Austritt einer FlĂŒssigkeit in der Lackiererei der Tesla-Fabrik in GrĂŒnheide bei Berlin sorgt weiter fĂŒr Streit ĂŒber Schwere und Zeitpunkt des Vorfalls. Nach Angaben des Landesamtes fĂŒr Umwelt (LfU) hat der Austritt keinen Störfall verursacht. Das Auslaufen von BetriebsflĂŒssigkeiten aus dem Becken der Elektrotauchlackierung stelle lediglich eine Betriebsstörung dar, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Es seien keine störfallrelevanten Stoffe beteiligt gewesen.

Oder war der Vorfall doch gravierender als bislang angenommen? Davon geht die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) Brandenburg aus, die am Wochenende Bilder des Vorfalls an der Tesla-Fabrik veröffentlicht hatte. Auf einem Foto ist zu sehen, wie eine braune FlĂŒssigkeit durch das Tor der Tesla-Lackiererei fließt.

Drohnenvideo soll frĂŒheren Austritt der FlĂŒssigkeit zeigen

Die ÖDP fordert einen Produktionsstop, die UmweltverbĂ€nde GrĂŒne Liga und Naturschutzbund sowie die BĂŒrgerinitiative GrĂŒnheide wollen AufklĂ€rung. "Das stinkt zum Himmel", sagte Michael Ganschow, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der GrĂŒnen Liga am Dienstag dem Tagesspiegel. "Das ist sehr beunruhigend", sagte Steffen Schorcht von der BI GrĂŒnheide. "In diesem Werk wird mit wassergefĂ€hrdenden Substanzen gearbeitet. Unsere BefĂŒrchtungen, dass es hier nicht hĂ€tte gebaut werden dĂŒrfen, bestĂ€tigen sich."

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Das LfU war nach eigenen Angaben am 12. April durch Tesla ĂŒber den Vorfall am 11. April mĂŒndlich unterrichtet worden. Ein schriftlicher Bericht wurde demnach zwei Tage spĂ€ter nachgereicht. Doch hier gibt es WidersprĂŒche. UmweltverbĂ€nde verwiesen auf ein auf YouTube veröffentlichtes Drohnenvideo, das der lokale Fabrikbeobachter "Fly Brandenburg" veröffentlichte. Das Video dokumentiert (ab Minute 10.30) bereits am 10. April einen deutlich sichtbaren Austritt der FlĂŒssigkeit vor dem Hallentor – einen Tag vor der offiziellen Version. Das stehe im Widerspruch zu den Angaben des Landesumweltamtes ĂŒber den Zeitpunkt des Vorfalls, wie sie der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mitteilten.

Nach LfU-Angaben wurde die ausgelaufene FlĂŒssigkeit nach dem Vorfall in der Lackiererei durch ein fachlich zugelassenes Entsorgungsunternehmen abgepumpt. Die im Tesla-GelĂ€nde verbliebenen verwendeten SchlĂ€uche seien anschließend nicht restentleert worden. So sei es zu einem Auslaufen von Teilen des Schlauchinhaltes auf die befestigte Zufahrt gekommen. Die ausgelaufene FlĂŒssigkeit sei mit einem Bindemittel großflĂ€chig aufgenommen worden, wie es weiter hieß.

GrĂŒnheide bei Berlin: Kritik von UmweltschĂŒtzern

Die Umweltbehörde geht von einem wassergefĂ€hrdenden Stoff aus, der nach Aussage der unteren Wasserbehörde aber nicht in den Boden oder das Grundwasser gelangt sei, wie es weiter hieß. UmweltschĂŒtzer der GrĂŒnen Liga und der BĂŒrgerinitiative GrĂŒnheide kritisierten, dass nicht mitgeteilt wurde, welche Substanzen in welcher Konzentration und Menge ausgetreten sind. Auf dem Drohnenvideo sei zu sehen, dass die FlĂŒssigkeit neben dem befestigten Weg bis zum Erdreich geflossen sei.

Ausgetretene FlĂŒssigkeit auf dem GelĂ€nde: Das Bild aus dem Drohnenvideo soll den Vorfall beweisen.
Ausgetretene FlĂŒssigkeit auf dem GelĂ€nde: Das Bild aus dem Drohnenvideo soll den Vorfall beweisen. (Quelle: ÖDP Brandenburg)

Bei der ausgetretenen FlĂŒssigkeit handelt es sich weiteren Angaben des LfU zufolge um etwa 15 Kubikmeter Behandlungsbad aus der Elektrotauchlackierung. Der verwendete Lack habe keine gefahrstoffrechtliche Einstufung, wie es weiter hieß. Durch einen Entsorger sei die FlĂŒssigkeit mit Wasser verdĂŒnnt und aus der Auffangwanne zur Entsorgung in Sammelfahrzeuge abgepumpt worden. Die VerdĂŒnnung werde derzeit auf ihre Zusammensetzung hin analysiert.

Umweltverband: "Vertuschung der realen Gefahr" nahe Wasserschutzgebiet

"Lösemittel kann es nicht sein, das wĂ€re verdunstet. Und am Sonntag wird in der Fabrik nicht gearbeitet", sagte Steffen Schorcht von der BĂŒrgerinitiative GrĂŒnheide dem "Tagesspiegel". Knapp tausend Meter von der Stelle entfernt befinde sich die Hauptbrunnenanlage Hohenbinde des Wasserverbandes Strausberg-Erkner mit einer jĂ€hrlichen KapazitĂ€t von 5,6 Millionen Kubikmetern. "Wenn die ausfallen sollte, droht ein Versorgungsnotstand in der Region." Nach den Drohnen-Fotos könne nicht ausgeschlossen werden, dass Chemikalien neben der Straße versickert seien.

Die UmweltverbÀnde sprachen von einer "Vertuschung der realen Gefahr". Der Vorfall habe sich im Bereich eines Wasserschutzgebiets ereignet. Die Hauptbrunnenanlage des Wasserverbandes Strausberg-Erkner (WSE) mit einer FörderkapazitÀt von 5,6 Millionen Kubikmeter pro Jahr befinde sich nur rund 1.000 Meter vom Ort des Schadstoffaustritts entfernt.

Der Wasserverband Strausberg-Erkner hatte kritisiert, dass er nicht ĂŒber den Vorfall informiert wurde. Er beliefert Tesla mit Wasser. Der WSE brauche Informationen, um im Störfall die Sicherheit der Trinkwasserversorgung zu gewĂ€hrleisten und den Schadstoffeintrag im Schmutzwassersystem bewerten zu können.

Störfallkonzept habe zum Produktionsstart vorgelegen

Die Fabrik des US-Elektroautobauers war am 22. MĂ€rz eröffnet worden. DafĂŒr musste Tesla auch ein Störfallkonzept vorlegen. Dabei geht es um den Umgang mit gefĂ€hrlichen Stoffen. Das Störfallkonzept lag nach Angaben des Umweltministeriums zum Produktionsstart vor.

Im Genehmigungsverfahren hatten GrĂŒne Liga und Naturschutzbund wiederholt gewarnt, dass die Störfallvorkehrungen mangelhaft seien. Solche BefĂŒrchtungen hatte das Landesumweltamt zuletzt in der 536 Seiten starken Hauptgenehmigung fĂŒr das Werk als unbegrĂŒndet zurĂŒckgewiesen.

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FĂŒr GeschĂ€ftsfĂŒhrer Michael Ganschow von der GrĂŒnen Liga stellt sich die Frage, "ob Tesla alle Auflagen der Genehmigung erfĂŒllt hat und wer das kontrolliert", berichtete der "Tagesspiegel". Die VorfĂ€lle zeigten, wie berechtigt die Warnungen seien. "Was, wenn doch einmal ein grĂ¶ĂŸerer Störfall geschieht? Die Genehmigungsbehörde ist in der Pflicht."

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