Interview
Unsere Interview-Regel

Der GesprĂ€chspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

"Ich bin fĂŒr eine Impfpflicht"

Von Kirstin Hermann

Aktualisiert am 20.01.2022Lesedauer: 6 Min.
Bremens BĂŒrgermeister Andreas Bovenschulte: Die Omikron-Welle sieht er noch nicht als ĂŒberstanden.
Bremens BĂŒrgermeister Andreas Bovenschulte: Die Omikron-Welle sieht er noch nicht als ĂŒberstanden. (Quelle: Frank Koch)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen Text9-Euro-Ticket sorgt bei Bahn fĂŒr ProblemeSymbolbild fĂŒr einen TextSelenskyj: Hohe Verluste im OstenSymbolbild fĂŒr einen TextKinderleiche aus Donau geborgenSymbolbild fĂŒr einen TextBald US-Soldaten in Kiew?Symbolbild fĂŒr einen TextNeuer Wirbel um Frankfurts BĂŒrgermeisterSymbolbild fĂŒr einen TextAuf diesen Handys lĂ€uft WhatsApp ausSymbolbild fĂŒr einen TextBeziehungs-Aus bei "Höhle der Löwen"-StarSymbolbild fĂŒr einen Text20-JĂ€hriger verstirbt bei MarathonSymbolbild fĂŒr einen TextDieses Handy wechselt seine FarbeSymbolbild fĂŒr einen TextSarah Engels: TrĂ€nen im FamilienurlaubSymbolbild fĂŒr einen Watson Teaser"Let's Dance"-Jurorin platzt nach Finale der Kragen

Bremen gilt beim Impfen als Musterbeispiel. Doch seit einigen Tagen ist die Stadt auch bei der Inzidenz weit vorne. Bremens BĂŒrgermeister Andreas Bovenschulte erklĂ€rt im Interview seine Strategie gegen die Omikron-Welle und warum er sich fĂŒr ein Mindestkurzarbeitergeld einsetzen will.

Bremen gehört zu den deutschen Corona-Hotspots. Der Inzidenzwert ist zwar rĂŒcklĂ€ufig, dennoch: Er liegt seit mehr als einer Woche bei ĂŒber 1.300 – nur fĂŒnf deutsche Kreise haben laut Robert Koch-Institut noch höhere Zahlen. Wie will der Stadtstaat den Kampf gegen die Ausbreitung gewinnen?

t-online: Herr Bovenschulte, Bremen gilt als Vorreiter beim Impfen und erhĂ€lt dafĂŒr bundesweit Anerkennung. Nun gibt es andere Schlagzeilen: Bremen ist seit Tagen weit oben bei der Sieben-Tage-Inzidenz (aktuell: 1.359,8). Ärgert Sie das?

Andreas Bovenschulte: Ich befĂŒrchte, dass wir in Bremen der bundesweiten Entwicklung einfach ein paar Tage voraus sind. So ĂŒberraschend ist das allerdings nicht, da die Zahlen im Norden Deutschlands derzeit insgesamt deutlich höher sind und schneller steigen als im SĂŒden. Das könnte unter anderem an der NĂ€he zu DĂ€nemark und den Niederlanden liegen, wo es aufgrund der Omikron-Welle sehr hohe Inzidenzen gibt.

Ist das der einzige Grund fĂŒr die vielen Omikron-FĂ€lle in der Stadt?

Nein, es hat sicherlich auch etwas damit zu tun, dass urbane Gebiete bei dieser Variante stĂ€rker betroffen sind als lĂ€ndliche. Omikron verbreitet sich dort besonders schnell, wo viele Menschen dicht an dicht leben. Auch andere GroßstĂ€dte haben bei den Fallzahlen ja inzwischen deutlich nachgezogen. Vielleicht spielt auch der Zufall eine Rolle. Hat man einmal einen Omikron-Herd, verbreitet sich die Variante von da aus sehr schnell.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
"Der Bundeskanzler will nicht, dass die Ukraine gewinnt"
Roderich Kiesewetter (CDU) bei "Anne Will": Isoliert sich Deutschland im Ukraine-Konflikt von der EU?


LĂ€sst Sie das manchmal an dem bisherigen Weg zweifeln?

Die Impfstrategie habe ich nie infrage gestellt. Wir bleiben bei unserem Motto: Impfen und Boostern, bis die Nadel glĂŒht. Beim Boostern haben wir in den vergangenen Tagen viel Boden gut gemacht (Platz zwei zusammen mit Schleswig-Holstein hinter dem Saarland, Anm. d. Red.). Da mĂŒssen wir noch besser werden, aber wir sind auf einem guten Weg. Im Übrigen haben wir die in der letzten Bund-LĂ€nder-Runde vereinbarten Schutzmaßnahmen umgesetzt und zum Teil sogar noch schĂ€rfere Regeln eingefĂŒhrt, die das Infektionsgeschehen stabilisieren sollen. Dabei ist eins klar: Wir können die aktuelle Welle zwar abflachen, aber wir können sie nicht kurzfristig brechen. Das ist bisher noch niemanden gelungen, auch in unseren europĂ€ischen NachbarlĂ€ndern nicht.

Dennoch fragen sich noch immer viele Menschen, wie die hohe Impfquote in Bremen mit der derzeit hohen Inzidenz zusammenpasst.

Die ein- oder zweimalige Impfung hilft leider kaum noch gegen eine Ansteckung. Durch die frĂŒh angelaufene Impfkampagne in Bremen lĂ€sst der Impfschutz inzwischen nach, weshalb wir die Booster-Kampagne so schnell wie möglich vorantreiben wollen. Zwar verhindert auch die Booster-Impfung eine Ansteckung nicht zuverlĂ€ssig, senkt aber das Risiko deutlich, insbesondere das eines schweren Verlaufs.

BĂŒrgermeister Bovenschulte im GesprĂ€ch: Der Politiker wirbt fĂŒr das Motto "Impfen und Boostern, bis die Nadel glĂŒht."
BĂŒrgermeister Bovenschulte im GesprĂ€ch: Der Politiker wirbt fĂŒr das Motto "Impfen und Boostern, bis die Nadel glĂŒht." (Quelle: Frank Koch)

Wie ist die Situation in den Bremer KrankenhÀusern aktuell?

Wir haben zwar hohe Fallzahlen und eine steigende Anzahl von Aufnahmen bei den Normalbetten (Hospitalisierungsinzidenz aktuell bei 15,36, Anm. d. Red.), sind aber, was die Krankenhausbelegung betrifft, noch deutlich von den HöchststÀnden der zweiten Welle entfernt. Erfreulicherweise ist die Situation auf den Intensivstationen derzeit stabil.

Im Vergleich zur Vorwoche stagniert der Inzidenzwert in Bremen gerade bzw. geht wieder leicht zurĂŒck. Ist der Höchstwert der Omikron-Welle schon erreicht?

Eine solche Prognose wĂ€re zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation. Diese Pandemie hat uns schon hĂ€ufig ein Schnippchen geschlagen. Da stelle ich mich nur ungern hin und sage: Ich weiß, was die Zukunft bringt. Die Zahlen mĂŒssen lĂ€nger und deutlicher nach unten gehen, um von einem AbwĂ€rtstrend zu sprechen.

Sie haben das Motto "Impfen und Boostern, bis die Nadel glĂŒht" erwĂ€hnt. Wie wollen Sie die Booster-Kampagne vorantreiben?

Wir haben eine sehr hohe Erst- und Zweitimpfungsquote (85,6 Prozent grundimmunisiert, Anm. d. Red.) und wollen auch die Booster-Quote (aktuell bei 54,3 Prozent) auf dieses Niveau bringen. Da werden wir noch einiges an Arbeit haben, tun aber auch viel dafĂŒr. In unserem Impfzentrum kann man sich mittlerweile auch ohne Termin impfen lassen. DafĂŒr haben wir vor dem GebĂ€ude eine Ampel angebracht und wenn die auf GrĂŒn steht, kann man einfach so reinspazieren. Niedrigschwelliger kann man Impfungen kaum anbieten. Außerdem sind wir nach wie vor mit unseren mobilen Impfteams in den Quartieren und Pflegeheimen unterwegs, um die Leute direkt an ihrem Wohnort zu erreichen.

Die 2G-plus-Regel fĂŒr Gastronomie, Kultur- und Freizeiteinrichtungen soll in Bremen unabhĂ€ngig von der Warnstufe bis zum 13. Februar gelten. Besonders die Gastronomen klagen darĂŒber, dass kaum noch GĂ€ste kommen.

Ich persönlich glaube nicht, dass das an der 2G-plus-Regelung liegt. Es gibt in Bremen sehr viele Geboosterte und frisch Geimpfte, fĂŒr die ein Restaurant- oder Kinobesuch jederzeit möglich wĂ€re, auch ohne zusĂ€tzlichen Test. Allerdings entscheiden sich viele Menschen dafĂŒr, aufgrund der aktuellen Lage sicherheitshalber lieber zu Hause zu bleiben. Das ist aus epidemiologischer Sicht gut, aus Sicht der Gastronomie und der Kulturschaffenden aber natĂŒrlich schlecht, da kann ich die Klagen sehr gut nachvollziehen.

Die Bremer Gastro-Gemeinschaft beklagt teilweise UmsatzrĂŒckgĂ€nge von bis zu 90 Prozent. Muss man den Betreibern mehr entgegenkommen?

SelbstverstĂ€ndlich mĂŒssen wir die Gastronomie und andere betroffene Branchen unterstĂŒtzen. Zum einen gibt es hier die ÜberbrĂŒckungs-, Neustart- und HĂ€rtefallhilfen des Bundes. Zum anderen besteht grundsĂ€tzlich die Möglichkeit, Kurzarbeitergeld fĂŒr die BeschĂ€ftigten zu beantragen. Ich werde mich dafĂŒr einsetzen, dass die Höchstlaufzeit des Kurzarbeitergelds, die bisher auf 24 Monate begrenzt ist und fĂŒr einige Betroffene im MĂ€rz auslaufen wĂŒrde, ausgeweitet wird. In diesem Zusammenhang sollten wir auch darĂŒber sprechen, die Beantragung des Kurzarbeitergeldes zu erleichtern, da das viele Betriebe als erhebliche Belastung empfinden. Zudem sollten wir ĂŒber ein Mindestkurzarbeitergeld nachdenken.

Was wÀren die Vorteile von Mindestkurzarbeitergeld?

Das jetzige Kurzarbeitergeld geht hĂ€ufig an der LebensrealitĂ€t von BeschĂ€ftigten mit niedrigen Einkommen vorbei. Ein Mindestkurzarbeitergeld, zum Beispiel in Höhe von 1.200 Euro, könnte Abhilfe schaffen. Der große Vorteil wĂ€re, dass Betroffene nicht zum Sozialamt gehen mĂŒssten, um aufstockende Leistungen zu beantragen. Ich habe vor einigen Tagen noch einmal mit dem Bundesarbeitsminister darĂŒber gesprochen. Inhaltlich kann er dem Gedanken einiges abgewinnen. Verwaltungsorganisatorisch ließe sich ein Mindestkurzarbeitergeld von der Bundesagentur fĂŒr Arbeit aber offenbar kurzfristig kaum umsetzen. Wir werden darĂŒber sicher in der nĂ€chsten MinisterprĂ€sidentenkonferenz kommende Woche beraten.

Wie in vielen anderen deutschen StĂ€dten gab es zu Beginn der Woche auch in Bremen und Bremerhaven Proteste gegen die Corona-Maßnahmen. In Bremen trafen Gegner der Maßnahmen auf viele Gegendemonstranten, eine Person wurde verletzt. Bereitet Ihnen diese Entwicklung Sorge?

Loading...
Loading...
Loading...

NatĂŒrlich betrachte ich das mit Sorge. Man kann in einer freiheitlichen Demokratie fĂŒr und gegen alles demonstrieren, aber wenn Proteste in Gewalt und Extremismus abgleiten, ist fĂŒr mich eine klare Grenze erreicht. Ich bin froh, dass die "Querdenker" hier in Bremen lange nicht so zahlreich und gut organisiert sind wie in anderen Teilen Deutschlands. Nichtsdestotrotz beobachten wir die Entwicklung genau und nehmen sie sehr ernst, insbesondere die zunehmende politische Radikalisierung der "Querdenker".

Glauben Sie, dass Ungeimpfte im öffentlichen Diskurs zu sehr ĂŒber einen Kamm geschoren werden?

Ich persönlich finde es, von wenigen medizinisch begrĂŒndeten Ausnahmen abgesehen, falsch, sich in der aktuellen Lage nicht impfen zu lassen. Gleichwohl darf man in der Tat nicht alle Ungeimpften ĂŒber einen Kamm scheren, denn hinter der Entscheidung sich nicht impfen zu lassen, können sehr unterschiedliche Motive stehen.

Wie wollen Sie die Ungeimpften erreichen?

Weitere Artikel

Am MĂŒnchner Flughafen
Ärztin fliegt mit kurioser Corona-Masche bei Kontrolle auf
Flughafen MĂŒnchen (Archivbild): Die Frau zog noch weitere skurril gefĂ€lschte Dokumente aus ihrer Tasche.

Inzidenz ĂŒber 1.000
So will Bremen Omikron aufhalten
Eine lange Warteschlange vor dem Impfzentrum am Brill (Archivbild): Trotz der hohen Impfquote nehmen die Corona-Infektionen in Bremen weiter zu.

Corona-Hochburg Bremen
"Passt auf, wir haben einen FlÀchenbrand"
Ein Nasen-Rachen-Abstrich in einer Corona-Test-Straße (Symbolbild): Immer mehr Bremerinnen und Bremer mĂŒssen sich testen lassen.


GrundsĂ€tzlich bin ich immer fĂŒrs Überzeugen. Ja, es gibt auch beim Impfen ein Restrisiko, aber das Risiko einer Corona-Infektion ist deutlich grĂ¶ĂŸer. Das sagen alle seriösen Studien, die bisher vorliegen. Sofern kein medizinischer Grund dagegenspricht, bietet die Impfung den vergleichsweise besten Schutz gegen das Coronavirus. Wir sind deshalb in den Quartieren unterwegs und klĂ€ren in den Impfzentren auf, um noch mehr Menschen fĂŒr die Impfung zu gewinnen. Dennoch bin ich am Ende auch fĂŒr eine Impfpflicht. Unsere Gesellschaft ist durch die Pandemie so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass wir eine möglichst hohe Impfquote möglichst schnell, möglichst flĂ€chendeckend brauchen. Und das wird auf rein freiwilliger Basis kaum zu erreichen sein. Ich finde es jedoch wichtig, zu dieser grundsĂ€tzlichen Frage eine offene, nicht fraktionsgebundene Debatte und Abstimmung im Bundestag zu fĂŒhren. Das bietet die Chance, dass die letztlich getroffene Entscheidung eine breite gesellschaftliche Akzeptanz findet.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
DeutschlandDĂ€nemarkGastronomieInzidenzNiederlande

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website