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Blackout in Frankfurt: Wie sich die Stadt auf die große Dunkelheit vorbereitet


Die große Dunkelheit

Von Roxana Frey

Aktualisiert am 06.10.2022Lesedauer: 4 Min.
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Frankfurt am Main: Ein großer Stromausfall könnte dort ungeahnte Folgen haben. (Quelle: Thomas Lohnes/Getty Images)
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Vor einem Stromausfall wegen der Energiekrise fürchten sich viele. In Frankfurt wäre ein Blackout besonders gefährlich: Er könnte Folgen weit über die Stadt hinaus haben.

Es ist ein Szenario wie aus einem Katastrophenfilm: ausfallende Kommunikationsnetzwerke, knappe Lebensmittel, Plündereien – und das alles im Dunkeln. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnt wegen der Energiekrise vor flächendeckenden Stromausfällen in Deutschland. Experten schätzen die Gefahr als gering ein, allerdings nicht als unmöglich. Aus diesem Grund bereiten sich viele Städte auf Gas- und Strommangellagen vor – so auch Frankfurt am Main.

Die Mainmetropole ist nicht nur Hauptstadt der Finanzen, sondern auch der Daten. Frankfurt verfügt über ein ausgedehntes Glasfasernetzwerk; zahlreiche Rechenzentren, auch Datacenter genannt, haben hier ihren Platz. Was sie tun? Einfach gesagt: Sie sind ein Ort zum Speichern und Berechnen von Daten.

Geld abheben und Kauf wichtiger Produkte nicht mehr möglich

Immer mehr industrielle Prozesse sind auf funktionierende Datenströme angewiesen, auch das Geschäft von Banken. Ein großflächiger Stromausfall könnte ohne entsprechende Sicherungsmaßnahmen einen massiven Verlust von Daten bewirken. Am Beispiel von Finanzinstitutionen würde das konkret bedeuten, dass durch die Störung der digitalen Infrastruktur der Zahlungsverkehr zum Erliegen kommen würde, da kein Datenaustausch zwischen den einzelnen Institutionen mehr stattfindet.

Rechenzentrum von Google (Archivbild): Der Konzern speichert WLAN-Passwörter von Android-Nutzern unverschlüsselt in seinen Rechenzentren.
Rechenzentrum von Google (Archivbild): Der Konzern speichert WLAN-Passwörter von Android-Nutzern unverschlüsselt in seinen Rechenzentren. (Quelle: Google)

Am Bankautomaten ließe sich kein Geld mehr abheben, auch die Zahlung per EC-Karte wäre nicht mehr möglich. Onlineshopping würde nicht mehr funktionieren – Nahrungsmittel und andere lebensnotwendige Produkte könnten nicht mehr gekauft werden. Die gesamte Versorgungsstruktur wäre gestört. Zudem könnten sensible Daten von Kundinnen und Kunden verloren gehen.

Ein Krisenszenario, welches durch Vorbereitungen der Rechenzentren verhindert werden soll: Das Unternehmen DE-CIX, einer der weltweit größten Internet-Knoten, besitzt und betreibt selbst keine Rechenzentren, sondern nutzt als Mieter Flächen in den Datenzentren verschiedener Anbieter. In Frankfurt ist der DE-CIX aus über 35 verschiedenen Rechenzentren erreichbar und bildet eine der weltweit größten von einem Unternehmen betriebenen "Interconnection-Infrastrukturen", wie Carsten Titt, Leiter der Kommunikation des Unternehmens auf Anfrage von t-online mitteilt.

Blackout im Datacenter: Stromversorgung aus mehreren Quellen

Um für einen möglichen Blackout gewappnet zu sein, setzt das Unternehmen auf eine dezentrale und redundante Infrastruktur. Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass die Daten nicht nur auf einem Server gespeichert werden, sondern auf mehreren, um die Daten besser zu schützen. Somit kann im Notfall von einem Server auf den anderen gewechselt werden.

DE-CIX wähle einen Rechenzentrumspartner nach verschiedenen Faktoren aus. Einer der wichtigsten sei, dass das Rechenzentrum seine Energieversorgung von zwei voneinander unabhängigen Stromanbietern erhält, so Titt: "Darüber hinaus wählen wir nur Rechenzentren aus, die ein unterbrechungsfreies Stromversorgungssystem (USV), bestehend aus Batteriemodulen und Notstromaggregaten, anbieten."

Im Falle eines Stromausfalls würde dieses USV automatisch greifen und die Energieversorgung der Infrastruktur wäre gewährleistet. Das System sei so ausgerichtet, dass es auch tagelange Stromausfälle kompensieren könne, so Titt. Vor allem vor dem aktuellen Hintergrund einer drohenden Energieverknappung stelle man sicher, dass die ausgewählten Partner auf einen Ernstfall – wie einen Stromausfall – zu 100 Prozent vorbereitet seien.

Stadt im Blackout (Symbolbild): Ein Experte fürchtet Stromausfälle im Winter.
Stadt im Blackout (Symbolbild) (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa-bilder)

Was bedeutet "Blackout"?

In jedem Haushalt kann es relativ leicht zu einem Kurzschluss kommen. Der Schaden kann aber in den meisten Fällen wieder rasch behoben werden und ist somit nur vorübergehend. Wenn jedoch die Stromversorgung in weiten Teilen des Landes ausfällt, spricht man von einem Blackout. Er bedeutet einen gesellschaftlichen und systemischen Kontrollverlust.

Auch die Stadt möchte für den Notfall gerüstet sein: Wie eine Sprecherin des Klima- und Umweltdezernats Frankfurt t-online mitteilt, beobachte die Bundesnetzagentur die Situation sehr genau und stehe in ständigem Kontakt zu den Unternehmen der Gaswirtschaft – auch zum Energiegrundversorger Mainova in Frankfurt. Bislang sei die Gasversorgung in Deutschland gesichert: Die aktuellen Füllstände der Speicher in Deutschland liegen bei rund 91,28 Prozent (Stand 30. September 2022), wie die Bundesagentur mitteilt.

Notfallplan-Details in Frankfurt bleiben geheim

Für mögliche Notfallszenarien existieren auf Bundesebene einheitliche Notfallpläne. Diese träten "im Falle einer Zuspitzung der Lage" in Kraft, so die Sprecherin. Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges befasse sich die Mainova mit den möglichen Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Frankfurt und ergreife verschiedene Maßnahmen, um die Erzeugung von Strom und Wärme in den städtischen Kraftwerken in der "aktuellen Situation und künftig zuverlässig sicherzustellen". Konkrete Maßnahmen werden von der Stadt allerdings nicht genannt.

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Falls in einem nächsten Schritt die Notfallstufe ausgerufen werden sollte, würde die Bundesnetzagentur die Rolle des sogenannten "Bundeslastverteilers" einnehmen. In jedem Fall seien Haushaltskunden und Einrichtungen wie beispielsweise Krankenhäuser besonders geschützt, so die Sprecherin.

Über spezielle Risikoszenarien bei einem Blackout könne die Stadt aus "sicherheitsrelevanten Gründen und zum Schutz der kritischen Infrastrukturen" keine Aussagen machen. Auch zu konkreten Maßnahmen im Falle einer Gas- oder Strommangellage schweigt die Stadt bislang. Dabei wurden mögliche Szenarien auch in der vergangenen Stadtverordnetenversammlung diskutiert: Auf die Frage der Stadtverordneten Sylvia Momsen (Grüne), wie man sich auf eine mögliche Gasmangellage vorbereite, antwortet Stadträtin Rosemarie Heilig (Grüne) ausführlich: Eine anhaltende Gas- oder Strommangellage könne der Katastrophenschutz nicht vollständig kompensieren.

Stadträtin Heilig: "Wir alle müssen sparen"

Solchen Situationen müsste durch "individuelle Vorbereitung und Selbstschutz der Bevölkerung" begegnet werden. "Das heißt, wir alle müssen Strom und Gas sparen", mahnt Heilig. Zudem habe die Stadt einen Arbeitskreis eingerichtet, der sich mit eventuellen Mangelszenarien auseinandersetzt. Spät, wenn man bedenkt, dass bereits Oktober ist.

Auch in Frankfurt ansässige Unternehmen planen für den Notfall: Wie die britische Zeitung "The Telegraph" berichtet, plane die US-Bank JPMorgan im Fall möglicher Stromausfälle in Deutschland, die Tätigkeiten von Frankfurt nach London und andere europäische Länder zu verlagern.

Zudem könne das Unternehmen im Ernstfall auch auf Notstromaggregate zurückgreifen. Damit würde der Bürobetrieb für mehrere Tage sichergestellt werden, falls es zu einem Blackout kommen würde. Dem Bericht zufolge könnte die Verlagerungen von jedem Standort zu jedem Standort erfolgen – nicht nur nach Großbritannien. Die Zeitung beruft sich hierbei auf informierte, anonyme Quellen.

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Verwendete Quellen
  • Anfrage Klima- und Umweltdezernat Frankfurt am Main
  • Anfrage DE-CIX
  • Eigene Recherche
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