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Stalker bedroht Tochter und schie├čt auf Mutter: Haftstrafe

Von dpa
20.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Justitia
Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand. (Quelle: Arne Dedert/dpa/Symbolbild/dpa-bilder)
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Ein Jahr lang stellt ein junger Mann in Hamburg-Wilhelmsburg einer Abiturientin nach, dann schie├čt er auf deren Mutter und t├Âtet die 53-J├Ąhrige beinahe. Das Landgericht Hamburg hat den Mann am Donnerstag zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 24-J├Ąhrige habe sich des Mordversuchs in zwei F├Ąllen, gef├Ąhrlicher K├Ârperverletzung, Bedrohung, Verbreitung pornografischer Inhalte und weiterer Straftaten schuldig gemacht, erkl├Ąrte die Vorsitzende der Strafkammer, Birgit Woitas.

Der Angeklagte hatte nach ├ťberzeugung des Gerichts am 11. M├Ąrz vergangenen Jahres auf die Mutter und ihren damals 13 Jahre alten Sohn geschossen - vor dem Haus der Familie. Motiv f├╝r die Tat war die Ver├Ąrgerung des in der T├╝rkei geborenen Mannes ├╝ber die Tochter der 53-J├Ąhrigen. Die Abiturientin habe seine Ann├Ąherungsversuche zur├╝ckgewiesen. Er habe das nicht akzeptiert und sie ├╝ber ein Jahr lang gestalkt, sagte die Richterin.

Der Angeklagte ohne Schulabschluss, Ausbildung und Arbeit habe sich nach einem Ausweg aus seinem tristen Leben gesehnt. Er habe Marihuana geraucht und sich von seinem ├Ąlteren Bruder bevormundet gef├╝hlt. Die Abiturientin habe er auf der Stra├če gesehen und anziehend gefunden. Er sprach sie mehrfach an, bis sie sagte "Du nervst!". Die 17-J├Ąhrige bekam Angst und lie├č sich von ihren Eltern zur Schule begleiten. Klassenkameraden forderten den jungen Mann auf, ihre Mitsch├╝lerin in Ruhe zu lassen. Die Polizei ordnete ein Kontaktverbot an. Dreimal h├Ątten die Beamten auch eine Gef├Ąhrderansprache gemacht, sagte Woitas.

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Im September 2020 lauerte er der Abiturientin erneut auf, beleidigte sie als "Schlampe" und schlug ihr auf den Hinterkopf. Sie machte ein Foto von ihm und fl├╝chtete sich ins Haus. Er trat so heftig gegen die T├╝r, dass eine Scheibe zu Bruch ging. Die Mutter zeigte das Foto des Stalkers einer Nachbarin, weil sie Angst vor dem Unbekannten hatte.

Anfang 2021 schickte der Angeklagte einer unbeteiligten Frau ├╝ber Instagram Beleidigungen, Drohungen sowie Fotos einer Pistole und seines erigierten Penis, weil er sie irrt├╝mlich f├╝r die Abiturientin hielt. Sie sei eine "scheinheilige Bitch", schrieb er. Er k├Ânne sich gerade nur schwer davon abhalten, nicht ihrer ganzen Familie "in den Kopf zu schie├čen". Zudem versuchte er ├╝ber Fake-Accouts, Treffen zwischen der Frau und fremden M├Ąnnern zu arrangieren.

Seine Instagram-Nachrichten habe er immer sp├Ątabends und nachts versandt, sagte Woitas. Auch zum Haus der Familie sei er nachts gegangen und habe geklingelt, um ihr Angst zu machen.

Am Tattag hatte ihm sein Bruder 60 Euro gegeben, die er f├╝r ihn bei einem Wettb├╝ro einzahlen sollte. Doch auf dem Weg dahin geriet der Angeklagte in eine Fahrkartenkontrolle und musste wegen Schwarzfahrens 40 Euro bezahlen. Anschlie├čend traute er sich nicht nach Hause, weil er den Zorn des Bruders f├╝rchtete. Er setzte sich auf eine Bank und habe das Gef├╝hl gehabt, dass ihn alle Menschen anstarrten, sagte die Richterin. Da er annahm, die Mutter der Abiturientin habe im Stadtteil Fotos von ihm herumgezeigt und ihn als Vergewaltiger verleumdet, geriet er in Wut.

Mit seiner Monate vorher gekauften Pistole ging er am Nachmittag zum Wohnhaus der Familie und wartete dort. Nach etwa einer Stunde kam die Mutter mit dem Sohn vom Einkaufen zur├╝ck. Vor dem Eingang habe der Angeklagte etwas Unverst├Ąndliches gerufen und sie angeschrien. Dann habe er die Beretta aus dem Hosenbund gezogen und mindestens viermal auf die beiden geschossen. Die 53-J├Ąhrige wurde im Gesicht getroffen. Der k├Ârperlich unverletzte Sohn zog die Mutter ins Haus und schloss die T├╝r. Die Mutter schwebte in Lebensgefahr. Sie lag acht Tage in einem k├╝nstlichen Koma und musste mehrmals operiert werden, wie Woitas sagte.

Der Sch├╝tze floh und stellte sich sp├Ąter der Polizei. Den Polizisten, die ihn festnahmen und mit aufs Revier nahmen sagte er nach Angaben der Richterin: "Jetzt habe ich wegen dieser Schlampe mein Leben versaut." Im Prozess habe er das Tatgeschehen weitgehend einger├Ąumt. Allerdings habe er angegeben, er habe die Mutter nicht t├Âten, sondern ihr nur Angst einjagen wollen. Die Strafkammer ging von einem bedingten T├Âtungsvorsatz aus. Das Mordmerkmal der Heimt├╝cke sei erf├╝llt. Die elfeinhalb Jahre bezeichnete Woitas als "eine erhebliche Strafe". Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten lebenslang gefordert, der Verteidiger nur f├╝nf Jahre.

Woitas ermahnte den Angeklagten, die Haftzeit f├╝r eine Sozialtherapie zu nutzen. Sonst werde er eine ├Ąhnliche Straftat erneut begehen. Ein Gutachter habe eine Pers├Ânlichkeitsst├Ârung mit narzisstischen Anteilen festgestellt. Sie habe nicht den Eindruck, dass sich der Angeklagte in irgendeiner Weise mit der Tat auseinandergesetzt habe. "Ich halte Sie f├╝r hochgef├Ąhrlich", sagte Woitas. Der 24-J├Ąhrige schaute sie bei der Urteilsverk├╝ndung aufmerksam an, ohne eine Regung zu zeigen. Das Urteil ist noch nicht rechtskr├Ąftig.

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