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Prorussischer Autokorso in Hannover: Wer fährt hier mit?


Tausende protestieren gegen prorussischen Autokorso

Von Leon Enrique Montero

Aktualisiert am 12.04.2022Lesedauer: 3 Min.
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Proukrainische Gegendemonstranten in Hannover: Beide Gruppen stehen sich teilweise nah gegenüber.
Proukrainische Gegendemonstranten in Hannover: Beide Gruppen stehen sich teilweise nah gegenüber. (Quelle: Leon Enrique Montero/leer)
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Am Sonntag zieht ein prorussischer Autokorso mit 350 Autos durch Hannover. Ihnen standen rund 3.500 proukrainische Demonstrierende gegenüber. Der Autokorso wurde kurzzeitig von Hunderten blockiert.

Hunderte Menschen umstellen ein Auto und bewerfen es mit Pferdemist. Die Polizei kann die proukrainischen Demonstrierenden kaum zurückhalten. Die Szene wirkt fast schon absurd, wäre der Anlass nicht so tragisch. Auf der einen Seite prorussische Aktivisten, die mit laut Polizei 350 Fahrzeugen in einem Autokorso durch Hannover fahren. Auf der anderen Seite etwa 3.500 proukrainische Demonstrierende, darunter zahlreiche Menschen, die erst vor Kurzem aus ihrer Heimat fliehen mussten.

Einige Stunden zuvor ist es noch ruhig. Bei der Auftaktkundgebung des Autokorsos in der Innenstadt schnappt sich ein Teilnehmer das Mikrofon, vor ihm ein Meer aus russischen Fahnen. Er heiße Jan, sei in Russland geboren und in Deutschland aufgewachsen. Um den russischen Angriffskrieg in der Ukraine gehe es den Leuten hier nicht. Sie wollen laut Jan auf die Diskriminierung aufmerksam machen, die viele russische Menschen in Deutschland aktuell erleben. “Wir lassen den Rassismus, früher auch bekannt als Nationalsozialismus, nicht mehr zu. Wir kennen die Geschichte nur zu gut", sagt Jan. Er spricht von Übergriffen, denen russische Kinder in der Schule und im Alltag ausgesetzt seien.

Vanessa und David stehen vor einem Auto mit russischer Flagge: Wegen dem Krieg sind die beiden nicht gekommen.
Vanessa und David stehen vor einem Auto mit russischer Flagge: Wegen dem Krieg sind die beiden nicht gekommen. (Quelle: Leon Enrique Montero/leer)
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Prorussischer Demonstrant: "Dabei geht es uns gar nicht um den Krieg"

Weitere Teilnehmende berichten t-online von Diskriminierungserfahrungen. So etwa der 19-jährige David: "Ich habe einen Gutschein für ein Restaurant geschenkt bekommen, bei dem keine Russen erwünscht sind." Ein Kollege habe ihm erzählt, in dem Gasthaus würden russische Menschen, nachdem ihre Nationalität über ihren Impfpass erkannt wurde, keinen Zutritt erhalten. Doch bestätigen kann David das nicht. Denn vor Ort war selbst er nicht.

Neben ihm steht Vanessa. Sie arbeitet in einer Drogerie als Verkäuferin. Nachdem ein Kunde hörte, dass sie das "R" rollt, habe er sie aufgrund seiner proukrainischen Haltung rassistisch beleidigt, berichtet die 24-Jährige. "Dabei geht es uns gar nicht um den Krieg." Ihr Vater habe gerade eine Anzeige erhalten, da die Polizei ein russisches militärisches Abzeichen als strafbares Kennzeichen wertet.

Eine Frau schwenkt aus einem Auto heraus die russische Flagge: 350 Autos ziehen beim prorussischen Autokorso durch die Stadt.
Eine Frau schwenkt aus einem Auto heraus die russische Flagge: 350 Autos ziehen beim prorussischen Autokorso durch die Stadt. (Quelle: Leon Enrique Montero/leer)

Es handelt sich um das das sogenannte "Georgsband", das seit dem russischen Einmarsch auf der Krim auch als Zeichen zur Unterstützung der Putin-Regierung verwendet wird. Für die Polizei Hannover fällt es unter Paragraph 140 StGB. Demnach wird es als Billigung einer Straftat, in dem Fall als Unterstützung des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands, gewertet. Über den Krieg reden möchte indes niemand.

Proteste in Hannover: Ukrainische Geflüchtete demonstriert mit

Der prorussische Autokorso könnte durchaus auch als Provokation wahrgenommen werden. Der Messebahnhof Laatzen südlich der Innenstadt dient als Drehkreuz für die Verteilung ukrainischer Geflüchteter. Hunderte sind aktuell in den Messehallen und anderen Unterkünften untergebracht.

Die Studentin Sofia ist eine von ihnen. Sie kommt aus Sumy, einer Großstadt nahe der russischen Grenze. "Als der Krieg begann, sahen wir alles. Panzer und Helikopter über meinem Haus. Ich hatte große Angst", erzählt Sofia. Ihre Eltern hätten sie kurz nach Kriegsbeginn nach Hannover gebracht. Mit etwa 3.500 Menschen demonstriert die 19-Jährige an diesem Sonntag gegen den Autokorso.

Die junge Ukrainerin Sofia: Sie flüchtete vorm Krieg und nimmt an der Gegendemonstration teil.
Die junge Ukrainerin Sofia: Sie flüchtete vorm Krieg und nimmt an der Gegendemonstration teil. (Quelle: Leon Enrique Montero/leer)

Proukrainische Demonstrierende blockieren Autokorso

Obwohl die Polizei mit einen Großaufgebot vor Ort ist, kann sie die Demonstrierenden nicht trennen. Kurz nach dem Start des Korsos kommt es zu einer Sitzblockade. "Wir sind gegen den Krieg in der Ukraine", sagt eine proukrainische Aktivistin, die die Route des Aufzugs mit blockiert. "Wenn ich diesen Autokorso sehe, wird mir schlecht. Ich kanns nicht glauben."

Als sich die Nachricht der Sitzblockade rumspricht, strömen Hunderte zur Blockade und umstellen die Autos prorussischer Aktivisten. Die Situation ist angespannt. Die Polizei verliert kurzzeitig die Kontrolle. Es kommt zu gegenseitigen Provokationen und Beleidigungen. Autos mit russischen Fahnen werden angespuckt. Mit Pferden werden die Demonstrierenden zurückgedrängt. Unter dem Jubel der ukrainischen Aktivisten müssen Teile des Autokorsos den Rückwärtsgang einlegen. Der Zug wird umgeleitet.

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Verwendete Quellen
  • Reporter vor Ort
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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  • Patrick Schiller ist t-online Regio Redakteur in Hannover.
Von Patrick Schiller
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