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"Nackte Zahlen": Kölner Künstler bricht mit Litfaßsäulen ein Tabu

"Nackte Zahlen"  

Kölner Künstler bricht mit Litfaßsäulen ein Tabu

Von Susanne Wächter

18.12.2020, 13:24 Uhr
"Nackte Zahlen": Kölner Künstler bricht mit Litfaßsäulen ein Tabu. Künstler Dawid Liftinger (34): In Köln zeigt er auf 25 Litfaßsäulen, was von seinem Schaffen übrig bleibt. (Quelle: Susanne Wächter)

Künstler Dawid Liftinger (34): In Köln zeigt er auf 25 Litfaßsäulen, was von seinem Schaffen übrig bleibt. (Quelle: Susanne Wächter)

Reich werden die meisten Künstler nicht mit ihren Produktionen. Was vor Corona schon schwierig war, ist jetzt in der Pandemie noch gravierender geworden. Dawid Liftinger bricht ein Tabu – und präsentiert seine "nackten Zahlen" auf 25 Säulen im Stadtgebiet.

Die Bilanz: In acht Jahren kam der 34-jährige gebürtige Österreicher auf 33 Ausstellungen in 16 Städten auf verschiedenen Kontinenten. Klingt schwer nach Erfolg. Doch was unterm Strich (nach Abzug von Material- und Reisekosten) für Liftinger übrigblieb, liest sich ernüchternd – 2.794,67 Euro kamen als Gewinn heraus. 

Dawid Liftingers Litfaßsäule in Köln (Quelle: Dawid Liftinger)Eine Seite von Liftingers Litfaßsäulen: Das blieb dem Österreicher nach Abzug aller Kosten übrig. (Quelle: Dawid Liftinger)

Die Idee für eine solch ungewöhnliche Kunstaktion hatte Liftinger Anfang des Jahres, als er sein Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln mit der Note "hervorragend" abschloss. "Ich dachte, ich schaue mal, was finanziell dabei herauskam und ob ich künftig wirklich davon leben kann", sagt Liftinger, als ich ihn vor einer dieser Litfaßsäulen treffe. Stand jetzt kann er das nicht. Dazu muss er Jobs als Designer annehmen oder sich für Stipendien bewerben. "Ich kenne Kollegen, die überleben nur durch Stipendien und mit Preisgeldern", sagt der Digitalkünstler.

Fehlende Wertschätzung für Künstler

Bei unserem Termin an der Litfaßsäule am Rheinufer in Marienburg präsentiert Liftinger nicht nur seine ernüchternde Bilanz, er erzählt auch, dass Künstler oft leer ausgehen, wenn sie beispielsweise auf Messen oder andernorts ausstellen. "Ich war zu einer Ausstellung in Griechenland eingeladen, die fand während der Pandemie nun digital statt. Ich saß also zu Hause und performte von dort aus. Geld habe ich dafür nicht erhalten", erzählt er. Normalerweise wäre sein Einsatz vor Ort in Athen aber durchaus bezahlt worden.

Es herrsche die allgemeine Meinung vor, die Künstler könnten froh sein, dass ihre Kunst gezeigt werde. "Niemand würde auf die Idee kommen, einen Musiker umsonst spielen zu lassen oder einen Handwerker zu beauftragen und ihm kein Geld für seine Leistung zu geben", sagt Liftinger dazu. Die Wertschätzung der freien Künstler fehle in finanzieller Hinsicht. Auch dies will er mit seinen "nackten Zahlen" zeigen.

Stipendium des Landes hilft Künstlern

Hätte das Land NRW kein Stipendium für Künstler aufgelegt, es sähe wahrscheinlich noch düsterer aus für die Kunstschaffenden, Liftinger kann dieses Geld nun in Projekte investieren. So wie Renate Geiter auch. Geiter malt. Aber Bilder verkaufen sich zurzeit schlecht, auch weil Ausstellungen nicht stattfinden dürfen. "Und die, die im Sommer stattfanden, waren schlecht besucht. Zu den Tagen der offenen Galerien kommen normalerweise etwa 100 Besucher, jetzt waren es gerade mal zwei Hände voll", erzählt Geiter.

Künstlerin Renate Geiter: Die Pandemie macht auch ihr zu schaffen. (Quelle: Susanne Wächter)Künstlerin Renate Geiter: Die Pandemie macht auch ihr zu schaffen. (Quelle: Susanne Wächter)

Auch sie will den Kopf nicht einfach in den Sand stecken. Sie überlegte sich, wie sie wenigstens ein bisschen Geld verdienen kann und legte ihre Veedelskalender neu auf. "So kurz vor Weihnachten ist das ein gutes Geschenk, das nur 20 Euro kostet. Damit kann man nichts falsch machen", meint sie.

Mit ihrem Wohnort Zollstock hat sie begonnen, dann kamen die Südstadt, Klettenberg und Sülz hinzu und bald sollen auch Ehrenfeld und andere Veedel folgen. Geiter zieht durch die Veedel und hält Augenblicke, Szenerie und Architektur mit der Kamera fest und bringt diese später in ihrem Atelier an der Lindenstraße auf Papier. Nicht fotorealistisch, sondern ein bisschen im Stil der Expressionisten.

Die Kalender verkaufen sich sehr gut, "Die Menschen hier in Köln lieben halt ihre Veedel", sagt sie dazu. Zu kaufen sind sie in örtlichen Buchläden, aber auch über die Webseite von Renate Geiter.

Verwendete Quellen:
  • Pressemitteilung Stadt Köln
  • Gespräche mit Renate Geiter und Dawid Liftinger

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