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Endete eine enttäuschte Liebe mit Mord durch 31 Dolchstiche?

Von Johanna T√ľntsch

Aktualisiert am 29.01.2021Lesedauer: 4 Min.
Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Monika Troll (li.) und Dolmetscherin Gemila von Seckendorff.
Der Angeklagte (Mitte) mit seiner Verteidigerin Monika Troll (li.) und Dolmetscherin Gemila von Seckendorff: Am Freitag begann in K√∂ln der Mordprozess. (Quelle: Johanna T√ľntsch)
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In K√∂ln steht ein 48-J√§hriger vor Gericht, weil er eine junge Frau brutal ermordet haben soll. Laut Staatsanwaltschaft wegen entt√§uschter Liebe. t-online-Reporterin Johanna T√ľntsch begleitete den ersten Prozesstag.

"Als ich ins Haus ging, lief das Blut schon die Treppe runter", erinnerte sich eine Polizistin (25), die als Zeugin vor der 21. Großen Strafkammer am Kölner Landgericht aussagte. Nach ihren Schilderungen bot sich ihr bei einem Einsatz am 3. Juli 2020 in Leverkusen-Schlebusch ein dramatisches Bild, das sie mit Fotos dokumentierte. Die Aufnahmen, die während der Verhandlung gesichtet wurden, zeigten einen Gegensatz, der größer nicht sein könnte.

Das Wohnhaus, in dem das Ungl√ľck geschah, ist ein helles, gepflegtes Mehrfamilienhaus, vor dem sich eine Wiese mit Baumbestand erstreckt und ein Fu√üweg entlangf√ľhrt. Auch das Treppenhaus zeigte sich auf den ersten Blick unauff√§llig ‚Äď jedenfalls im unteren Bereich. Ein Bild aus einem h√∂her gelegenen Stockwerk zeigt Stufen, die mit gro√üen Blutlachen bedeckt sind. Bei diesem Anblick lie√ü der Angeklagte (48) ruckartig das Gesicht auf seine Arme fallen, die er auf dem Tisch verschr√§nkt hatte, und sah nicht mehr hoch. So ersparte er sich auch das n√§chste Foto: eine blut√ľberstr√∂mte junge Frau in Jeans, lang ausgestreckt auf dem kleinen Absatz zwischen zwei Wohnungst√ľren.

Verteidigerin: Er wollte nur reden

"Durch die r√§umliche Beschr√§nkung des Treppenhauses konnte sie sich nicht wehren", hatte der Staatsanwalt in seiner Anklage vorgetragen und die Vermutung ge√§u√üert, dass der Angeklagte ganz bewusst diesen Tatort gew√§hlt habe, an dem sein Opfer ihm hilflos ausgeliefert w√§re. Ob die junge Frau (22), der an jenem Sommertag ihr Leben genommen wurde, sich in einem anderen Umfeld h√§tte verteidigen k√∂nnen, ist allerdings fraglich ‚Äď angesichts der brutalen Gewalt, die ihr Angreifer an den Tag legte. An ihrem Leichnam wurden 31 Dolchstiche festgestellt. Fast kein Bereich ihres K√∂rpers blieb unber√ľhrt.

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Der Angeklagte soll die Absicht gehabt haben, die junge Frau zu heiraten. Verantworten soll er sich wegen Mordes, denn die Staatsanwaltschaft geht bei der Tat von Heimt√ľcke und Planung aus. Verteidigerin Monika Troll hingegen bem√ľhte sich, eher das Bild eines ungeplanten Totschlags zu skizzieren: "Zutreffend ist, dass er sie an jenem Tag aufgesucht hat, jedoch nur, um mit ihr zu reden. Den Dolch hatte er nur dabei, um sie im Notfall zu bedrohen, damit sie ihm zuh√∂rt. Aber als sie anfing zu schreien, wurde er panisch. Da ist bei ihm eine Sicherung durchgebrannt und er hat zugestochen wie ein Wilder."

Angeklagter soll Opfer gestalkt haben

Die Verteidigerin relativierte auch einen weiteren Punkt der Anklage. Die Staatsanwaltschaft geht n√§mlich davon aus, dass der Mann medizinisch ausgebildet sei und nach einigen gezielten Stichen genau gewusst habe, dass die Verletzungen bereits t√∂dlich sein mussten. Allein, um dem Opfer bis zum Eintritt der Bewusstlosigkeit weitere Qualen zuzuf√ľgen, habe er weiterhin auf den K√∂rper der Frau eingestochen. Auch sagte der Staatsanwalt, einige Bekannte des Angeklagten h√§tten diesen im Adressbuch ihres Telefons als "Doktor" abgespeichert. Verteidigerin Troll hielt dagegen: Ihr Mandant, der aus Eritrea stammt, habe dort zwar zw√∂lf Jahre lang medizinischen Frontdienst geleistet, "aber er war nur was ganz, ganz Kleines und hat dem Arzt nur zugearbeitet."

Laut Anklage hat der 48-J√§hrige die 25 Jahre j√ľngere Frau 2019 kennengelernt, wollte sie heiraten und mit ihr eine Familie gr√ľnden. Weil er jedoch bereits verheiratet gewesen sei und ihr keine Unterlagen √ľber eine etwaige Scheidung habe vorlegen k√∂nnen, habe sie aus religi√∂sen Gr√ľnden eine Beziehung mit ihm abgelehnt. Dem Vernehmen nach sah sie sich seither anhaltenden, teils kontinuierlichen Ann√§herungsversuchen durch ihn ausgesetzt. Eine Freundin hatte sich kurz nach der Bluttat √∂ffentlich dar√ľber ge√§u√üert, dass der Angeklagte sein sp√§teres Opfer massiv gestalkt habe.

Freundin brach beim Anblick der Toten zusammen

Der Staatsanwalt sprach kurz eine Situation wenige Wochen vor dem Dolchangriff an, nach welcher die 22-J√§hrige beim Verlassen der Wohnung immer besonders vorsichtig gewesen sei. Diese ist jedoch nicht Gegenstand der Anklage. Die Frage des Vorsitzenden, ob der Angeklagte sich zu dem Vorfall √§u√üern wolle, verneinte dessen Anw√§ltin. "Es ist zutreffend, dass er mit ihr eine Liebesbeziehung eingehen wollte. Es ist auch zutreffend, dass sie seine Papiere sehen wollte und dass er dar√ľber entt√§uscht gewesen ist. Sie war wohl seine gro√üe Liebe", so Troll. "Mein Eindruck ist: Er liebt sie bis zum heutigen Tag. Er sagte zu mir, es sei, als habe er sich selbst get√∂tet."

Unmittelbar nach der Tat soll der Angeklagte zun√§chst geflohen sein. Das schilderte ein Polizist (25), der als einer der ersten am Tatort eintraf: "Zwei Zeugen, die vor dem Haus standen, h√∂rten Schreie und haben sich gewundert. Sie dachten aber wohl erst, es w√§ren Kinder." Etwas sp√§ter h√§tten die beiden und ein dritter Mann, der dazu gekommen war, jedoch beobachtet, wie ein Mann aus dem Haus st√ľrmte und davonlief. Das sei diesen dann komisch vorgekommen, weswegen sie die Einsatzkr√§fte alarmiert hatten.

Ein Schock d√ľrfte der Anblick der Leiche f√ľr die Freundin und Mitbewohnerin der Toten gewesen sein, deren Eintreffen am Tatort die Polizistin im Zeugenstand schilderte: "Sie ist total ausgerastet, hat wild geschrien, konnte kaum klar sprechen und sagte, sie w√ľsste, wer das getan habe." Gestellt hat sich der Angeklagte am Tag nach der Tat selbst: Ein Mann habe bei der Polizei angerufen und gesagt, der 48-J√§hrige sei bei ihm und wolle sich stellen, hie√ü es. Seither sitzt der Mann in K√∂ln in Untersuchungshaft.

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Von Michael Hartke
Mord

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