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Klimakrise in Köln: Wie sich die Stadt in Zukunft verändern muss

Parks, Verkehr, Hausbau  

Wie sich Köln im Kampf gegen die Klimakrise verändern muss

Von Michael Hartke und Florian Eßer

14.10.2021, 16:36 Uhr
Klimakrise in Köln: Wie sich die Stadt in Zukunft verändern muss. Das ausgetrocknete Flussbett des Rhein an den Poller Auen (Archivbild): Die Tage, an denen es über 30 Grad hat, haben in der Domstadt stark zugenommen. (Quelle: imago images/Ralph Peters)

Das ausgetrocknete Flussbett des Rheins an den Poller Auen (Archivbild): Die Tage, an denen es über 30 Grad heiß ist, haben in der Domstadt stark zugenommen. (Quelle: Ralph Peters/imago images)

Der Klimawandel und seine Folgen sind bereits spürbar – auch in Köln. Nicht zuletzt das Hochwasser im Juli hat gezeigt: Es liegt etwas im Argen. Doch was kann getan werden – und wie muss sich die Stadt anpassen?

Der Mensch ist vom Klimawandel akut betroffen – und das nicht nur dort, wo die Unwetter der letzten Monate schwere Verwüstungen hinterlassen haben. Köln gilt laut einer aktuellen Studie schon jetzt als die Stadt in NRW mit den meisten Hitzetagen – also Tagen, an denen die Temperatur auf über 30 Grad steigt. In den Jahren 2011 bis 2020 waren es im Schnitt 13,5 Tage – während es 60 Jahre zuvor durchschnittlich nur 5,4 Hitzetage pro Jahr waren.

Die steigende Hitze in den Sommermonaten wirkt sich auch auf die Gesundheit der Menschen aus. Neben Schlafproblemen, Kopfschmerzen und Erschöpfung kann die Hitze auch für Kreislaufprobleme und Herzrhythmusstörungen sorgen, im Jahr 2015 führte sie nach Angaben des RKI sogar zu 6.200 Todesfällen, hauptsächlich bei Menschen über 75.

Tropennächte in Köln: "Ein Problem der großen Städte"

Ein großes Risiko sind deshalb auch die sogenannten Tropennächte. Von einer Tropennacht sprechen Fachleute dann, wenn die Temperatur auch nachts nicht unter 20 Grad fällt. So habe es allein im Jahr 2018, dem Dürrejahr schlechthin, 39 sogenannter Tropennächte gegeben.

Vergleicht man Köln mit dem weniger dicht bebauten Umland, können die nächtlichen Temperaturen in der Domstadt bis zu 10 Grad wärmer ausfallen, was sich auch auf die Lebensqualität der Kölner auswirkt: "Der Klimawandel und die Hitze sind ein Problem der großen Städte und dicht besiedelten Flächen", sagt Antje Kruse vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV).

Laut ihr sind diese Folgen den Klimawandels ein ernst zu nehmendes Problem, das in den folgenden Jahren noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. "Die Sommer werden voraussichtlich noch heißer." Wie Kruse weiter erklärt, werden die Menschen lernen müssen, mit den steigenden Temperaturen umzugehen: "Das Klimasystem ist träge, deswegen muss man frühzeitig eingreifen – die Effekte zeigen sich dann erst später."

Klimakrise in Köln: Was kann der Mensch gegen Hitze und andere Auswirkungen tun?

Daher, meint Kruse, müsse man sich an den Klimawandel anpassen: "Er hört nicht von heute auf morgen auf." Dennoch gebe es ein paar Dinge, die man tun könnte – und sollte – um den Klimawandel und seine Folgen abzumildern. In der Stadt selbst müsse man etwa dafür sorgen, sagt die Expertin, dass es genug Grünflächen gibt, die Wasser aufnehmen können. In Regenphasen speichern die Parks und Gärten der Stadt das Wasser und geben es in trockenen Phasen wieder an die Luft ab.

Decksteiner Weiher: Der Kölner Grüngürtel ist groß – doch die versiegelten Flächen in der Innenstadt sind das eigentliche Problem. (Quelle: imago images/Future Image)Decksteiner Weiher: Der Kölner Grüngürtel ist groß – doch die versiegelten Flächen in der Innenstadt sind das eigentliche Problem. (Quelle: Future Image/imago images)

Mehr Wasser in der Fläche bedeute außerdem, erklärt Nabu-Pressesprecher Holger Sticht, dass mehr CO2-Senken entstehen. Denn in Feuchtgebieten sammle sich Kohlendioxid und werde gebunden. Zusätzlich sorgten nasse Biotope für mehr Artenvielfalt.

Hitzepole wie Parkplätze müssten zudem entsiegelt werden, ergänzt Antje Kruse, damit Regenwasser nicht einfach auf dem Asphalt verdampft, sondern in die Bodenschichten einsickern kann. Es dürften jetzt vor allem keine neuen Flächen versiegelt werden, fordert Holger Sticht: "Wir müssen dringend den Flächenverbrauch auf null bringen." Der Flächenverbrauch sei ein Faktor für die Überhitzung in Köln. Daher plädiert Sticht für mehr Geschosswohnungsbau, denn mit Einfamilienhäusern schaffe man keinen Wohnraum, so seine Überzeugung.

"Autos müssen raus aus der Stadt"

Flächen zu entsiegeln bedeutet also weniger Parkplätze – aber wohin dann mit den vielen Autos der Kölnerinnen und Kölner? Wenn es nach Antje Kruse ginge, hätte sich die Parkplatzsuche ohnehin bald erledigt – denn das Autofahren stelle weiterhin eine Gefahr für das Klima dar, auch wenn das viele Leute nicht hören wollten: "Autos müssen raus aus der Stadt", meint Kruse. Gäbe es weniger Autos, würden weniger Emissionen ausgestoßen und gleichzeitig gäbe es mehr Platz für klimafreundliches Grün im Stadtbild.

Autoverkehr zur Stoßzeit in der Kölner Innenstadt: Geht es nach Antje Kruse vom LANUV müssten Innenstädte gänzlich anders aussehen, um im Kampf gegen die Klimakrise zu bestehen. (Quelle: imago images/Future Image)Autoverkehr zur Stoßzeit in der Kölner Innenstadt: Geht es nach Antje Kruse vom LANUV müssten Innenstädte gänzlich anders aussehen, um im Kampf gegen die Klimakrise zu bestehen. (Quelle: Future Image/imago images)

Im Umkehrschluss aber müssten die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver gemacht werden: Die Fahrpläne der KVB müssten enger getaktet werden, die Menschen auch nachts von A nach B kommen. Außerdem müssten die Preise sinken. Ein Kurzstreckenticket etwa kostet derzeit 2 Euro – damit lassen sich vier Stationen fahren. Ein Liter Benzin kostet nicht nur weniger, sondern bringt den Fahrer auch weiter als vier Bahn- oder Busstationen. Da fahren viele lieber selbst, als sich in überfüllte Bahnen zu drängen und auch noch tiefer in die Tasche zu greifen.

Die Klimakrise muss auch beim Hausbau bedacht werden

Beim Hausbau sollte auf helle Materialen gesetzt werden, erklärt Antje Kruse weiter. Diese reflektierten nämlich Wärme, während dunkle Werkstoffe wie Beton und Asphalt Hitze speicherten und sie nachts wieder absonderten. Auch das trage zu den beschriebenen Tropennächten bei. Kurzum würden die städtebaulichen Veränderungen nicht nur dem Klimawandel entgegenwirken, sondern auch die Lebensqualität in Köln verbessern: Mehr Grün, helle Farben statt Grau in Grau und mehr Platz für die Menschen.

Nicht nur durch die Wahl der Baumaterialien, auch mithilfe des eigenen Gartens können Grundstücksbesitzer Köln hitzestabiler machen. Wer sein Grundstück beispielsweise in der Nähe eines Baches wie dem Merheimer Flehbach hat, sollte sich nicht länger gegen seine Renaturierung wehren und den eigenen Garten als Überschwemmungsfläche hergeben, findet Prof. Karl Schneider vom geologischen Institut der Universität Köln.

"Wenn man an der Natur leben will, muss man auch mit der Natur leben!" Die Bürger könnten nicht immer nur sagen, dass es "die da oben" richten müssen, meint er. Man müsse selbst auch bei der Erhaltung einer lebenswerten Stadt mitwirken.

Ein weiterer nützlicher Tipp zur Klimaanpassung im Garten sei ein humusreicher Boden, der viel Wasser speichert. Zum Bewässern des Gartens solle man möglichst Regenwasser nutzen und ein hügelig angelegter Garten könne helfen, die Feuchtigkeit länger im Garten zu halten. In den tiefer liegenden, windgeschützten Bereichen verdunste das Wasser nämlich langsamer. Antje Kruse plädiert außerdem für begrünte Hinterhöfe und Hausfassaden. Solche Verdunstungsflächen seien für Hausbesitzer leicht zu schaffen und tragen direkt zur Abkühlung der Stadt bei.

Mehr Bürgerengagement gegen Klimawandel

Um solche Maßnahmen umsetzen zu können, brauche es aber auch die junge Generation, sagt Karl Schneider. "Schüler sind die Akteure der gesellschaftlichen Veränderung", sagt der Wissenschaftler, "der Wille, an den Verhältnissen etwas zu verändern, ist da." Fridays for Future habe das besonders deutlich gemacht. Darum setzt er sich mit mehreren Projekten dafür ein, dass Kinder schon in der Schule die Auswirkungen des Klimawandels experimentell begreifen.

Demonstrierende beim Klimastreik in Köln: Die junge Bewegung ist nach Ansicht von Karl Schneider vom geologischen Institut der Uni Köln wichtig für den nötigen gesellschaftlichen Wandel. (Quelle: Future Image)Demonstrierende beim Klimastreik in Köln: Die junge Bewegung ist nach Ansicht von Karl Schneider vom geologischen Institut der Uni Köln wichtig für den nötigen gesellschaftlichen Wandel. (Quelle: Future Image)

Das "Cool City Lab" etwa gibt Lehrkräften Experimente an die Hand, mit denen sie beispielsweise zeigen können, wie sich ein begrüntes Dach im Vergleich zu einem konventionellen Dach verhält. Andere Projekte wie "Leap" (Lern-, Erlebnis- und Aktiv-Pfade) setzen darauf, Bürger zu motivieren, den Klimawandel in Köln selbst zu erfahren. Mehrere Routen führen Stadtspaziergänger mittels einer App an verschiedenen Orten in Köln vorbei, Texte erläutern die dortigen klimatischen Bedingungen.

Mithilfe weiterer Apps kann man sogar selbst Untersuchungen an den Wegpunkten vornehmen, wie zum Beispiel die Güte eines Gewässers bestimmen. Das Programm und die Apps helfen dabei, das Klima punktgenau aufzuzeichnen und zu sehen, was man wo gegen den Anstieg der Temperaturen tun kann.

Verwendete Quellen:

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