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Niklas Stark im Interview : Debüt für die DFB-Elf? "Das wäre sensationell"

INTERVIEWNiklas Stark  

Debüt für die Nationalmannschaft? "Das wäre sensationell"

Von Benjamin Zurmühl

12.07.2019, 07:35 Uhr
Niklas Stark im Interview : Debüt für die DFB-Elf? "Das wäre sensationell". Wartet noch auf sein erstes Länderspiel: Niklas Stark. (Quelle: imago images/Bernd König)

Wartet noch auf sein erstes Länderspiel: Niklas Stark. (Quelle: Bernd König/imago images)

Niklas Stark ist eins der neuen Gesichter beim DFB. Er profitiert vom Umbruch, dem Größen wie Hummels und Boateng zum Opfer fielen. Und er hat klare Ziele.

Vor einem Jahr war Niklas Stark "nur" Stammspieler bei Hertha BSC und unter dem damaligen Trainer Pal Dardai ein Führungsspieler. Nach der guten Hinrunde war er plötzlich noch mehr: ein Geheimtipp für einen Platz in der Nationalmannschaft.

Der 1,90m große Innenverteidiger hatte sich durch seine starken Leistungen in den Fokus gespielt. Im März kam die erste Einladung von Bundestrainer Joachim Löw, im Mai folgte die zweite Nominierung. Nur ein Einsatz im DFB-Trikot fehlt – noch. Im Interview mit t-online.de spricht der 24-Jährige über seine Zukunft im Nationalteam, die kommende Saison mit Hertha und erklärt, was er sich von Manuel Neuer abschaut.

t-online.de: Herr Stark, Sie haben ein bewegtes Halbjahr hinter sich. Mit Hertha verloren Sie in der Rückrunde mal wieder den Anschluss ans internationale Geschäft, zogen sich eine Verletzung zu, wurden aber auch zum ersten Mal für die A-Nationalmannschaft nominiert.

Niklas Stark: Die Nationalmannschaft war ein absolutes Highlight, ohne Frage. Die Verletzung kam mir zwischendurch leider in die Quere, sodass ich dem Team in der Endphase der Saison nicht mehr helfen konnte. Aber diese Rückrunden sind tatsächlich ein Thema bei uns. Das geht schon seit ein paar Jahren so und keiner weiß so richtig, warum eigentlich. Höchste Zeit, es zu ändern.

Sie haben sich im April verletzt, konnten kein Ligaspiel mehr machen. Hatten Sie Angst davor, Ihren Platz im DFB-Kader zu verlieren?

Ich hatte in dieser Zeit mit dem Bundestrainer regelmäßig Kontakt und ihn immer wieder darüber informiert, wie es bei mir aussieht. Wir haben uns zwischendurch auch mal zum Mittagessen getroffen und da habe ich ihm mitgeteilt, dass ich davon ausgehe, rechtzeitig fit zu sein. Er hat mir dann zugesichert, dass er mich mitnimmt. Das hat mir Motivation und Kraft gegeben. Ich durfte bei den Spielen gegen Weißrussland und Estland leider nicht spielen. Da war ich schon enttäuscht, das ist ja klar. Aber es war trotzdem eine geile Zeit und es kommen ja noch mehr Spiele, in denen ich spielen kann.

Wie plant der Bundestrainer mit Ihnen?

Mir wurde gesagt, dass vor allem mit Blick auf die Zukunft fest mit mir geplant wird. Aktuell sind noch ein paar Spieler vor mir, aber das ist für mich nur doppelte Motivation.

Niklas Stark (r.) im Zweikampf mit Timo Werner. (Quelle: imago images/Sven Simon)Niklas Stark (r.) im Zweikampf mit Timo Werner. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Machen Sie sich Hoffnung auf die EM im nächsten Jahr?

Wenn man in der Quali dabei ist, will man natürlich auch dann dabei sein, wofür man sich qualifiziert. Wir haben jetzt aber noch eine ganze Saison vor uns, in der viel passieren kann.
  

Diese Nominierungen und Ihre Leistungen im letzten Jahr wecken auch Begehrlichkeiten bei anderen Klubs. Wie gehen Sie damit um?

Viel davon geht an mir vorbei. Das meiste schicken mir Freunde auf dem Handy zu (lacht). Ich lese nicht mehr so viel über mich. Damit habe ich aufgehört. Aber es ist natürlich toll, mit manchen Vereinen in Verbindung gebracht zu werden. Das macht mich stolz. Aber solange an den Gerüchten nichts Ernstes dran ist, ist das ja auch egal.

Planen Sie aber, in der kommenden Saison für Hertha zu spielen?

Im Fußball kann es immer schnell gehen. Aktuell plane ich natürlich mit Hertha, ich bin ja mit dem Verein in der Vorbereitung. Wir arbeiten sehr hart an Taktiken und Systemen und an vielen Details. Darauf fokussiere ich mich und denke nicht daran, wegzugehen.

Niklas Stark beim Testspiel gegen Eintracht Braunschweig in der Saisonvorbereitung von Hertha BSC. (Quelle: imago images/Contrast)Niklas Stark beim Testspiel gegen Eintracht Braunschweig in der Saisonvorbereitung von Hertha BSC. (Quelle: Contrast/imago images)

Würde Sie eher das Inland oder das Ausland reizen?

Ich beschäftige mich immer erst dann mit Dingen, wenn sie auch aktuell sind.

Ihr Trainer Ante Covic plant jedenfalls fest mit Ihnen, hat für Sie eine feste Rolle im Team. Auch als Führungsspieler werden Sie immer wichtiger.

Der Trainer will, dass ich viel Verantwortung übernehme. Das ist ein Anreiz für mich und das ist auch mein eigener Anspruch. Ich muss noch mehr sprechen und Anweisungen geben, auf und neben dem Platz. Wir sollten alle mehr Verantwortung übernehmen, aber ich gehe gerne mit voran.

Ist da Ihre Position als Innenverteidiger ein Vorteil? Sie haben schließlich fast das ganze Spielfeld vor sich.

Klar, der Innenverteidiger hat immer eine gewisse Führungsrolle. Er sieht das ganze Spiel vor sich. Wenn der nicht redet, wer soll es sonst tun? Den Torwart von ganz hinten hört ja keiner im Stadion, den Trainer von außen auch nur schwer. Es liegt vor allem an uns Innenverteidigern und Sechsern, da immer ein paar Takte zu sagen.

Neben Kapitän Vedad Ibisevic (l.) zählt Niklas Stark zu den Führungsspielern bei Hertha BSC. (Quelle: imago images/Metodi Popow)Neben Kapitän Vedad Ibisevic (l.) zählt Niklas Stark zu den Führungsspielern bei Hertha BSC. (Quelle: Metodi Popow/imago images)

Wie wichtig ist Ihnen eine Kapitänsbinde am Arm?

Im Endeffekt ist mir das wurscht. Das ist ein Zeichen nach außen, aber sonst macht das für mich keinen Unterschied.

Während Sie bei Hertha zu den Führungsspielern zählen, die schon ein paar Jahre da sind, zählen Sie beim DFB zu den Neuen. Schauen Sie sich da etwas von den erfahrenen Spielern ab?

Ich versuche schon in Sachen Führungsrolle dort von dem ein oder anderen etwas mitzunehmen. Es ist interessant zu sehen, wie beispielsweise Manuel Neuer tickt und das Team anführt. Ich will aber auch in Sachen Einstellung und spielerischer Qualität weiter dazulernen. Die Einstellung vieler Spieler dort ist wirklich beeindruckend. Wenn da der erste Ball nach vorne geht, preschen die mit einem unglaublichen Tempo nach vorne. Das sind Dinge, die ich nicht nur aufnehme, sondern auch hier bei Hertha anspreche. Gerade mit Ante zusammen spreche und diskutiere ich darüber. Er ist sehr offen dafür und in den meisten Aspekten sind wir uns auch einig.

Wie geht denn Ante Covic mit Ihnen und der Mannschaft um?

Er spricht sehr viel mit uns und ist sehr detailverliebt. Er hat einen eindeutigen Plan, will genaue Abstände und klare Positionen. Wir Spieler müssen diesen Perfektionismus in unseren Kopf bekommen, um das Optimale herauszuholen. In der Bundesliga hast du nicht viel Platz und wenn du richtig stehst, hast du zum Beispiel eben einen entscheidenden Meter mehr und kannst ganz andere Dinge umsetzen. Das versucht er uns zu vermitteln, was ich sehr gut finde.

Setzt bei Hertha auf ein offensives Spielsystem: Der neue Cheftrainer Ante Covic. (Quelle: imago images/Contrast)Setzt bei Hertha auf ein offensives Spielsystem: Der neue Cheftrainer Ante Covic. (Quelle: Contrast/imago images)

Ante Covic setzt auf einen offensiven Spielstil, legt mehr Wert auf Ballbesitz als es zuvor Pal Dardai getan hat. Hilft Ihnen das im Hinblick auf die Nationalmannschaft, wo die Taktik auch auf das Spiel mit dem Ball ausgelegt ist?

Es macht generell einfach immer mehr Spaß, wenn du den Ball hast. Das steigert das Selbstbewusstsein. Man traut sich mehr Dinge und der Fußball bringt mehr Freude. Einen schönen Spielaufbau einzuleiten oder auch mal nach vorne zu gehen ist auch für mich als Verteidiger schöner, als den Ball nur hin und herzuschieben und hier und da einen Zweikampf zu führen. Aber das war auch unter Pal nicht verboten.

Was planen Sie denn für sich persönlich in der kommenden Saison?

Ich denke nicht so weit in die Ferne, aber ich möchte gerne mein Debüt für den DFB geben, das wäre sensationell. Die EM ist sicher auch ein Ziel von mir. Es wäre ein Traum, da im Kader zu sein. Aber dafür muss die Leistung dauerhaft stimmen. Das ist die Voraussetzung. Mit Hertha wollen wir uns natürlich auch verbessern, aber da sollten wir erst mal als Mannschaft klar formulieren, was wir wollen. Es hilft nichts, wenn Einzelne dann irgendwelche Ziele kommunizieren.

Für Hertha ist aber in der kommenden Saison rein finanziell mehr möglich. Aufgrund eines Investorendeals hat Ihr Verein weitaus mehr Geld zur Verfügung als noch vor einem Jahr. Wie haben Sie davon erfahren?

Es war eine Push-Mitteilung der Hertha BSC App auf dem Smartphone (lacht). Ich freue mich darüber, dass wir ein größeres Budget haben, um weiterzudenken. Der Fußball entwickelt sich immer weiter, da müssen wir mitziehen.

Die Fans sind gespalten. Viele freuen sich über den Deal, viele aber auch nicht. Können Sie die Kritiker verstehen?

Im modernen Fußball braucht man Geld, um in der Bundesliga konkurrenzfähig zu bleiben. Deswegen brauchen wir diese Investoren, die an uns glauben und die uns auf diesem Level halten oder sogar uns auf ein neues Level heben. Das ist heutzutage einfach unabdinglich. Wenn wir auf der Stelle tapsen und die anderen an uns vorbeiziehen, ist ja auch keiner glücklich. Aber ohne dieses Geld könnten wir zum Beispiel Publikumslieblinge wie Kalou nicht unbedingt halten. Und das würde den Fans sicher auch nicht gefallen.

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