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Bundesliga – Nils Petersen: Premier League? "Da schaue ich lieber zweite Liga"

INTERVIEWNils Petersen  

Premier League? "Da schaue ich lieber zweite Liga"

Ein Interview von Noah Platschko

16.08.2019, 11:53 Uhr
Bundesliga – Nils Petersen: Premier League? "Da schaue ich lieber zweite Liga". Nils Petersen will auch diese Saison wieder zweistellig für Freiburg treffen.  (Quelle: imago images/eu-images)

Nils Petersen will auch diese Saison wieder zweistellig für Freiburg treffen. (Quelle: eu-images/imago images)

Seit Januar 2015 spielt Nils Petersen beim SC Freiburg, stieg mit den Breisgauern ab und wieder auf. Im Interview spricht der 30-Jährige über seine Saisonziele, Clemens Tönnies, Fußball in England und Stürmerkollege Luca Waldschmidt.

386 Profi-Spiele, 164 Tore: Nils Petersen ist das, was man einen klassischen Torjäger nennt. Besonders in schwierigen Phasen kann sich der SC Freiburg auf den zweimaligen deutschen Nationalspieler verlassen. Mittlerweile geht er in seine sechste Saison beim SC.

t-online.de: Herr Petersen, Sie sind jemand, der Dinge klar anspricht. Was haben Sie gedacht, als Ihnen die jüngsten Aussagen von Clemens Tönnies zu Ohren kamen?

Nils Petersen: Es war klar, dass jeder darauf anspringt. Solche Aussagen sind auch ein gefundenes Fressen für die Medien. Ich kann mit dem Inhalt der Äußerungen null anfangen, glaube aber, dass aufgrund der Aussagen eines Einzelnen keine generelle Rassismus-Debatte in Deutschland losgetreten werden sollte. 

Gibt es in Deutschland also kein Problem mit strukturellem Rassismus?

Eigentlich sollten wir das längst hinter uns gelassen haben. Wenn dann Einzelne rassistische Aussagen tätigen, ist das natürlich nicht tragbar, aber das auf die Gesamtheit in Deutschland zurückzuführen, fände ich zu hart. Die Einzelnen sollen für ihre rassistischen Aussagen zur Verantwortung gezogen werden. Aber ich weiß nicht, ob es das Richtige ist, um daraus eine generelle Debatte zu machen. In meinen Augen sind wir in Deutschland gut aufgestellt. Wir sind für jede Kultur ein guter Gastgeber.

Der Deutsch-Grieche José Holebas, der aktuell in England Fußball spielt, sagte jüngst, "So, wie ich das mitbekomme, will einfach keiner mehr nach Deutschland". Da bezog er sich allerdings allein auf die Bundesliga.

Ich weiß nicht, ob er in Deutschland große Erfolge gefeiert hat. Wenn man in der Bundesliga spielt und mitkriegt, was hier los ist, sehne ich mich nicht danach, in England Fußball zu spielen. Ich muss nicht nach Huddersfield oder zu Crystal Palace wechseln, das macht mich nicht heißer als Duelle gegen Augsburg, Mainz oder eben Freiburg.

Finden Sie die Premier League also nicht so reizvoll?

Es ist klar, dass Holebas die Liga, in der er spielt, ins Rampenlicht rückt und sagt: „Das ist die geilste Liga der Welt“.  Das wollen deine eigenen Fans auch hören. Aber wenn ich jetzt sehe, dass Sky wieder die Premier League zeigt, lechze ich dem nicht hinterher. Da gucke ich lieber zweite Liga.

Hat der Fußball hierzulande in den vergangenen Jahren nicht an Attraktivität eingebüßt?

Noch vor sechs Jahren standen zwei deutsche Teams im Finale der Champions League. Ich denke nicht, dass die Liga grundsätzlich an Attraktivität verliert. Nur weil man in England viel Geld verdient heißt es dann, es sei nicht mehr attraktiv, in der Bundesliga zu spielen.

Nils Petersen (l.) spielte von 2011 bis 2012 zusammen mit Mario Gomez (re.) beim FC Bayern.  (Quelle: imago images/Ulmer)Nils Petersen (l.) spielte von 2011 bis 2012 zusammen mit Mario Gomez (re.) beim FC Bayern. (Quelle: Ulmer/imago images)

Wenn ich die Transfersummen in England aber sehe, wird mir schlecht. Finanziell hat die Premier League zuletzt gut investiert und vergangenes Jahr international Erfolge gefeiert. Aber ob das langfristig so bleibt, muss man abwarten.

Der SC Freiburg geht nach dem bitteren Abstieg 2015 in das vierte Jahr Bundesliga in Folge. Was hat sich in den vergangenen vier Spielzeiten geändert?

Gar nicht so viel. Die Achse der Mannschaft ist bestehen geblieben. Das ist auch das Besondere an Freiburg, dass die Fluktuation nicht allzu groß ist. Wir sind langfristig gut aufgestellt.

Bald kommt aber eine große Veränderung: Spätestens zur Spielzeit 20/21 zieht der SC Freiburg ins neue Stadion …

Da freuen wir uns auch alle drauf. Freiburg ist ein beständiger Bundesligist, wir laufen immer so ein bisschen unterm Radar. Aber hier sind die richtigen Leute am Ruder, die in den vergangenen Jahren richtige Entscheidungen getroffen haben. Wir sind ein sehr attraktiver, aber eben auch ein langsam wachsendender Verein. Andere Vereine wollen zu schnell wachsen – und scheitern dann.

An welche Vereine denken Sie da?

Wenn man beispielsweise sieht, was bei Uerdingen in der dritten Liga los ist, muss man eigentlich staunen, dass man von diesem Verein nicht überholt wurde und vermutlich auch nicht allzu bald überholt wird.

Zurück zum Sportclub. Neue Arena bedeutet auch: Adieu, Schwarzwaldstadion. Die hitzige Atmosphäre könnte verloren gehen …

Wir kennen die Statistiken und wissen, dass wir derzeit eine unfassbare Heimstärke haben. Wir leben auch davon, dass die Teams ungern nach Freiburg kommen. Auch am neuen Standort müssen wir es dann eben hinbekommen, jeden Zentimeter zu kennen und eine besondere Stimmung zu entwickeln.

Ihr Verein gehört nach wie vor zu den Kleinen, jedes Jahr ist der Klassenerhalt das Ziel. Ist das für Sie nicht auch irgendwann ermüdend?

Nein. Es ist immer wieder aufs Neue die schönste Bestätigung, über dem Strich zu stehen. Dazu haben wir es immer wieder geschafft, Teams wie Schalke, Hamburg oder Stuttgart hinter uns zu lassen, die finanziell besser aufgestellt sind als wir.


Für uns ist es das größte Kompliment, dass wir individuelle Klasse mit unserer Mannschaftsstärke besiegen konnten.  Es macht jedes Jahr Spaß, als Absteiger gehandelt zu werden und dann die Leute eines Besseren zu belehren.

Ein Spieler, der in letzter Zeit für viel Furore sorgte, ist ihr Team- und Stürmerkollege Luca Waldschmidt. Was müssen Sie tun, damit er nächstes Jahr nicht - so wie Sie damals - zum FC Bayern wechselt?

Unabhängig davon, ob die Bayern Interesse haben: Einen Wechsel zu einem Champions-League-Klub könnte man ihm nicht übelnehmen. Es ist auch unsere Aufgabe, Spieler wie Luca zu finden, nach Freiburg zu lotsen und irgendwann dann wieder für gutes Geld zu verkaufen.

Bei der U21-EM 2019 im Sommer war er einer der besten Spieler.

Lucas Entwicklung in den letzten Wochen zeigt, wie viel der Klub richtig gemacht hat. Ich selbst bin gespannt, wie weit die Entwicklung bei ihm noch geht und hoffe, dass er gesund bleibt und uns diese Saison weiterhilft.

Luca Waldschmidt erzielte beim 1:0-Auswärtssieg nach Verlängerung im DFB-Pokal gegen Magdeburg das Tor des Tages.  (Quelle: imago images/Jan Huebner)Luca Waldschmidt erzielte beim 1:0-Auswärtssieg nach Verlängerung im DFB-Pokal gegen Magdeburg das Tor des Tages. (Quelle: Jan Huebner/imago images)

So oder so: Entweder er schießt einen Haufen Tore und bringt uns ganz viel Geld - oder er schießt nicht so viele und bleibt dann hier. Wir können dabei gar nicht verlieren.

Würden Sie ihm denn zu einem Wechsel zum FC Bayern raten?

Luca ist so ein intelligenter Junge, der selbst weiß, was für ihn das Richtige ist. Er kam nach Freiburg, weil er wusste, dass hier ein Trainer ist, der ihn entwickeln kann. Ich als Mitspieler hoffe natürlich, dass er bleibt. Als Fußballfan wünsche ich mir aber auch, dass er Nationalspieler wird und einen Riesen-Weg geht.

Zum Abschluss: Wann ist die Saison für Sie und den SC Freiburg eine gute?

Wenn wir drei Mannschaften hinter uns lassen, ist das Ziel erreicht. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre ein Traum, aber das ist ein Bonus. Ich persönlich habe Bock, zweistellig zu treffen. Das habe ich in den letzten Jahren ganz gut geschafft. Wäre schön, wenn ich das auch in dieser Spielzeit bestätigen könnte.

 

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