MEINUNGKnapper Bayern-Sieg im DFB-Pokal

Kovac ist respektlos gegenüber seinen Spielern

Ein Kommentar von Constantin Eckner

30.10.2019, 15:59 Uhr

Bayern-Trainer Niko Kovac im Gespräch mit Thomas Müller: Der Rekordmeister hat aktuell offensichtliche Probleme. (Quelle: imago images)

Der FC Bayern duselt sich mit einem knappen Sieg in Bochum ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Nach dem Spiel kritisiert Trainer Niko Kovac die Einstellung seiner Spieler. Damit macht er es sich viel zu leicht.

Nach einem weiteren mageren Auftritt – dieses Mal gegen den Zweitligisten VfL Bochum – attackiert Bayern Münchens Cheftrainer Niko Kovac seine Spieler und wirft ihnen mangelnde Einstellung vor (sehen Sie dazu den Auszug aus der Pressekonferenz nach dem Spiel im Video oben). Kurz zuvor beschwerte sich der 47-Jährige bereits über den fehlenden Respekt vor Trainern. Dabei fehlt in erster Linie doch ihm selbst der Respekt vor seinen Spielern, denn sein taktisches System macht den Fußball der Bayern unnötig eindimensional.

"Dass wir so viele Fehlpässe spielen hat meiner Meinung nach ganz klar irgendetwas mit der Einstellung zu tun", sagte Kovac nach dem 2:1-Sieg in Bochum. Die schlechte Leistung hätte "nichts mit Taktik zu tun". Und genau das ist der Fehler des Bayern-Trainers.

FC Bayern: Was diese ehemaligen Stars heute machen

t-online.de hat sich 20 ehemalige Spieler des deutschen Rekordmeisters herausgesucht und aufgeschrieben, was sie heute machen. Tobias Rau beispielsweise, 2003 bis 2005 im Verein, unterrichtet heute in der Nähe von Bielefeld an einer Gesamtschule Biologie und Sport. (Quelle: Bernd König/imago images)

Thomas Helmer (1992–1999): Jahrelang eine Bank in der Defensive des FC Bayern. Heute moderiert der Europameister von 1996 die Sport1-Kultsendung "Doppelpass". (Quelle: Lackovic/imago images)

(Quelle: Ulmer/Cremer/imago images)

Roy Makaay (2003–2007): Der Stürmer schoss in seinen vier Jahren beim FC Bayern stolze 63 Tore für den Klub. Heute ist der Niederländer Fußballtrainer, betreut allerdings zurzeit keinen Verein. (Quelle: MIS/imago images)

Paolo Sergio (rechts, 1999–2002): Nach seiner Karriere als Fußballer gründete der gläubige Brasilianer eine Kirche in Sao Paolo. (Quelle: Cremer/imago images)

Marcell Jansen (2007–2008): Der 45-fache deutsche Nationalspieler beendete schon mit 29 Jahren seine aktive Fußballerkarriere. Heute ist er Präsident des Hamburger SV. (Quelle: MIS/imago images)

Oliver Kahn (1994–2008): Der "Titan" ist Gründer des Unternehmens Goalplay, welches Fußballtalente fördert. Zusätzlich ist Kahn Markenbotschafter für Wettanbieter Tipico. Außerdem rückte Kahn zum 1. Januar 2020 in den Vorstand des FC Bayern München. (Quelle: Camera 4/imago images)

Alexander Zickler (1993–2005): Zusammen mit Cheftrainer Marco Rose wechselte Zickler im Sommer zu Borussia Mönchengladbach. Dort ist er Co-Trainer und setzt ein Hauptaugenmerk auf die Offensive. (Quelle: Bernd König/imago images)

Carsten Jancker (1996–2002): Der ehemalige Stürmer ist heute Fußballtrainer in der österreichischen Regionalliga-Ost beim FC Mannsdorf-Großenzersdorf. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Klaus Augenthaler (1976–1991): Der ehemalige Abwehrspieler hat heute zwei Trainerjobs bei den Bayern. Neben seiner Tätigkeit als Nachwuchstrainer für internationale Programme des FC Bayern ist er Coach der Legenden-Mannschaft. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Giovane Elber (1997–2003): Der Ex-Stürmer besitzt in seiner Heimat Londrina in Brasilien mehrere Rinderfarmen und ein Unternehmen für Rinderfutter. Außerdem hilft er mit seiner Giovane-Elber-Stiftung Straßenkindern, tritt als TV-Experte im brasilianischen Fernsehen auf und ist Markenbotschafter des FC Bayern. (Quelle: Jaspersen/imago images)

Franz Beckenbauer (1964–1977): Der "Kaiser" ist heute Rentner. (Quelle: WEREK/imago images)

Bastian Schweinsteiger (2002–2015): Schweinsteiger kam aus der Jugend des FC Bayern und war über Jahre hinweg eines der Aushängeschilder des Rekordmeisters. Inzwischen ist er TV-Experte für die ARD. (Quelle: Bernd König/imago images)

Mehmet Scholl (1992–2007): Der ehemalige Nationalspieler ist heute Sportkommentator und -moderator sowie als Markenbotschafter für den Automobilhersteller Dacia aktiv. (Quelle: Contrast/imago images)

Stefan Effenberg (1990–1992, 1998–2002): "Effe" war bis zuletzt Manager beim Drittligisten KFC Uerdingen. Und er ist Kolumnist bei t-online.de. (Quelle: Uwe Kraft/imago images)

Bixente Lizarazu (1997–2004, 2005–2006): Der Franzose ist Co-Moderator des größten privaten französischen Fernsehsenders TF1. Außerdem ist er Markenbotschafter des FC Bayern München und repräsentiert den Verein im Ausland. (Quelle: ActionPictures/imago images)

Philipp Lahm (2005–2017): Der ehemalige Kapitän gründete die Philipp Lahm-Stiftung für benachteiligte Jugendliche. Zudem ist er Botschafter des DFB für die EM 2024. (Quelle: Christian Schroedter/imago images)

Miroslav Klose (2007–2011): Der Stürmer, der für den FC Bayern 53 Pflichtspieltore geschossen hat, ist heute Co-Trainer der Profimannschaft des deutschen Rekordmeisters. (Quelle: Eisenhuth/imago images)

Luca Toni (2007–2010): In 60 Einsätzen traf Toni 38 Mal für die Bayern. Seit 2017 besitzt er die offizielle Fußballtrainer-Lizenz, ist aber momentan vereinslos. (Quelle: MIS/imago images)

Lothar Matthäus (1984–1988, 1992–2000): Mittlerweile ist Matthäus, der einige Zeit auch Fußballtrainer war, TV-Experte für den Privatsender Sky. (Quelle: DKA/imago images)

Das Kovac-System macht es den Spielern schwer

Gewiss hinkt der eine oder andere Spieler seiner absoluten Top-Form hinterher, aber Kovac hat ein System kreiert, in dem jeder Pass zum Risikopass werden kann, in dem wenig Absicherung vorhanden ist und in dem keinerlei Kreativität gefragt scheint. Die Spielgestaltung der Bayern bei eigenem Ballbesitz läuft nach dem immer gleichen Schema: Nach einigen Pässen zwischen den Abwehr- und zentralen Mittelfeldspielern geht der Ball auf die Außenbahn. Von dort erfolgt dann der Chipball in die Mitte oder nach einem Dribbling direkt die Flanke in den Strafraum.

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Diese Spielzüge sind mittlerweile derart ausrechenbar, dass selbst ein haushoch unterlegener Zweitligist wie Bochum die Passwege zustellen oder die Passempfänger attackieren konnte. Den Bayern fehlt jegliches Überraschungsmoment, weshalb die Pässe ständig unter Druck gespielt werden müssen. Und dann passiert natürlich auch manch individuell herausragendem Münchner ein Fehler. 

Bayern hat ein Kreativloch

Grundproblem ist und bleibt, dass die Spielfeldmitte nicht optimal besetzt wird. Und auch wenn Taktik laut den Aussagen von Kovac keine große Rolle am "Fehlpassfestival" der Bayern hatte, so versuchte er gegen Bochum gerade mit taktischen Änderungen die Wende im Spiel herbeizuführen. Beim Stand von 0:1 stellte er nämlich von 4-2-3-1 auf 4-1-4-1 um. Er brachte die offensiveren Thomas Müller und Philippe Coutinho für Corentin Tolisso und Leon Goretzka und wollte, dass Müller sowie Coutinho die vorderen Zonen besser besetzen.

Das führte zum altbekannten Problem aus den letzten Bundesliga-Partien, als der Abstand zwischen Abwehr und Offensive derart hoch war, dass die Angriffe wieder zum größten Teil über die Flügel erfolgten und sich Gegner darauf einstellen konnten.

Grafik: Das sind die durchschnittlichen Positionen der Bayern-Spieler im aktuellen System. Der Abstand zwischen dem Sechser – in diesem Fall Thiago – und seinen Vordermännern ist um einiges zu groß.Grafik: Das sind die durchschnittlichen Positionen der Bayern-Spieler im aktuellen System. Der Abstand zwischen dem Sechser – in diesem Fall Thiago – und seinen Vordermännern ist um einiges zu groß.

Gerade dieses strukturelle Loch im Zentrum verursacht auch ein kreatives Loch. Abgesehen von Thiago und vielleicht noch Joshua Kimmich übernehmen wenige Bayern-Spieler Verantwortung für den Spielaufbau. Viele wirken allzu austauschbar – gerade im Mittelfeld, wo es ohnehin häufig schlecht aussieht. Allenfalls Robert Lewandowski sticht aus der Masse heraus, weil er aktuell den offensiven Spielmacher geben muss, wie die Vorbereitung zum Ausgleichstreffer gegen Bochum einmal mehr verdeutlichte.

Der Tenor der Bayern am gestrigen Abend war eindeutig. "Das heute Abend kann man nicht analysieren", meinte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. In eine ähnliche Richtung argumentierten auch Manuel Neuer und Thomas Müller.


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Doch genau jetzt braucht es die Analyse. Kovac macht es sich zu leicht, wenn er die Fehler nur bei seinen Spielern sucht. Die großen Probleme des FC Bayern liegen nicht bei ein paar schludrig gespielten Pässen, sondern sind struktureller Natur. Kovac hat ein taktisches System etabliert, dass seine Spieler schlechter macht, als sie in Wahrheit sind.

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