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Schmähungen gegen Hopp: "Spielabbruch? Es gibt eine viel bessere Maßnahme"

PRO & KONTRASchmähungen gegen Hopp  

"Spielabbruch? Es gibt eine viel bessere Maßnahme"

Von Robert Hiersemann und Florian Wichert

02.03.2020, 11:04 Uhr
Schmähungen gegen Hopp: "Spielabbruch? Es gibt eine viel bessere Maßnahme". Schiedsrichter Christian Dingert unterbrach die Partie zwischen Hoffenheim und Bayern. (Quelle: imago images/Jan Huebner)

Schiedsrichter Christian Dingert unterbrach die Partie zwischen Hoffenheim und Bayern. (Quelle: Jan Huebner/imago images)

Die Partie zwischen Hoffenheim und Bayern stand wegen der Beleidigungen gegen TSG-Mäzen Hopp kurz vor dem Abbruch. Wäre das die richtige Maßnahme gegen Schmähungen? Der "Zweikampf der Woche" mit R. Hiersemann und F. Wichert.

Hass-Plakate in Sinsheim, Köln und Berlin, Schmähgesänge in Dortmund. Die wiederholten Anfeindungen gegen Dietmar Hopp, den 79 Jahre alten Mäzen der TSG Hoffenheim, haben am Samstag und Sonntag in der Fußball-Bundesliga für Bestürzung und Unverständnis gesorgt. "Wir haben diesbezüglich heute einen traurigen Höhepunkt erlebt", sagte DFL-Chef Christian Seifert. "Dafür gibt es keine Entschuldigung." Jegliche Art von Hass dürfe "keinen Platz" haben. Die Fankurven scheinen gespalten.

Die Bundesliga-Partie zwischen der TSG und dem FC Bayern musste wegen der Vorfälle unterbrochen werden. In Sinsheim nutzten die Hoffenheimer und Münchner Profis die verbleibende Spielzeit ab der 77. Minute für ein außergewöhnliches Zeichen: Nur noch symbolisch kickten sie den Ball hin und her.

"Ist das der Fußball, den wir wollen? NEIN!", twitterte Thomas Müller. "Gebt Hetzkampagnen, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und allen anderen Anfeindungen keine Chance. Aus Liebe zum Spiel! Für mehr Toleranz in unserer Gesellschaft", so der Bayern-Profi weiter. Am Samstagabend war auch beim Spiel der Kölner gegen Schalke 04 ein diffamierendes Plakat zu sehen, das den Wiederanpfiff nach der Halbzeit verzögerte. Ähnliches passierte am Sonntag bei der Partie zwischen Union Berlin und dem VfL Wolfsburg. Die Frage lautet: 

Ist ein Spielabbruch die richtige Maßnahme im Kampf gegen Schmähungen und Hass im Stadion?

Robert Hiersemann

Head of Fußball und Sport

Pro

Ja, der DFB muss endlich handeln und knallhart durchgreifen

Hass und Hetze haben in Deutschland nichts zu suchen – auch nicht in Bundesliga-Stadien. Und das, was aktuell mit Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp passiert, ist ein absolutes Unding. Und da spielt es auch keine Rolle, dass es den Ultras laut eigener Aussage um Aufmerksamkeit für das Thema Kollektivstrafen geht. Die Partie zwischen der TSG und dem FC Bayern am vergangenen Samstag wurde zweimal wegen der Hopp-Schmähungen unterbrochen, dann aber wieder angepfiffen. Ein Fehler!


Denn der DFB muss endlich handeln und knallhart durchgreifen. Ultras nutzen die Bühne Bundesliga, um mit ihren Aktionen Aufmerksamkeit zu bekommen, und das scheint ihnen teilweise wichtiger zu sein als die sportliche Leistung ihrer Mannschaft. Nur ein Komplettabbruch von Bundesliga-Partien kann diesem Denken entgegenwirken.


Denn man sieht doch, wie die Ballschieberei der Bayern-Profis diese unverbesserlichen Stadionbesucher erreicht: nämlich gar nicht. Am Tag nach dem Spiel in Hoffenheim stand die Partie zwischen Wolfsburg und Union wegen ähnlicher Plakate erneut kurz vor dem Abbruch.


Diese Partien werden nun als normale Bundesliga-Partien gewertet, weil zu Ende gespielt wurde. Es wäre besser gewesen, wenn die Spiele von offizieller Seite aus gar nicht mehr angepfiffen worden wären. Denn das sollte der neue Standard bei Hass und Hetze in der Bundesliga werden.

 

Florian Wichert

Stellvertretender Chefredakteur

Kontra

Nein, ein Spielabbruch trifft immer die Falschen

Erst sieben Spiele sind in der Bundesliga-Geschichte abgebrochen worden – vier aufgrund von Witterungsbedingungen, zwei aufgrund geworfener Gegenstände, eines aufgrund eines gebrochenen Torpfostens. Einen Spielabbruch wegen Schmähung gab es noch nie – und das muss auch so bleiben.


Ein Spielabbruch trifft die Falschen: Spieler, Vereine, friedliche Zuschauer. Alle gehen frustriert nach Hause. Die Folgen? Ein Wiederholungsspiel oder eine Wertung gegen den Verein, dessen Fans den Abbruch provoziert haben. Auch das trifft die Falschen. Am wenigsten leiden die Chaoten, die den Fußball missbrauchen, um ihren Hass loszuwerden.


Dabei muss es denen an den Kragen gehen – und das funktioniert nur, wenn Polizei und Vereine die Schuldigen identifizieren, strafrechtlich verfolgen und lebenslang aus dem Stadion verbannen.


Stadiondurchsage, Unterbrechung, Abbruch – das ist der aktuelle Drei-Stufen-Plan des DFB. Dabei gibt es eine bessere Maßnahme: sofort den Fanblock räumen lassen, aus dem Schmähungen kommen. Wenn die Chaoten draußen sind, muss das Spiel weitergehen, um zwei Dinge zu zeigen. Erstens: Hass und Schmähungen haben hier keinen Platz. Zweitens: Ein Fußballspiel werden die Chaoten auch weiterhin nicht zu einem Abbruch bringen.

Wer hat recht? 

Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online.de) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen – auch als Podcast zum Hören und kostenlosen Abonnieren bei AppleSpotifyGoogleDeezer, Podigee und in jeder Podcast-App.

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