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Nach Chelsea-Wechsel: Kai Havertz hätte niemals nach London wechseln dürfen


PRO & KONTRARekordspieler  

"Havertz hätte niemals zu Chelsea wechseln dürfen"

Von Robert Hiersemann und Florian Wichert

07.09.2020, 16:30 Uhr
Nach Chelsea-Wechsel: Kai Havertz hätte niemals nach London wechseln dürfen. Kai Havertz hat in 150 Spielen für Bayer Leverkusen 46 Tore erzielt und 31 vorbereitet. Nun hat er den Verein verlassen. (Quelle: Reuters/POOL New)

Kai Havertz hat in 150 Spielen für Bayer Leverkusen 46 Tore erzielt und 31 vorbereitet. Nun hat er den Verein verlassen. (Quelle: POOL New/Reuters)

Die Bundesliga verliert einen hochtalentierten Nationalspieler, der englische Klub FC Chelsea gewinnt einen – für 100 Millionen Euro. Aber hat der teuerste deutsche Spieler aller Zeiten bei seinem Wechsel etwas übersehen?

Kai Havertz ist durch seinen 100-Millionen-Euro-Transfer zum FC Chelsea der teuerste deutsche Spieler der Geschichte. In England allerdings haben ihn noch nicht alle auf dem Schirm. Der FC Chelsea vertauschte bei der Vorstellung die Buchstaben des Vornamens und wurde für "Kia" Havertz anschließend verhöhnt. Und auch die großen Schlagzeilen der Zeitungen auf den dem Sport vorbehaltenen "backpages" gehörten anderen. Havertz fand sich nur im Meldungsbereich. Wenn überhaupt.

Die BBC fragte: "Wer ist Kai Havertz?" Erklärte allerdings anschließend: "Der neue Michael Ballack und künftige Superstar", also: ein "German wunderkind". Die "Times" kam nach ihrer Spurensuche bei Weggefährten und Entdeckern zu einer ähnlichen Erkenntnis: "Ein Abschluss wie Ballack, schlau wie Busquets." Ballack, der frühere Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, spielte von 2006 bis 2010 für Chelsea, gewann mit dem Klub die Meisterschaft und mehrere nationale Pokale. Busquets gewann als Stratege im Mittelfeld mit dem FC Barcelona zweimal das Triple aus spanischer Meisterschaft, Pokal und Champions League.

Für Havertz gehe unabhängig davon "ein Traum" in Erfüllung, er sei "sehr glücklich und stolz". Kein Wunder, ist der 21-Jährige laut Sun mit unfassbaren 310.000 Pfund pro Woche (rund 350.000 Euro) doch künftig Chelseas Topverdiener – mit Abstand. Timo Werner soll dort 170.000 Pfund einstreichen, Weltmeister Oliver Giroud "nur" 110.000. Havertz, glauben sie in London, ist jeden Penny wert. "Kai ist einer der besten Spieler seines Alters im Weltfußball", so Klubdirektorin Marina Granovskaia, "er ist ein aufregendes, dynamisches Talent." 

Es gibt allerdings auch ein paar Haken. Zum Beispiel den, dass der FC Chelsea in den vergangenen Jahren nicht zur allerersten Reihe der Topklubs in Europa gehörte. Allein in der abgelaufenen Saison qualifizierte sich der Klub zwar noch für die Champions League, hatte als Tabellenvierter in England allerdings 33 Punkte Rückstand auf den Meister FC Liverpool. Obwohl auch die Vereine aus der allerersten Reihe Interesse an einem Havertz-Transfer hatten, entschied er sich für Chelsea. Das führt zur Frage:

Hat Kai Havertz mit seinem Wechsel zum FC Chelsea die richtige Entscheidung getroffen? 

Florian Wichert

Stellvertretender Chefredakteur

Pro

Ja, Havertz wird der neue Ballack – nur besser

Kommt der Wechsel zu früh? Wie soll ein 21-Jähriger die Last einer 100-Millionen-Euro-Transfersumme schultern? Warum geht der überhaupt zu Chelsea und nicht zu Real Madrid oder Liverpool?

Ja, es gibt durchaus Bedenken rund um den Wechsel von Kai Havertz. Allerdings sind die allesamt Quatsch.

Kai Havertz ist nicht nur genauso groß (1,89m) und torgefährlich wie der einstige Publikumsliebling Michael Ballack – er wird auch genauso einschlagen wie sein deutscher Vorgänger im Mittelfeld bei Chelsea. Mindestens. Denn während Ballack mit 29 Jahren in die Premier League kam und Chelsea einen Meistertitel bescherte, ist Havertz acht Jahre jünger und wird den Klub einmal zu internationalen Erfolgen führen. An Havertz' Qualitäten gibt es keine Zweifel. Und die Transfersumme kann ihm sogar helfen: einen so teuren Spieler setzt man erstmal nicht auf die Bank.

Wichtig: Havertz hat das uneingeschränkte Vertrauen von Trainer Frank Lampard. Ob der ihn als Zehner im 4-2-3-1 oder Achter im 4-3-3 einsetzt: Er wird das Spiel auf jeden Fall auf ihn zuschneiden. Mit Werner, Ziyech oder Thiago Silva hat Havertz dabei begnadete neue Mitspieler. Mit ihnen wird er den Angriff auf die Spitze in Europa wagen.

Robert Hiersemann

Head of Fußball und Sport

Kontra

Nein, uns droht ein zweiter Fall Kroos

Deutschlands Fußballhoffnung Nummer eins hätte niemals zu Chelsea wechseln dürfen. Denn das ist nicht nur gefährlich für ihn selbst, sondern auch schade für die Bundesliga. Stattdessen hätte Kai Havertz entweder zum FC Bayern oder aber auch zum BVB gehen sollen. Warum? Zwei Gedanken dazu:

Erstens: Wir verlieren in Deutschland ein Stück Spektakel. Havertz erzielte in 138 Ligaspielen 36 Tore und bereitete 25 weitere Treffer vor – eine Sensations-Quote für einen 21-Jährigen. Seine Künste wird er künftig auf der Insel zeigen. Traurig. Denn schon Kroos verließ einst die Liga, um sich in Madrid zum größten deutschen Fußballhelden – neben Neuer – zu entwickeln. Warum halten wir diese Ausnahmekönner nicht bei uns?

Zweitens: Der Schritt ins Ausland könnte zu früh kommen. Dortmund liegt nur 142 Kilometer von seiner Geburtsstadt Aachen und 70 Kilometer von der fußballerischen Heimat Leverkusen entfernt. Dort hätte er die nötige Nestwärme gehabt. Auch München wäre eine tolle Lösung gewesen. Nun spielt er in der 8,9-Millionen-Einwohner-Metropole London. Die Gefahr eines Leistungsknicks ist dort größer.

Die Bundesliga hat mit dem Abgang ein Stück an Attraktivität eingebüßt, und das Supertalent geht ins Risiko. Es wird interessant zu beobachten sein, was sich daraus nun entwickelt.

Wer hat recht?

Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online.de) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen. 

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