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Er hat es allen gezeigt

Ein Kommentar von Benjamin Zurm├╝hl

Aktualisiert am 24.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Felix Magath im entscheidenden Relegationsspiel: Hertha BSC lebte durch ihn wieder auf.
Felix Magath im entscheidenden Relegationsspiel: Hertha BSC lebte durch ihn wieder auf. (Quelle: Revierfoto/imago-images-bilder)
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Als Felix Magath im M├Ąrz nach Berlin kam, wurde er bel├Ąchelt, als Trainer von vorgestern abgestempelt. Doch selbst mit 68 Jahren hat er seine Kritiker alt aussehen lassen.

Felix Magath ist ein gro├čer Trainer. Als ich ÔÇô Jahrgang 1994 ÔÇô angefangen habe, Fu├čball zu gucken, wurde er wenige Jahre sp├Ąter Deutscher Meister mit dem FC Bayern, gewann zweimal in Folge das Double. Magath war f├╝r mich automatisch ein Mann des Erfolgs. Als er dann 2008/09 das Wunder mit dem VfL Wolfsburg schaffte und seinen dritten Meistertitel feierte, war er f├╝r mich endg├╝ltig einer der Besten seines Fachs.

Eine T├Ąuschung

Und trotzdem sch├╝ttelte ich fast 13 Jahre sp├Ąter den Kopf, als Hertha BSC im M├Ąrz den inzwischen 68 Jahre alten Felix Magath zu der Person machte, die den Krisenklub aus Berlin-Westend retten sollte. Andere waren noch kritischer, bel├Ąchelten ihn und stempelten ihn als Trainer von vorgestern ab. Denn in diesen 13 Jahren zwischen dem Titelgewinn mit Wolfsburg und seinem Job bei Hertha war viel passiert.


2014 sollte er den FC Fulham in der Premier League retten ÔÇô dieser stieg ab. 2016 und 2017 schaffte er zwar mit einem Klub den Klassenerhalt, das war aber in China. Und von Januar 2020 bis M├Ąrz 2021 arbeitete er als Manager bei den W├╝rzburger Kickers und feuerte in dieser Zeit drei Trainer. Im Sommer 2021 stieg W├╝rzburg aus der 2. Bundesliga ab.

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Der Glaube daran, dass er im modernen Fu├čball auf dem Niveau der Bundesliga nun bestehen k├Ânnte, fehlte vielen. Und das war eine T├Ąuschung.

Hertha zeigte Leben

Denn Magath wusste ganz genau, worauf es ankommt. Er gab einer leblos wirkenden Mannschaft, die er auf Platz 17 ├╝bernommen hatte, einen klaren Fokus. Er gab ihr Emotionen, Zusammenhalt und Leidenschaft. Er setzte nicht auf taktische Tricks oder ein komplexes Spielsystem. Er wollte, dass diese Mannschaft Grundtugenden zeigt. Und er wusste, an welchem wichtigen Teil eines Fu├čballspiels er in kurzer Zeit Ver├Ąnderungen sehen kann: an den Standards.

Magath als Hertha-Trainer: Er hat seinen Job erf├╝llt.
Magath als Hertha-Trainer: Er hat seinen Job erf├╝llt. (Quelle: Matthias Koch/imago-images-bilder)

All das ging auf. Seit der ersten Partie unter Magath zeigte Hertha Leben. Es war selten sch├Ân, was die Mannschaft in Blau-Wei├č auf den Platz brachte, aber es war oft effektiv. Sechs der elf Tore vor der Relegation unter Magath fielen nach Ecken, Freist├Â├čen und Elfmetern. Sein Wirken war zu sp├╝ren.

Er hat es allen gezeigt

Was ebenso wichtig war: Der erfahrene Trainer bewahrte die Ruhe. Als Hertha im Derby gegen Union klar verlor, blieb er gelassen. Als Hertha nach einem 2:0 gegen den VfB Stuttgart als gerettet galt, bremste er die Euphorie der Fans. Und als Hertha nach dem 0:1 im Hinspiel der Relegation gegen den Hamburger SV f├╝r viele als Absteiger feststand, nutzte er die Gunst der Stunde und schob den Druck in den Norden. "Jetzt hat der HSV etwas zu verlieren", sagte er. Und behielt recht.

Im R├╝ckspiel, dem gro├čen Finale der Relegation, vertraute er seinen Spielern, allen voran Kevin-Prince Boateng. Der Leitwolf dieser Hertha durfte die Mannschaft aufstellen, Magath gab sein Go. Die Spieler k├Ąmpften, rannten, gaben alles. Und sie erzielten zwei Tore ÔÇô nat├╝rlich per Standard. Sie zeigten all das, was Magath von ihnen wollte. Sein Plan ging auf.

Damit hat Magath es allen gezeigt. Allen, die ihn untersch├Ątzt und bel├Ąchelt hatten. Allen, die ihm den Klassenerhalt mit Hertha nicht zugetraut hatten. Auch mir.

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Von Benjamin Zurm├╝hl
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