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Stefan Effenberg: "Das ist die Chance des Lebens für die Frankfurter"

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MEINUNGEffenberg-Kolumne  

"Das ist die Chance des Lebens für die Frankfurter"

Die Kolumne von Stefan Effenberg bei t-online.de

18.05.2018, 21:55 Uhr
Stefan Effenberg: "Das ist die Chance des Lebens für die Frankfurter". Alexander Meier und Kevin-Prince Boateng feiern das Frankfurter Tor zum 3:0 gegen den Hamburger SV am letzten Bundesliga-Spieltag. Stefan Effenberg erklärt in seiner Kolumne, wie sie auch gegen Bayern jubeln können. (Quelle: imago/Eibner)

Alexander Meier und Kevin-Prince Boateng feiern das Frankfurter Tor zum 3:0 gegen den Hamburger SV am letzten Bundesliga-Spieltag. Stefan Effenberg erklärt in seiner Kolumne, wie sie auch gegen Bayern jubeln können. (Quelle: Eibner/imago)

Effenberg weiß, wie man den Pokal gewinnt. Er erklärt das Besondere am Final-Tag, wie Frankfurt am Samstag Bayern schlagen kann und wie er bei der WM-Kader-Nominierung entschieden hätte.

Zweimal durfte ich den DFB-Pokal gewinnen. 1995 mit Borussia Mönchengladbach und 2000 mit dem FC Bayern. Ich rede eigentlich nicht dauernd über alte Zeiten – aber diese sind wirklich hängengeblieben, weil sie etwas Besonderes waren. Jeder Pokalgewinn ist wertvoll, aber der mit Gladbach war es ganz besonders. Wertvoller als der mit Bayern.

Der Empfang in der Stadt ist unbeschreiblich

Berti Vogts hatte damals gesagt: "Es wird lange dauern, bis wir hier mal wieder eine Trophäe feiern können." Und dann haben wir den Pokal geholt. Bis heute war das der letzte Titel für Gladbach – seit mittlerweile 23 Jahren. Und es war der einzige in den vergangenen 39 Jahren.

Unvergessen: Stefan Effenberg holte mit Borussia Mönchengladbach 1995 den DFB-Pokal nach einem Finalsieg gegen den damaligen Zweitligisten VfL Wolfsburg. (Quelle: imago/Oliver Behrendt)Unvergessen: Stefan Effenberg holte mit Borussia Mönchengladbach 1995 den DFB-Pokal nach einem Finalsieg gegen den damaligen Zweitligisten VfL Wolfsburg. (Quelle: Oliver Behrendt/imago)

Du realisierst erst so richtig, was da passiert ist, wenn du aus Berlin zurückkommst und von den Fans empfangen wirst. Du absolvierst das Spiel, hast dann die Feier in Berlin im Hotel – unbeschreiblich ist aber vor allem der Empfang in der Stadt am nächsten Tag.

Der Pokal hat meine Karriere verändert

Alle Verantwortlichen wussten, dass wir etwas ganz Großes erreicht hatten. Ich erinnere mich, dass manch einer sogar seinen Abflug in den Urlaub verpasst hat, weil die Feier so großartig und lang war. Ich hatte meinen Urlaub clever gelegt und einen Tag Puffer eingebaut. Dann konnte ich noch mal ausschlafen und war wieder fit.

Der Pokal hat sogar meine Karriere beeinflusst. Ohne diesen Sieg hätte der Borussia Mönchengladbach nicht genug Geld gehabt, um mich von Florenz zu kaufen. Ich war bis dahin nur ausgeliehen.

Die Stadt Berlin ist elektrisiert

Den Titel mit Bayern fünf Jahre später habe ich als Revanche gesehen. Wir hatten im Vorjahr im Finale nach Elfmeterschießen gegen Bremen verloren. Ich habe mir gesagt: "Okay, diese Niederlage musst du jetzt einstecken – aber das holt ihr euch wieder." Als es genau dieses Duell ein Jahr später wieder gab, war ich natürlich extrem motiviert. In diesem Jahr war dann allen völlig klar, wer gewinnt. Das wussten – glaube ich – auch die Bremer. Der Unterschied zum Titel mit Gladbach: Diesmal hat niemand den Urlaub verpasst. Wenige Tage später mussten wir in der Champions League schon wieder gegen Real Madrid antreten.

Das Pokalfinale ist ohnehin etwas Besonderes. Schon bei der Ankunft in Berlin springt der Funke über. Die Stadt ist schon elektrisiert. Die Zuschauer sind früher angereist, das bekommst du mit. Dann musst du dich abschotten, um dich zu konzentrieren.

Das Stadion ist anders als bei Hertha-Heimspielen

Ich musste für mich sein. Bis nach dem Spiel wollte ich nicht abgelenkt werden. Familie und gute Freunde waren da und haben gefragt, ob wir uns nicht noch mal im Hotel treffen können. Ich habe gesagt: "Niemals! Das geht nicht."

Aber: Es hat geprickelt. Beim Pokalfinale ist sogar das Stadion gefühlt ganz anders als bei einem Heimspiel von Hertha.

Niemand will Glückwünsche zum Vize-Pokalsieg

Diesen Samstag (20 Uhr/ zum Liveticker von t-online.de) nun können die Spieler des FC Bayern Jupp Heynckes einen großartigen Abschied bereiten – genauso wie die Frankfurter Niko Kovac. Niemand will am Ende Glückwünsche dafür bekommen, dass er Vize-Pokalsieger ist. Niemand möchte gesagt bekommen: "Respekt, dass ihr jetzt schon zum zweiten Mal im Finale dabei gewesen seid." Niemand.

Anmerkung der Redaktion zur Umfrage: Mit "Unentschieden" ist nicht das Ergebnis gemeint, sondern ob Sie als Befragte/r noch unentschieden sind.

Bayern ist natürlich trotzdem Favorit, aber sie sind für mich kein klarer Favorit. Ich bin mir sicher, dass es kein 4:0 oder 4:1 geben wird. So einfach wird es nicht. Haben die Vereine noch die Kraft und Energie nach der langen Saison? Sind die wichtigen Spieler in Topform? Wer setzt die taktischen Anweisungen besser um? Das sind die Fragen, die entscheidend sind.

Die Chance des Lebens für die Frankfurter

Ich behaupte: Für die, die im Kader der Frankfurter stehen, ist es das Spiel des Lebens und auch die Chance des Lebens. Wer weiß, wie es dann mit dem neuen Trainer weitergeht.

Wie müssen sie spielen, um das Wunder zu schaffen? Ich glaube, dass sie immer die Möglichkeit haben, ein, zwei Tore zu schießen – aufgrund der Art, wie sie Fußball spielen. Ante Rebic überstrahlt natürlich alles. Auch wenn sie ein Spiel verlieren, haben sie meist vier, fünf klare Chancen, die sie dann liegen lassen. Einige wenige werden sie auch gegen den FC Bayern bekommen – die müssen sie unbedingt eiskalt nutzen.

Bayern kann Probleme bekommen

Es gibt drei Möglichkeiten: Vorne zustellen und dann draufgehen – das hältst du aber nicht 90 Minuten durch gegen den FC Bayern. Sich fallen lassen und dann schnell umschalten – das kann aber zu wenig sein. Am besten ist eine Mischung aus beidem. Das erwarte ich von Frankfurt. Dann können die Bayern auch Probleme bekommen.

Ich möchte noch kurz auf die Nominierung des vorläufigen WM-Kaders von Bundestrainer Joachim Löw in dieser Woche eingehen, weil ich zwei Entscheidungen anders getroffen hätte.

Ich hätte Mario Götze mitgenommen. Er hat sich immer wohlgefühlt und gut eingefügt in der Nationalmannschaft. Aus meiner Sicht hätte es ein psychologischer Vorteil sein können, Mario Götze einzuwechseln, wenn es drauf ankommt. Was denkt da wohl der Gegner? "Verdammt, vor vier Jahren hat er dieses Ding reingemacht." Du machst den Gegner damit nervös und hast einen Vorteil – wie auch immer du den dann nutzt.

Götze darf die Nicht-Nominierung nun nicht als Niederlage sehen – er muss sie als Herausforderung werten. Er ist ein Spieler mit herausragenden Fähigkeiten. Ich bin mir sicher, dass er es schafft, zurückzukommen.

Auch bei Sandro Wagner hätte ich anders entschieden. Er hat mich in dieser Saison in seiner Rolle überzeugt und ist ein Spielertyp, bei dem ich sage: Den kann jede Mannschaft gebrauchen. Dazu ist er selbstbewusst. Es hätte aus meiner Sicht nichts dagegen gesprochen, Gomez und Wagner mitzunehmen.

Dass Wagner nun zurückgetreten ist aus der Nationalmannschaft, das kann ich nachvollziehen. An seiner Situation wird sich ja nichts ändern. Er ist schon 30 Jahre alt und das Trainerteam wird das gleiche bleiben. Seinen Charakter wird er nicht mehr ändern können und ich mag solche Charaktere auch mit ihrer Offenheit, Ehrlichkeit und Direktheit. Selbst wenn er nach dem Turnier wieder berufen wird: Dann hat er erst mal nur zwei Jahre wieder Test- und Quali-Spiele vor der Brust.

Obwohl ich vielleicht anderer Meinung bin, sage ich: Joachim Löw hat es sich natürlich verdient, solche Entscheidungen zu treffen. Er lag da sehr oft richtig, was sich dann ausgezahlt hat.

Und am Ende wird es für die vier, die nach der Vorbereitung rausfliegen, viel härter – das tut noch viel mehr weh.

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