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Giulia Gwinn vor EM-Auftakt gegen Dänemark: "Das ist Wettbewerbsverzerrung"


"Das ist eine Wettbewerbsverzerrung"

  • Melanie Muschong
Von Melanie Muschong

Aktualisiert am 08.07.2022Lesedauer: 4 Min.
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Giulia Gwinn: In der Liga spielt sie für den FC Bayern München.
Giulia Gwinn: In der Liga spielt sie für den FC Bayern München. (Quelle: Hartenfelser/imago-images-bilder)
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Die Frauen-EM hat begonnen, am Freitag geht es auch für das deutsche Team los. Giulia Gwinn glaubt an ihr Team – und sieht eine besondere Stärke.

Giulia Gwinn ist erst 23 Jahre alt und doch schon erfahren. Die Mittelfeldspielerin des FC Bayern hat mit der deutschen Nationalmannschaft bereits die WM 2019 gespielt und steht nun bei der EM in England auf dem Platz.

t-online: Frau Gwinn, wie sehr freuen Sie sich auf die EM in England?

Giulia Gwinn: Riesig – und die Vorfreude wird von Tag zu Tag größer. Auch weil man so viel Zeit mit dem Team verbringt und auf den Traum, den wir haben, hinarbeitet. Dass die EM in England ist, ist ein Geschenk. Es ist das Mutterland des Fußballs. Es kommt auch zum richtigen Zeitpunkt, weil in England der Fußball geliebt und gelebt wird. Wir hoffen, dass dort volle Stadien sind und wir das auch genießen können. Einfach die Atmosphäre aufsaugen können.

Welche Rolle spielt es für den Frauenfußball, dass die EM das einzige Fußballturnier in diesem Sommer ist?

Es ist sehr schön und wichtig für uns, dass unsere EM ein Jahr verschoben wurde. Dass es ausgestrahlt wird und die Leute den Fokus behalten und auch in den Medien viel darüber lesen können, ist wichtig für den Frauenfußball im Allgemeinen. Es ist ein Geschenk für uns, dass wir diese Aufmerksamkeit bekommen. Eine Wertschätzung für den Frauenfußball.

Interview in Herzogenaurach: Giulia Gwinn (r.) mit t-online-Sportredakteurin Melanie Muschong.
Interview in Herzogenaurach: Giulia Gwinn (r.) mit t-online-Sportredakteurin Melanie Muschong. (Quelle: t-online/leer)

Was erwarten Sie von den Zuschauern in England?

Ich habe echt große Erwartungen, muss ich sagen. Wir wollen mit unserem Fußball mitreißen. Die Leute in England sind schon so fußballbegeistert, dass sie Stimmung machen werden. Ich finde es auch cool, dass die Nachfrage groß ist. Ich hoffe, dass man das mitnehmen kann.

Was müsste sich ändern, damit die Leute in Deutschland genauso viel Interesse daran haben wie in England?

Wir haben in größeren Stadien gespielt und damit die Plattform geboten, dass die Leute es überhaupt verfolgen können. Auch dass mehr Spiele live gezeigt werden. Diese Sichtbarkeit ist sehr wichtig. Wenn man die Spiele nicht sehen kann, wird man auch nicht darauf aufmerksam.


Viele Leute haben mir gesagt, dass sich der Frauenfußball entwickelt hat und jetzt attraktiv anzuschauen ist. Die Vorurteile, die es in Deutschland teils noch gibt, müssen aus dem Weg geräumt werden. Das können wir nur schaffen, wenn wir Werbung für unseren Fußball machen und die Plattform dafür geboten bekommen.

Sie hatten in Herzogenaurach die gleichen Bedingungen wie die Männer. Wie wichtig ist das?

Das ist für uns sehr schön und eine Ehre, dass die gleichen Bedingungen geschaffen wurden. Für mich ist das ein großes Ausrufezeichen. Das ist etwas, das wir anerkennen. Wir sprechen immer von "equal pay", aber ich finde erstmal "equal play" wichtig.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Prämien?

Man muss es differenziert betrachten. Es ergibt noch keinen Sinn, über "equal pay", also gleiche Gehälter, zu sprechen. So weit sind wir in Deutschland noch nicht. Aber für uns ist es wichtig zu sagen, dass die Schere kleiner wird. Dafür arbeiten wir, dafür machen wir Werbung. Es gibt eine Annäherung und die Prämien sind gestiegen.

Was müsste Ihrer Meinung nach noch besser werden?

Man muss gute Grundvoraussetzungen schaffen. Bei uns in der Liga gibt es immer noch Vereine, die nicht auf professionellem Niveau Fußball spielen können. Auch aus finanzieller Sicht. Einige Spielerinnen müssen nebenher arbeiten, das ist schade. Das ist eine Wettbewerbsverzerrung, weil es Vereine gibt, die das schon gewährleisten können, und andere Vereine, wo Spielerinnen 40 Stunden die Woche arbeiten müssen. Dann ist es schwierig. Es ist das Ziel, dass alle Vereine in der Bundesliga das auf professionellem Niveau ausüben können. Dann wird auch die Attraktivität noch mal steigen.

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Bei der EM in England haben Sie sich den Titel zum Ziel gesetzt.

Dass jeder vom Titel spricht, ist sehr schön, und es ist auch unser Anspruch, als deutsche Nationalmannschaft, vorne mitzuspielen. Ob wir der Favorit sind oder nicht, lassen wir mal außen vor. Dass wir die Qualität im Kader haben, steht für mich außer Frage. Wir müssen es nur schaffen, das auch auf den Platz zu bringen. Das ist unser großer Traum, den wir in England verwirklichen wollen.

Dänemark kommt als erster Gruppengegner auf Sie zu. Wie schätzen Sie die Mannschaft ein?

Man darf keinen Gegner unterschätzen und besonders Dänemark nicht. Sie haben sehr starke Spielerinnen, die man auch von früher aus der Bundesliga kennt. Das wird ein Härtetest. Bei so einer EM wird einem nichts geschenkt. Gerade so ein Auftaktspiel für uns in der Gruppe ist etwas Richtungsweisendes. Wenn man mit einem guten Gefühl reinstartet, hat man Rückenwind für die kommenden Gruppenspiele. Das ist ein Riesenziel von uns, das erfolgreich zu bestreiten und direkt ein Ausrufezeichen zu setzen.

Wie würden Sie Ihre Rolle im Team beschreiben?

Ich würde mich inzwischen schon zu den Erfahrenen zählen, weil ich schon ein großes Turnier spielen durfte. Damals war ich noch sehr jung. Jetzt bin ich zwar noch immer relativ jung, habe aber mehr Erfahrung. Wir haben mehrere junge Spielerinnen, die man an die Hand nehmen kann.

Was ist Ihre Stärke als Mannschaft?

Wir haben eine gute Mischung aus vielen erfahrenen Spielerinnen, aber auch eine große Zahl, die noch nie ein großes Turnier gespielt hat und sehr jung ist. Sie bringen frischen Wind rein. Wenn ich eine Jule Brand nenne: Wenn sie unbeschwert und frech aufspielt, die besten Leistungen bringt, ist das etwas ganz Besonderes. Dass man dann auch jemanden hat, der auf dem Platz klar weiß, was passiert, der sie an die Hand nehmen kann, aber die Mischung hat. Wenn wir das so beibehalten, auch unter der Drucksituation im Turnier, dann ist das schon eine Waffe von uns.

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Verwendete Quellen
  • Interview mit Giulia Gwinn in Herzogenaurach
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