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Frauen-WM | Schweiz-Star Alisha Lehmann: Mehr Follower als Roger Federer


"Unglaublich, was hier an Hass abgeht"


21.07.2023Lesedauer: 4 Min.
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Fokus auf die WM: Alisha Lehmann bei den Vorbereitungen zum Schweizer Turnierauftakt gegen die Philippinen.Vergrößern des Bildes
Fokus auf die WM: Alisha Lehmann bei den Vorbereitungen zum Schweizer Turnierauftakt gegen die Philippinen. (Quelle: MOLLY DARLINGTON)

Alisha Lehmann ist die bekannteste Spielerin der Schweiz bei der Fußball-WM. Dabei ist ihre Berühmtheit auch schon mal zum Problem geworden.

In der 70. Minute ist es so weit im Dunedin-Stadion der namensgebenden Stadt in Neuseeland. Beim WM-Auftakt der Schweiz gegen die Philippinen kommt Alisha Lehmann für die "Nati" in die Partie. Hat wenige Minuten später sogar die Chance, die Partie beim Stand von 2:0 endgültig zu entscheiden – doch ihr Kopfball aus 13 Metern wird gerade noch abgeblockt. Es wäre ein Traum-Einstand gewesen für die 24-Jährige. Denn Lehmann nimmt bei diesem Turnier eine ganz besondere Rolle ein: Sie ist das Gesicht dieser Fußballweltmeisterschaft der Frauen, omnipräsent in den sozialen Medien, mit Millionen Followern – und hat dazu eine sportlich schwierige Zeit hinter sich.

Knapp ein Jahr ist es erst her, dass Alisha Lehmann zum Ziel unzähliger Hasskommentare wurde. Im vergangenen Sommer kochten die Emotionen in der sonst so beschaulichen Schweiz hoch – denn Lehmann erklärte einen knappen Monat vor Beginn der Europameisterschaft 2022 ihren Verzicht auf eine Teilnahme.

"Es ist ein persönlicher Entscheid. Ich fühle mich mental nicht bereit für ein EM-Turnier", zitierte eine Mitteilung des Schweizer Fußballverbands die Starspielerin. Ex-Nationalspielerin Martina Moser äußerte sich daraufhin im Schweizer Fußballmagazin "Zwölf", junge Spielerinnen hätten "eine ganz andere Mentalität". Ihrem Eindruck nach seien für einige Social-Media-Präsenz und Selbstvermarktung mindestens so wichtig wie der Sport an sich. Und weiter: "Unsere Generation musste so viel leisten, um überhaupt nur ein bisschen Anerkennung zu bekommen. Die Jungen heute profitieren von unserer Pionierarbeit, dennoch hört man sie immer wieder nörgeln."

Mehr Follower als Roger Federer

Im Netz nahmen die Anfeindungen zahlreicher User gegen Lehmann sogar derartige Ausmaße an, dass sich ihre Mutter in einer Facebook-Kommentarspalte zu Wort meldete: "Unglaublich, was hier an Hass gegen meine Tochter abgeht!"

Denn die 24-Jährige ist nicht nur für ihr Fußballtalent berühmt, sondern auch für ihre Präsenz in den sozialen Medien. Mehr noch: Lehmann ist geradezu ein Social-Media-Phänomen. Die Bernerin hat 13,7 Millionen Follower bei Instagram, keine Fußballerin weltweit hat mehr – zum Vergleich: Das sind fast dreimal so viele Menschen, wie der deutschen Fußballnationalmannschaft folgen (5,7 Millionen). Und: Die 16 Bundesligaklubs abzüglich des FC Bayern und Borussia Dortmund haben knapp 10,5 Millionen – alle zusammen. Noch eine Dimension: Der Tennis-Ikone Roger Federer, ein Sportweltstar aus Lehmanns Heimat Schweiz, folgen 11,9 Millionen Nutzer. Auf TikTok haben zudem weitere neun Millionen Fans Lehmanns Kanal abonniert. Insgesamt also fast 23 Millionen Menschen weltweit, die sich für die Inhalte, die die 24-Jährige postet, begeistern.

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Der Aufstieg kam schnell: Mit zwölf Jahren wechselte sie 2011 in die Jugend der Young Boys Bern, trainierte dort zeitweise auch mit den männlichen Nachwuchsteams. 2015/16 schaffte sie es in der Winterpause in den Kader der Erstligamannschaft – und erspielte sich direkt einen Stammplatz. In 59 Einsätzen erzielte sie 30 Tore, ehe im Sommer 2018 der Wechsel nach England zu West Ham United folgte – der damalige Trainer Matt Beard soll von ihren Auftritten mit der Schweiz bei der U19-EM im selben Jahr beeindruckt gewesen sein. 2020/21 hatte sie mit Verletzungen zu kämpfen, wurde für ein halbes Jahr an den FC Everton ausgeliehen, verabschiedetet sich am Ende der Saison zu Villa. Und wurde über die Jahre auch zur Social-Media-Größe.

Fast täglich unterhält die Mittelfeldspielerin vom englischen Klub Aston Villa mit Fotos und Videos, ob privat oder vom Training mit der Mannschaft. Dass sie von 2018 bis 2021 mit ihrer Nationalmannschaftsmitspielerin Ramona Bachmann und danach für einige Monate mit ihrem Klubkollegen Douglas Luiz liiert war, stellte sich als für das öffentliche Interesse nicht gerade abträglich heraus. Nach der Trennung löschte sie jeweils alle gemeinsamen Bilder von ihrem Account. Zeilen wie "West Hams heißer Hammer" (aus ihrer Zeit bei West Ham United) oder "Sie ist die schönste Frau der Fußball-WM" werden ihr vom lüsternen und noch immer nicht im Jahr 2023 angekommenen Sportboulevard gewidmet, eine Seite schrieb gar eigens schnell ein Stück zusammen mit dem Titel "Hat Alisha Lehmann einen Freund?". Überschriften, die wohl keinem männlichen Star zugedacht würden.

"Das ist nicht korrekt"

Lehmann selbst weiß um ihre Wirkung: "Die Kritik ist einfach. Viele Leute beurteilen mich aufgrund meines Verhaltens in den Netzwerken, haben sich aber nie auch nur eine Minute lang meine sportlichen Leistungen angesehen", sagte sie einmal der "Schweizer Illustrierten". "Das ist nicht korrekt." Privat spreche sie nur über Fußball. Sie widme sich "zu 100 Prozent meinem Beruf als Fußballspielerin. Wie alle meine Teamkolleginnen trainiere ich jeden Tag und spiele am Wochenende. Ich habe noch nie von einem Verein oder einer Nationalmannschaft gehört, für die die sozialen Netzwerke ein Problem darstellen. Es gibt ein paar Regeln, aber wir können unsere Freizeit gestalten, wie wir wollen. Ich sehe das Problem nicht."

Dazu ist Lehmann mit ihrer Reichweite in den Netzwerken eine gefragte Werbepartnerin, Schätzungen zufolge könnte sie mit ihren Posts für Marken wie Adidas, Coca-Cola oder Playstation umgerechnet über 100.000 Euro einnehmen – pro Post, wohlgemerkt.

Für ihre EM-Absage 2022 erhielt sie indes auch viel Zuspruch: Sie sei "nicht nur für andere Sportlerinnen und Sportler, sondern für uns alle ein tolles Vorbild", erklärte die Schweizer Sportpsychologin Katharina Albertin bei "annabelle.ch". "Es braucht viel Mut, hinzustehen und etwas, das für einen selbst sehr wichtig ist, nach außen zu vertreten – im Wissen, dass es auch Leute geben wird, die Buh rufen."

Bei der WM 2023 ist sie nun wieder dabei im roten Trikot der "Nati". Deren neue Cheftrainerin, die langjährige deutsche Nationalspielerin Inka Grings, unterstützte Lehmann bereits im Vorfeld bei ihrem Comeback: "Jede hat das Recht auf eine zweite Chance. Alisha ist eine Top-Spielerin, und ich freue mich, dass sie bei uns ist." Auch wenn es zum Auftakt nicht mit dem Traum-Einstand bei der WM 2023 geklappt hat.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • annabelle.ch: Mental Health im Profisport: "Alisha Lehmann ist ein Vorbild"
  • Aussagen von Martina Moser in "Zwölf"
  • schweizer-illustrierte.ch: Ein Phänomen namens Alisha
  • blick.ch: Wird Insta-Superstar Alisha Lehmann alles zu viel?
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