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WM 2006: Die Sport-Supermacht Adidas schweigt


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Die Sport-Supermacht Adidas schweigt

Von dpa, t-online
Aktualisiert am 13.11.2015Lesedauer: 4 Min.
Das Adidas-Logo strahlt - trotz Skandalen und Affären in der Welt des Milliardengeschäfts Sport.
Das Adidas-Logo strahlt - trotz Skandalen und Affären in der Welt des Milliardengeschäfts Sport. (Quelle: imago-images-bilder)
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Adidas hat als Sponsor Macht und Einfluss im weltweiten Milliarden-Geschäft Sport. Geht es um die schweren Vorwürfe gegen den DFB und die FIFA im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, schweigt der

Ob Korruptionsskandal beim Fußball-Weltverband oder Sommermärchen-Affäre beim Deutschen Fußball-Bund: Als Sponsor beider Verbände ist die Adidas AG im Zentrum des Bebens. Denn: Führende Köpfe des Unternehmens hatten und haben enge geschäftliche und persönliche Verbindungen zu den Funktionären und Offiziellen in der Welt des Sports. Doch der Konzern aus Herzogenaurach hüllt sich in Schweigen - und scheint abzuwarten, was geschieht.

Andere FIFA-Großsponsoren wie Coca-Cola, McDonald's oder Visa, die lange Jahre auch in Krisenzeiten treu zu FIFA-Boss Joseph Blatter standen, haben sich längst vom umstrittenen Schweizer abgewendet. Sie forderten in offenen Briefen gar den Rückzug Blatters - und drohten andernfalls mit dem Ende ihres Sponsorings. Adidas dagegen forderte lediglich Reformen - und das mit wachsweichen Worten. Was steckt dahinter?

Die Beckenbauer-Dreyfus-Connection

Eins ist klar: In der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 an Deutschland sind der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus und der langjährige Adidas-Werbepartner Franz Beckenbauer Schlüsselfiguren. Sie müssten wissen, ob es einen Deal zwischen dem DFB, der FIFA und Dritten gab, der Deutschland den Zuschlag für das Weltturnier sicherte. Und welche Rolle Adidas dabei spielte.

Doch Louis-Dreyfus, Adidas-Vorstand von 1993 bis 2001, ist 2009 verstorben. Der Kaiser schweigt zu allen Vorwürfen gegen seine Person. Und Adidas? Aus der Zentrale heißt es, "dass alle Vorgänge rund um die WM-Vergabe 2006 aufgeklärt werden". Über dieses Statement hinaus ist wenig zu hören vom Weltkonzern mit den drei Streifen.

Welche Druckmittel hat Adidas in der Hand

Dass der seit 2001 verantwortliche Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer Druckmittel in der Hand hätte, um Aufklärung auch in eigener Sache zu betreiben, dessen ist sich Christoph Lütge sicher. Der Professor für Wirtschaftsethik an der TU München sieht Handlungsspielraum, um die umstrittenen Figuren der WM-Affäre zum Handeln beziehungsweise zum Sprechen zu zwingen: "Eine aktivere Rolle wäre absolut angebracht. Der größte Teil des Geldes kommt von den Sponsoren. Nur dadurch sind die Affären möglich gewesen."

Jaimie Fuller, Vorstandschef des Schweizer Sportartikherstellers Skins und Mitbegründer des Bündnisses "New FIFA Now" ("Neue FIFA jetzt"), geht bei der Frage nach der Rolle von Adidas in der WM-Affäre noch weiter: "Sie sind mehr als ein Komplize. Sie haben das FIFA-System immer gestützt und stützen es weiterhin, weil sie an der Wurzel der Sportkorruption sitzen", sagte er in einem Interview mit n-tv.

Vermarktungsfirmen, Stiftungen und ominöse Zahlungen

Dabei täte Aufklärung angesichts des Lichts, in dem Adidas steht, gut. Horst Dassler, der 1987 verstorbene Sohn von Adidas-Gründer Adolf Dassler, rief einst die Vermarktungsfirma ISL ins Leben.

In einem Strafprozess gegen die ISL wurden 2008 mehrere Zahlungen an hochrangige Sportfunktionäre bekannt, unter anderem in Ämtern bei der FIFA und beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC). 138 Millionen Franken sollen zwischen 1989 und 2001 über eine Stiftung in Liechtenstein verteilt worden sein - offenbar, um sich lukrative Marketingrechte für die beiden größten Sportereignisse der Welt zu sichern.

Im Fokus steht derzeit aber ein Anderer: Hainer-Vorgänger Louis-Dreyfus. Die Fragen, wohin genau eine nachweisliche Zahlung des Franzosen im Zusammenhang mit der WM-Vergabe 2006 in Höhe von 6,7 Millionen Euro geflossen ist, wer der Empfänger war und warum das Geld gezahlt wurde, steht seit Wochen im Zentrum der WM-Affäre beim DFB, über die der zurückgetretene Verbands-Chef Wolfgang Niersbach gestolpert ist. Und sie ist unbeantwortet.

Schützt Adidas den DFB?

Warum also schweigt Adidas zu seiner Rolle im WM-Skandal? Der Konzern ist auf die FIFA und den DFB angewiesen. Die Franken haben erst vor zwei Jahren ihre Partnerschaft mit dem Weltverband bis ins Jahr 2030 verlängert. Seit 1970 gibt es die Kooperation, die im Duell mit US-Weltmarktführer Nike ein alternativloses Pfund ist.

Die Verbindungen zum DFB reichen gar bis zum ersten WM-Triumph der Fritz-Walter-Elf 1954, die mit Adidas-Schuhen ausgerüstet war, zurück. Den Ausrüstervertrag, der noch bis 2018 läuft, möchte Hainer vorzeitig verlängern. Doch in der Vergangenheit wurde über einen möglichen Wechsel des DFB zu Nike spekuliert. Für Adidas wäre das ein herber Schlag. Ist das der Grund, die DFB-Offiziellen in der WM-Affäre nicht zu belasten?

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Wegen der Konkurrenz auf dem Sportartikelmarkt seien die Druckmittel begrenzt, meint Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment: "Nike steht bereit und hat sicherlich dann auch klare Vorstellungen, was Compliance angeht."

In der Zwickmühle

Seit Jahren stellen große Unternehmen immer strengere Richtlinien auf, um mit sogenannten Compliance-Regeln Korruption und Betrug intern vorzubeugen. Die Herzogenauracher seien nun in einer Zwickmühle. "Das Grundproblem ist, dass ein Dax-Konzern sehr hohe Compliance-Maßstäbe erfüllen muss. Gleichzeitig ist Adidas aber offenbar in Verträgen mit Sportorganisationen, bei denen in der Vergangenheit andere Maßstäbe angelegt worden sind", sagt Speich.

Bei US-Firmen sei die Sensibilität für Korruption dagegen deutlicher ausgeprägt, was auch mit der strengeren Rechtslage in den USA zusammenhänge. Das sei an den unmissverständlichen Aussagen mehrerer amerikanischer Großsponsoren im FIFA-Fall zu erkennen, meint Lütge.

Konsument durch Korruptionsvorwürfe nicht abgeschreckt

An einen Schaden für Adidas oder wegweisende Verluste im Verkaufsgeschäft glaubt der Münchner Professor aber nicht. Die Marke genieße weltweit eine hohe Reputation, und die Deutschen seien generell recht markentreu. "Und das Thema Korruption ist für Konsumenten - anders als zum Beispiel Kinderarbeit - sehr abstrakt."

Speich hingegen sieht die Folgen des Skandals und Schweigen kritischer: "Der Konsument merkt natürlich, dass da irgendwas schief läuft." Das könne sich leicht auf den Verkauf der Produkte auswirken und im schlimmsten Fall sogar Konsumentenboykotte nach sich ziehen, so der Branchenkenner. "Der Kunde fragt sich dann: Muss ich Produkte ausgerechnet von diesem Hersteller kaufen, wenn es auch noch andere gibt?"

Bislang geben die Geschäfte allerdings (noch) Hainer recht. Der Adidas-Chef präsentierte jüngst wieder sehr gute Zahlen für das abgelaufene Quartal und gibt sich gelassen: "Ich glaube, dass der Konsument sehr fein unterscheidet zwischen dem Verband auf der einen Seite und den Marken und dem Unternehmen Adidas auf der anderen Seite."

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Von Nils Kögler
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